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14.12.2014

08:59 Uhr

TV-Kritik

„Wetten, dass..?“ ist endlich zu Ende

VonChristian Bartels

Nett kuriose Wetten mit Kindern, Hunden, Leberwurst und Autos - und endloses Gequatsche mit Prominenten: Die traditionsreiche ZDF-Show ist nach 33 Jahren endlich Geschichte. Denn Markus Lanz hat das Konzept totgeritten.

dpa

Es war kurz vor Mitternacht, als Moderator Markus Lanz mit den Worten "Eine Ära geht zu Ende" und "Machen Sie's gut, das Leben geht weiter" die allerletzte "Wetten, dass..?"-Sendung beendete. Ein letztes Mal beschwor er die Badewannen- und Salzstangen-Erinnerungen der heute Um-die-40-Jährigen an ihre Kindheit in den 1980er Jahren, in denen Frank Elstner die Show groß gemacht hatte. Dann kürte der als Weihnachtsmann verkleidete Schauspieler Wotan Wilke Möhring den letzten Wettkönig, dann war endlich Schluss.

Bis dahin hatte Lanz mit eventuellen letzten Bedenken, es könnte um die traditionsreiche Show schade sein, gründlich aufgeräumt. Bei der letzten Wette wollte der Kandidat an Texten, während sie ihm vorgelesen wurden, die Buchstaben mitzählen und jeden Buchstaben an beliebiger Position in den Texten nennen können. Dafür wurden die Prominenten gebeten, dreistellige Zahlen zu nennen. Helene Fischer nannte erst eine bloß zweistellige und dann die 100, Til Schweiger die 101. Klares Signal: Es dauerte Allen, auch den Studiogästen, zu lang; jeder wollte, dass es vorbeiging. "Eine #wettendass-Stunde sind sieben Menschenstunden", lautete ein bezeichnender Tweet.

Herausragende Wetten

Schulterzucken

In der letzten regulären „Wetten, dass..?“-Sendung - am 30. April 2011 - wurden die Lehrerin Julia Thiele (33) und ihr Freund Malte Poppinga (28) Wettkönige. Thiele konnte allein am Schulterzucken ihres Freundes Musiktitel erkennen. Ob dabei alles mit rechten Dingen zuging? Wenigstens einmal hat er seiner Freundin einen Songtitel („Pretty Woman“) deutlich hörbar zugeraunt - Thomas Gottschalk und das ZDF bemerkten nichts und ließen das durchgehen.

Fußgeruch

Auch davor standen Wettkandidaten immer wieder unter Schummel-Verdacht. Im Oktober 2009 erkannte der 47-jährige Thomas Schuster 23 Frauen mit verbundenen Augen an ihrem Fußgeruch. Der „Stiefel-Schnüffler“ weigerte sich aber, sein Können noch einmal in einer ZDF-Show zu beweisen.

Buntstifte

Nur ein Betrug wurde bisher entlarvt: 1988 schlich sich „Titanic“-Redakteur Bernd Fritz in die Sendung ein und behauptete, die Farbe von Buntstiften am Geschmack zu erkennen. In Wirklichkeit linste er unter seiner Augenbinde hindurch.

Schwerer Unfall

Am 4. Dezember 2010 kam es in der Live-Sendung zum bisher schwersten Unfall. Der angehende Schauspieler Samuel Koch stürzte beim Sprung mit Stelzen über ein Auto. Er fiel so unglücklich, dass er seitdem von den Schultern ab gelähmt ist. Koch wird noch immer in der Schweiz behandelt. Seine Ärzte schließen eine Genesung nicht aus, die Chancen seien aber gering. Showmaster Thomas Gottschalk brach die Sendung direkt nach dem Unfall ab. Im Februar 2011 gab er dann bekannt, dass er die Sendung nach diesem Unfall nicht weitermoderieren wolle. Die Sommerausgabe an diesem Samstag soll seine letzte Show sein. Danach moderiert er im Herbst noch drei Rückblickshows auf 30 Jahre „Wetten, dass..?“

Kuhschmatzen

Am 8. Dezember 2007 konnte Achim Jehler seine Kühe beim Apfelfressen am Schmatzgeräusch erkennen.

