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13.01.2013

11:45 Uhr

Trotz „Concordia“-Havarie

Kreuzfahrten bleiben bei Deutschen beliebt

Nach dem „Concordia“-Unglück befürchteten die Kreuzfahrtreedereien, dass die Passagiere ausbleiben würden. Ein Jahr nach der Havarie erweist sich diese Sorge als unbegründet – die Nachfrage hat sogar zugelegt.

Die „Costa Concordia“ liegt auch ein Jahr nach der Havarie immer noch in der Nähe des Hafens Giglio. AFP

Die „Costa Concordia“ liegt auch ein Jahr nach der Havarie immer noch in der Nähe des Hafens Giglio.

HamburgKreuzfahrten stehen bei den Deutschen trotz der Havarie der „Costa Concordia“ weiter hoch im Kurs. Der Deutsche Reise-Verband (DRV) rechnet für 2012 mit einem hohen einstelligen prozentualen Zuwachs. Die Buchungen für 2013 liegen noch einmal höher, wie es hieß. Genaue Zahlen legt der Verband im März zur Reisemesse in Berlin vor.

„Der befürchtete Einbruch bei den Passagierzahlen ist nicht eingetreten, die Ziele und Planungen der Reedereien für das Jahr 2012 wurden erfüllt“, sagte der Chef der Kreuzfahrtreederei TUI Cruises, Richard J. Vogel, vor wenigen Wochen.

Die Havarie Anfang Januar habe zu einer kurzfristigen Zurückhaltung bei den Kunden geführt, doch der Markt habe sich in den darauf folgenden Wochen sehr schnell wieder erholt. 2013 laufen sechs neue Riesen-Kreuzfahrtschiffe vom Stapel, ein weiterer Hinweis auf die Geschwindigkeit des Wachstums.

Die Kreuzfahrtbranche hatte 2011 mit etwa 1,8 Millionen Gästen 2,4 Milliarden Euro Jahresumsatz erzielt. 1,4 Millionen Gäste machten eine Hochseekreuzfahrt, fast 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit ist Deutschland der drittgrößte Hochsee-Kreuzfahrtmarkt weltweit nach den USA und Großbritannien. Die Veranstalter von Flusskreuzfahrten meldeten 6,7 Prozent mehr Buchungen und zählten knapp 462.000 Gäste.

„Costa Concordia“

Gekentert

Am 13. Januar 2012.

Größe

290 Meter lang, 35 Meter breit

Geschwindigkeit

23 Knoten (43 Stundenkilometer)

Menschen an Bord

4200

Unglücksursache

Kollision mit einem Felsen im Mittelmeer

Folgen

Riss in der Bordwand, kentern, nun droht das Schiff abzurutschen.

Opfer

Mindestens sieben Tote und mindestens 29 Vermisste.

Das Potenzial für noch mehr Gäste ist trotz der Zuwächse nach Einschätzung des DRV noch hoch: Erst 1,5 Prozent aller Deutschen hätten bereits eine Kreuzfahrt unternommen.

Die Branche hat längst ihr Luxus-Image abgeworfen: Es gibt inzwischen Kreuzfahrten für Hardrock-Fans, für Familien, für Feierwütige und andere Interessensgruppen. Daneben läuft weiter die klassische Luxuskreuzfahrt mit Schiffen wie der „MS Deutschland“ oder der „Europa“.

„Costa Concordia“-Anbieter mit Tourismusjahr zufrieden

Zuwachs nach Buchungsdelle

Nach einer „Buchungsdelle“ wegen des Unglücks erholten sich nach Unternehmensangaben 2012 die Buchungen recht zügig. Im Zeitraum April bis Mai sei ein Zuwachs von 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet worden. Alle Abfahrten im August in den Mittelmeerraum sowie nach Nordeuropa seien ausgebucht gewesen.

Wirtschaftskrise verursache Preisrückgang

Im September und Oktober sei die Wirtschaftskrise in europäischen Kernmärkten des Kreuzfahrtenanbieters spürbar geworden, was zu einem Preisrückgang bei Kreuzfahrten geführt habe. Auch andere europäische Anbieter hatten nach der Havarie 2012 eine Buchungszurückhaltung registriert, wovon sich die Branche insgesamt erholte.

Erwartungen für 2012

Für 2012 werden erneut Zuwächse bei Umsatz und Passagieren erwartet, genaue Zahlen will der Deutsche Reiseverband (DRV/Berlin) im März vorlegen. 2011 wurden 2,4 Milliarden Euro Jahresumsatz und 1,4 Millionen Gäste auf Hochsee-Schiffen (plus 13,8 Prozent im Vorjahresvergleich) verzeichnet. Derzeit ist Deutschland nach den USA und Großbritannien der drittgrößte Markt für Kreuzfahrten weltweit.

Außerdem stützt die immer ältere Gesellschaft in Deutschland das Geschäft. Gerade für gut versorgte ältere Leute sind Kreuzfahrten ideal: Sie sparten sich bei Rundreisen die Mühe der Hotelwechsel und Fahrerei, kommen aber trotzdem herum.

In Deutschland profitieren neben den Veranstalter wie TUI, Aida-Cruises oder Carnival auch andere Wirtschaftszweige vom Kreuzfahrtboom. Die Meyer-Werft in Papenburg mit 2.500 Mitarbeitern ist eine der besten Adressen für den Bau der schwimmenden Hotels.

Und die Häfen in Hamburg, Kiel und Rostock sind beliebte Anlaufpunkte der Riesen bei Nord- und Ostseerundfahrten - und bringen Millionenumsätze für Restaurants, Servicebetriebe und den Einzelhandel.

Von

dapd

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