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14.05.2014

16:35 Uhr

Türkei

Trauer und Empörung über das Spar-Bergwerk

Die Türkei ist am Tag nach dem Bergwerkunglück in Staatstrauer. Angehörige der verschütteten Bergarbeiter warten verzweifelt auf Informationen, eine Kühlhalle wurde zur Leichenhalle umfunktioniert.

Grubenunglück in der Türkei

280 Tote, Hunderte noch eingeschlossen

Grubenunglück in der Türkei: 280 Tote, Hunderte noch eingeschlossen

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IstanbulIn der türkischen Bergarbeiterstadt Soma warten verzweifelte Angehörige auf Nachrichten aus der Tiefe der Kohlestollen. Lebendig oder tot, höchstes Glück oder tiefe Trauer? Vor laufenden Fernsehkameras werden am Mittwoch weitere rußverschmierte Opfer des katastrophalen Bergwerkunglücks durch ein Spalier der Sicherheitskräfte zu Krankenwagen getragen.

Um die große Zahl der Leichen bewältigen zu können, sei eine Kühlhalle für Melonen nahe der Mine zur Leichenhalle umfunktioniert worden, berichten türkische Medien. Vor einem Krankenhaus hält die Polizei Angehörige zurück. Einige sind still in Tränen versunken, andere schreien aufgebracht.

Denn in die Trauer mischt sich am Tag nach dem Unglück helle Empörung. Nicht nur die Gewerkschaften werfen der Betreibergesellschaft Soma Kömür vor, Profit sei im türkischen Bergbau einmal mehr vor Sicherheit gegangen. Das Unglück sei kein Schicksal, sondern von Menschen verschuldet.

Die größten Minenunglücke der vergangenen Jahre

2005

Eine Explosion in einem Kohleschacht kostet 203 Bergleuten in der Region Fuxin im Südwesten Chinas das Leben. Zwölf weitere Kumpel werden nie gefunden. Es gilt als das schwerste Grubenunglück in der Geschichte der Volksrepublik.

2006

65 Kohlekumpel sterben bei einer Gasexplosion in San Juan de Sabinas in Nordmexiko.

2007

Beim schwersten Grubenunglück nach Ende der Sowjetunion kommen in der Ukraine mindestens 90 Bergleute bei einer Methangasexplosion in einer Kohlemine bei Donezk ums Leben.

2010

Eine Explosion im Kohlebergwerk Upper Big Branch im US-Staat West Virginia kostet 29 Bergarbeiter das Leben.

2010

33 verschüttete Bergleute werden in Chile nach 69 Tagen aus einer Gold- und Kupfermine gerettet.

2010

29 Männer kommen bei einem der schwersten Grubenunglücke in der Geschichte Neuseelands ums Leben. Eine riesige Gasexplosion zerstört alle Hoffnungen auf die Bergung der Kumpel, die nach einer ähnlichen Explosion fünf Tage zuvor verschüttet worden waren.

2011

Eine Gasexplosion in einem Kohlebergwerk in Sorange im Südwesten Pakistans kostet mindestens 52 Menschen das Leben.

2012

Mindestens 60 Menschen kommen im Nordosten des Kongos bei einem Erdrutsch in einer Goldmine ums Leben.

2013

83 Arbeiter werden von einem massiven Erdrutsch auf einer Goldmine in Tibet begraben.

Dabei soll die islamisch-konservative Regierungspartei AKP eine schützende Hand über die Betreiberholding gehalten haben. Mit ihrer Mehrheit war Ende April im Parlament ein Antrag der Opposition, die eine Kontrolle in Soma durchsetzen wollte, abgelehnt worden.

Im September 2012 habe der Chef der Soma Holding, Alp Gürkan, in einem Interview gefeiert, dass er die Kosten in dem Bergwerk nach dessen Übernahme aus Staatsbesitz deutlich habe senken können, berichtet die Zeitung „Hürriyet Daily News“. Die Produktionskosten pro Tonne Kohle seien von bis zu 140 US-Dollar (knapp 102 Euro) pro Tonne auf nun knapp 24 US-Dollar (knapp 17,50 Euro) gesenkt worden.

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