Hundespielzeug

Der Border-Collie „Rico“ verblüffte am 23. Januar 1999 die Zuschauer, weil er 77 Spielzeuge am Namen unterscheiden konnte. Auf Befehl von Frauchen Susanne Baus brachte er den benannten Gegenstand.

Pyramidenfahren

Die Motorrad-Sportgruppe der Berliner Polizei bildete mit 84 Polizisten auf neun Motorrädern eine Pyramide und fuhr so 100 Meter weit. Am 29. Oktober 1994 stellte sie damit einen Weltrekord auf.

Papierboot

Andrea Schager, Andreas Reiser und Monika Schrak falteten am 15. September 1990 in vier Minuten ein Papierboot und paddelten damit in einem Schwimmbecken 50 Meter weit.

Reifenwechsel

Am 21. Februar 1987 gelang es einem Kandidaten, während der Fahrt einen Autoreifen zu wechseln.

Gute Tat

Die dritte Sendung von „Wetten, dass..?“ am 16. Mai 1981 veränderte das Leben von Millionen Menschen in Äthiopien. Der Schauspieler Karlheinz Böhm, bis dahin vor allem bekannt aus romantischen „Sissi“-Filmen, wettete, dass nicht „jeder dritte Zuschauer eine Mark, einen Schweizer Franken oder sieben österreichische Schilling für Menschen in der Sahelzone spendet“. Es kamen zwar auf Anhieb 1,2 Millionen D-Mark zusammen, dennoch behielt Böhm Recht. Er leistet seitdem mit seiner Stiftung „Menschen für Menschen“ Entwicklungshilfe in Äthiopien.

Diese Wette selbst war kurios unterhaltsam, so wie die übrigen auch - es waren aber nur fünf Stück in dreieinhalb Stunden. Quälend war die Mischung. Vor allem das endlose Gequatsche mit Prominenten stand in bemerkenswertem Kontrast zur Hektik, in der Lanz die Wetten abfrühstückte. "Du sollst dich hier nicht verquatschen", fuhr er einen blinden Marburger an, der seine komplizierte Wette, Puzzleteile mittels Echoortung in ein Puzzle einzufügen, in eigenen Worten erläutern wollte.

Die zweite Wette nach 70 Minuten hatte gleich drei prominente Wettpaten. Otto Waalkes, Bully Herbig und Pro Sieben-Moderator Elton sollten sich einigen, ob sie auf ein Gelingen der Wette setzten oder nicht, und beratschlagten. "Ja, nein ... ist doch scheißegal", unterbrach Lanz. Aus seiner Sicht war es das wohl. Er interessiert sich eher für Talken als für Wetten, und für die Aufgaben, die die Paten einlösen mussten, wenn ihre Prognosen nicht zutrafen.

Bei dieser Wette wollte ein Siebenjähriger mit verbundenen Augen Hunde daran erkennen, wie sie auf seinem Handrücken aufgetragene Leberwurst abschleckten. Mit viel freundlicher Hilfe gelang es ihm. "Leck zart!", forderte er immer wieder Hunde auf - Stoff für höhnische Witze in den sogenannten sozialen Medien, die Lanz bei "Wetten, dass..?" heftig entgegenschlägt. Nach der Wette wurde dann Eltons Wange mit Leberwurst bestrichen und von einem Hund abgeleckt.

Kommentare (2)

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Herr Thomas Ungläubig

15.12.2014, 11:04 Uhr

Keiner ist besser geeignet den Bestatter zu geben als der Dampfplauderer Markus Lanz.

Account gelöscht!

15.12.2014, 11:39 Uhr

Ich fand das schon immer: krass furchtbar und man muss sich fragen ob es in diesen "harten" Zeiten nicht schon viel eher mit solchen Dabbelsendungen Schluss sein muss.
Immerhin zahlen die normalen Bürger über ihre GEZ-Steuer diesen ganzen KlimBim.

Aber naja: Brot und Spiele; das beschäftigt das Volk und lenkt ab.

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