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20.07.2012

16:04 Uhr

TÜV-Stichprobe

Gefährliche Keime in öffentlichen Toiletten

Eine Stichprobe des TÜV Rheinlands ergab, dass unter 25 getesteten Wasserhähnen in öffentlichen Gebäuden jede dritte verunreinigt war. In drei Stichproben befanden sich Legionellen und Krankenhauskeime.

Hahn auf: Leitungsweiser muss nicht immer schlechter sein als Mineralwasser. dpa

Hahn auf: Leitungsweiser muss nicht immer schlechter sein als Mineralwasser.

Köln/ErfurtLeitungswasser in öffentlichen Gebäuden ist möglicherweise oft nur mit Vorsicht zu genießen. Jede dritte Probe bei einem Trinkwassertest des TÜV Rheinland sei mit Keimen belastet gewesen, berichtet die Zeitschrift „Bild der Frau“. Für das Blatt prüfte der TÜV 25 öffentlich zugängliche Wasserhähne in ganz Deutschland. Eine der Proben überschritt den laut Verordnung erlaubten Grenzwert für Keime um das Fünffache - allerdings wurde die Probe den Angaben nach nicht gemäß der Trinkwasserverordnung genommen.

In jeweils drei Stichproben fanden die Tester Legionellen oder Krankenhauskeime, die für immunschwache Menschen ein Gesundheitsrisiko darstellen können. Legionellen-Bakterien können Lungenentzündungen hervorrufen.

Die Art der Belastungen deute darauf hin, dass nicht die Qualität des Trinkwassers die Ursache für die Verunreinigungen sei, sondern das Leitungssystem in den Gebäuden, sagte ein Sprecher des TÜV. Vor diesem Risiko seien auch private Haushalte nicht gefeit. Intakte Rohrleitungen, Warmwassertemperaturen von mindestens 50 Grad sowie saubere Perlatoren und Duschköpfe könnten das Risiko aber minimieren, sagte der Sprecher.

Colibakterien im Trinkwasser

Im Trinkwasser aus Erfurt und der Umgebung wurden dieser Tage Colibakterien gefunden. Die Chlordosierung sei erhöht worden, um die gesundheitsgefährdenden Erreger abzutöten, sagte eine Sprecherin des Versorgers Thüringen Wasser GmbH am Dienstag in Erfurt. Rund 230 000 Menschen in der Landeshauptstadt sowie einigen Orten der Umgebung sollten ihr Leitungswasser mindestens fünf Minuten lang abkochen, sagte eine Sprecherin der Stadtwerke Erfurt. Dies gelte bis mindestens Donnerstagabend. Wie die Darmbakterien ins Trinkwasser gelangten, war zunächst unklar.

Bis Dienstagnachmittag seien noch keine von den Keimen verursachten Krankheiten gemeldet worden, sagte die Erfurter Amtsärztin Helga Peter. „Vor allem alte Menschen, Kinder und Kranke sind gefährdet.“ Am Montag waren laut Peter in mehreren Proben sieben bis zehn Colibakterien je 100 Milliliter nachgewiesen worden. Für Trinkwasser ist laut Verordnung ein Nullwert vorgeschrieben - die Darmbakterien weisen auf eine fäkale Verunreinigung des Wassers hin.

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Einem gesunden Menschen könnten die Keime wenig anhaben, sagte der Leiter der Klinischen Infektiologie der Uniklinik Jena, Mathias Pletz. Bei dem in Erfurt ermittelten Wert müsse ein gesunder Mensch 1000 Liter trinken, „um in den Bereich einer gesundheitsgefährdenden Dosis zu kommen“.

Von

dpa

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