Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.06.2015

16:35 Uhr

Twitter-Hype um Kindheitserinnerungen

„So lange du die Füße unter meinen Tisch stellst...“

Früher war alles besser. Und vom Fernsehen bekommt man viereckige Augen. Es gibt Sätze, zu denen sich jedes Kind schon einmal seinen Teil gedacht hat. Seit einigen Tagen tragen Twitter-Nutzer ihre Favoriten zusammen.

Die geteilten Kindheitserinnerungen sind derzeit ein Renner auf Twitter.

#spruchausderkindheit

Die geteilten Kindheitserinnerungen sind derzeit ein Renner auf Twitter.

Berlin„Du weißt gar nicht, wie gut du es hast.“ „Wir sind nicht „die anderen““. „Wenn du den Teller leer isst, scheint morgen die Sonne!“ Manchmal kommen Eltern Sätze über die Lippen, über die sie sich als Kind noch aufgeregt haben. Doch geteiltes Leid ist halbes Leid: Zumindest dieser Satz bewahrheitet sich beim Kurznachrichtendienst Twitter in diesen Tagen.

Über 13 000 Nutzer sind gemeinsam der Nostalgie verfallen und erinnern unter dem Stichwort #spruchausderkindheit an Worte, die ihre Kindheit so geprägt haben, dass sie sich noch heute problemlos daran erinnern oder sie gar selbst nutzen.

Es sind Klassiker dabei wie „Du bist zu Hause, wenn es dunkel wird“ und „So lange du die Füße unter meinen Tisch stellst...“, aber auch Erinnerungen an eine wohl relativ sorgenfreie Zeit: „Schnell nach Hause: Takeshi's Castle kommt gleich auf DSF!“ Selbst die kurioseren Tweets stoßen bei irgendeinem Nutzer auf positive Resonanz, nach dem Motto: Genau so war das bei mir auch.

Das ist Twitter

Twitter?

Twitter (englisch für Gezwitscher) ist eine digitale Echtzeit-Anwendung zum Mikroblogging (zur Verbreitung von telegrammartigen Kurznachrichten). Die Kommunikation auf Twitter erfolgt über sogenannte „Tweets“ (von englisch tweet ‚zwitschern‘). Dies sind kurze Textbeiträge, die angemeldete Nutzer erstellen können.

Geschichte

Twitter wurde im März 2006 unter dem Namen „twttr“ gegründet und gewann weltweit rasch an Popularität: Der erste Tweet wurde am 21. März 2006 durch den Twitter-Mitgründer Jack Dorsey mit dem Satz „just setting up my twttr.“ verschickt.

Follower?

Nach eigenen Angaben nutzten rund 288 Millionen Personen und Unternehmen Twitter mindestens ein Mal pro Monat (Stand: April 2015). Diese heißen im Twitter-Jargon Follower, englisch für „Folgende“, „Anhänger“.

Online-Tagebuch

Twitter wird als Kommunikationsplattform, soziales Netzwerk oder ein meist öffentlich einsehbares Online-Tagebuch definiert. Privatpersonen, Organisationen, Unternehmen und Massenmedien nutzen Twitter als Plattform zur Verbreitung von kurzen Textnachrichten (Tweets) im Internet. Diese dürfen maximal 140 Zeichen aufweisen.

Anmeldung

Für die Anmeldung werden lediglich zwei bisher nicht bei Twitter verwendete Angaben benötigt: Eine E-Mail-Adresse sowie eine Profilbezeichnung (=Nutzername). Bei der Anmeldung wird zwar auch ein „vollständiger Name“ erfragt, dieser dient jedoch offenbar vor allem dazu, diese Angabe neben diversen anderen im Profil anzuzeigen. Es wird außerdem ein Passwort benötigt.

Tweets

Jeder Tweet ist auf maximal 140 Unicode-Zeichen begrenzt. Er ist standardmäßig öffentlich, auch für unangemeldete Leser, sichtbar. Er kann Hashtags (mit #), Links (als URL), auch solche auf andere Nutzerprofile (mit @), sowie Bilder (als URL) oder Standorte enthalten. Tweets werden in erster Linie den Followern eines Benutzers angezeigt, vor allem über Hashtags oder Verlinkungen kann aber auch ein breiteres Publikum erreicht werden.

Bei anderen mag das Erfolgsgeheimnis darin liegen, dass übertrieben oder provoziert wird - und das mit wenigen Worten und Jahre bevor Twitter überhaupt erfunden wurde. „War dein Vater Glaser?“, fragten offenbar viele Eltern scherzhaft-mahnend ihre Kinder, wenn sie beim Fernsehen im Bild standen.

Eine Sprache, die bildhaft ist und zu Überspitzungen neigt, zeichne viele der typischen Elternsätze aus, beobachtet der Berliner Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch, der auch selbst schon zu dem Thema getwittert hat. „Viereckige Augen“ zum Beispiel oder „Augen größer als der Mund“: Wer könnte solche Sätze schon vergessen? Wie eine Formel prägen sie sich ins Gedächtnis ein und sind damit auch leicht wieder abrufbar, sagt Stefanowitsch. „Im Prinzip teilen diese Sprüche alle typischen Eigenschaften von Sprichwörtern, und können diesen zugerechnet werden.“

Im Netz tauschen sich die Menschen nicht nur aktuell via Twitter über ihre Kindheit aus. Auf Facebook gibt es gleich mehrere Seiten zum Thema Kindheitserinnerungen. Ein persönlicher Blog zieht dabei mit mehr als 230 000 Likes die meisten Nutzer und Gleichgesinnten an. Hier wird zum Beispiel über den Geruch von Spielzeugpistolenmunition gefachsimpelt oder über Kinderserien aus den 80er Jahren. Der Tenor in den Kommentaren ist dabei oft ähnlich: „Ach, das waren noch Zeiten“. „Weißt du noch?“, fragen die Nutzer ihre Freunde.

Partnersuche im Netz: Wie eine Seitensprung-Agentur polarisiert

Partnersuche im Netz

Wie eine Seitensprung-Agentur polarisiert

In Frankreich gibt es Ärger wegen der Plakat-Werbung einer Seitensprung-Agentur: Nach Protesten wurden die Plakate in den Städten um Paris von Bussen entfernt. Die Agentur, die Liebhaber vermittelt, spricht von Zensur.

Für #spruchausderkindheit ist noch ein anderer Aspekte typisch: Die knappen Sätze halten echte oder vermeintliche Alltagsweisheiten fest. „Und wie Sprichwörter halten diese Sprüchlein einer logischen Überprüfung ihrer Aussagen oft nicht stand“, sagte Sprachwissenschaftler Stefanowitsch. Dass die Aussagen nicht wahr sind, hindert aber offenbar nur die wenigsten daran, sie weiterzugeben.

Wer das nächste Mal wegen eines Spruchs der Eltern mit den Augen rollt, kann zumindest sicher sein: Dass diese in schiefer Position stehenbleiben, ist eher unwahrscheinlich.

Aktivisten in Brüssel

Initiative für Fahrradwege wird zum Youtube-Hit

Aktivisten in Brüssel: Initiative für Fahrradwege wird zum Youtube-Hit

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Von

dpa

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Frau Ich Kritisch

01.06.2015, 18:58 Uhr

was mir dazu einfällt:
Du musst auch immer das letzte Wort haben.

Ich musste 16 werden um darauf nichts mehr zu sagen, weil ich damals begriffen habe, dass dieser Satz aus reiner Hilflosigkeit kam. Ihm waren regelmäßig die argumente ausgegangen :-)

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×