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24.04.2011

09:27 Uhr

Trotz hoher Wollpreise

Schäfer schneiden ganz schlecht ab

Der Wollpreis ist derzeit nach jahrelanger Durststrecke auf dem höchsten Stand seit zwanzig Jahren. Trotzdem geht die Zahl der Schafherden weiter zurück. Neben dem geringen Einkommen fehlt es vor allem an Nachwuchs.

Der Schäferberuf stirbt langsam aus. Quelle: ap

Der Schäferberuf stirbt langsam aus.

ErfurtJahrelang war der Wollpreis im Keller. Jetzt ist das deutsche Vlies plötzlich gefragt und teuer wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr: Zwischen 1,60 und 1,65 Euro gibt es für ein Kilo Rohwolle vom Merinoschaf. Doch der Thüringer Schäfer Jens-Uwe Otto und seine Kollegen sagen trotzdem, dass die Schäfer nicht aufatmen können. Immer mehr Herden werden abgeschafft, Züchter geben auf. „Der Wollpreis kann uns nicht retten“, erklärt Burkhard Schmücker von der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände.

Dabei stand es vor kurzem noch viel schlimmer um die Schäfer. Im vergangenen Jahr bekamen sie zwischen 60 und 80 Cent für ein Kilo Wolle, 2009 waren es sogar nur dürftige 49 Cent. Den absoluten Tiefstpreis erlebten sie nach der Wiedervereinigung. „30 bis 50 Pfennig gab es da“, erinnert sich Otto. Zwei Jahre hat er seine Wolle deswegen einfach liegen lassen und nicht verkauft.

„Jetzt behalten wir nach der Schur endlich ein wenig Geld übrig“, freut sich Schmücker, der selbst mehr als 500 Schafe hat. Rund vier Kilo Wolle hat ein Schaf und bringt damit derzeit rund 6,50 Euro ein. Rund 2,50 Euro nehmen der Scherer und seine Helfer. Dazu kommen traditionell Essen und Trinken auf den Tisch. „Wir machen kein Minus mehr“, hat auch Otto erlebt.

Der hohe Wollpreis komme vor allem durch die Hochwasser in Pakistan und Australien zustande, bei denen im vergangenen Jahr viele Baumwollfelder zerstört wurden. Die Baumwollpreise schnellten laut in die Höhe und damit verteuerte sich auch die Schafwolle. „Die Nachfrage ist enorm gestiegen.“ Vor allem China habe mit seinen wachsenden Ansprüchen einen unglaublichen Rohstoffbedarf entwickelt.

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