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14.04.2014

07:15 Uhr

TV-Kritik Günther Jauch

„Unglaublich, was sich die Reporter einfallen lassen“

VonPatrick Schwarz

Seit Michael Schumacher verunglückte, wird seine Familie von den Medien belagert. Die Reporter wenden oft skurrile Methoden an, um an Informationen zu kommen. Günther Jauch wollte wissen: Wo sind die Grenzen der Presse?

Schumacher-Managerin kehm: „Wenn ich öffentlich nichts äußere, wird automatisch davon ausgegangen, dass die Situation schlimm sein muss“. dpa

Schumacher-Managerin kehm: „Wenn ich öffentlich nichts äußere, wird automatisch davon ausgegangen, dass die Situation schlimm sein muss“.

BerlinSeine ersten Fragen stellte Günther Jauch auffällig bedacht: „Können oder könnten oder wollen Sie überhaupt darüber nachdenken, ob Michael Schumacher wieder gesund wird?“, wollte der Moderator zaghaft von der Managerin des ehemaligen Formel-1-Piloten Sabine Kehm wissen. Die Vorsicht Jauchs offenbarte gleich zu Beginn, wie heikel es selbst für erfahrene Journalisten ist, mit den Schicksalen von Prominenten umzugehen. Deshalb beschäftigte sich die ARD-Talkshow am Sonntagabend mit dem Thema: Wie geht es Michael Schumacher – Prominente und die Grenzen der Berichterstattung.“

Seit sich der Rekordweltmeister vor etwa 100 Tagen beim Skifahren lebensgefährlich verletzte, habe sich das Leben von Managerin Kehm radikal geändert. „Es ist unglaublich, was sich die Reporter einfallen lassen, um Informationen zu kriegen“, sagte die Beraterin während dem anfänglichen Vieraugengespräch mit dem Moderator. Kehm, die Familie und die Ärzte von Schumacher hätten ständig das Gefühl sich rechtfertigen zu müssen – dabei habe sich der Zustand des Ex-Rennfahrers auch bis zur Sendung nicht verändert. „Sehr verwerflich“ nannte sie den Druck der Presse.

Nach zehn Minuten eröffnete Jauch die Talkrunde. Von einem „Blumenstrauß mit verstecktem Mikrofon“, als Priester und Polizisten verkleidete Reporter und anderen obskuren Gestalten in den Krankenhausgängen erzählte Rolf Hellgardt. Seine Lebensgefährte Monica Lierhaus lag ebenfalls mehrere Monate im künstlichen Koma. Promi-Fotograf Hans Paul gestand daraufhin stolz, dass er sich auch in Mülltonnen verstecke, um an gute Bilder zu kommen.

Dominik Höch erklärte prompt, dass eine solche Praxis rechtswidrig ist: „Sie dürfen sich nicht verstecken und heimlich Fotos schießen“, sagte der Berliner Anwalt für Medienrecht. Die „Bild“-Zeitung würde ihre Beiträge vorab jedenfalls „juristisch, moralisch und ethisch prüfen“, fügte der ehemalige stellvertretende Chefredakteur des Boulevardblatts, Alfred Draxler, hinzu.

Ein Foto des Ex-Profisportlers auf der Intensivstation würde er etwa unter keinen Umständen drucken. Tatsächlich attestierten sowohl Schumachers Managerin als auch der Mann von Lierhaus der „Bild“ in den jeweiligen Unglücksfällen vorbildliches Verhalten – überraschend gut kam die Zeitung also an diesem Abend weg.

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