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21.12.2014

18:53 Uhr

Udo Jürgens ist tot

Merci, Chérie – und au revoir!

Entertainer, Schlagerlegende, Frauenheld – Udo Jürgens ist tot. Er starb überraschend an Herzversagen. Seine Hits mit klugen Texten zu eingängigen Melodien berühren Millionen. Die Anteilnahme ist deshalb riesig.

Udo, du wirst uns fehlen!

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ZürichEr hat Klatschtanten humorvoll in den Sahnetod geschickt und griechischen Wein zum Ohrwurm gemacht. Er hat Spießigkeit und Heuchelei in ehrenwerten Häusern entlarvt. Und immer, immer wieder hat Udo Jürgens die Hoffnung und die Liebe hochleben lassen. Jetzt ist der große Entertainer im Alter von 80 Jahren gestorben. Hits mit klugen Texten zu wunderbaren Melodien waren sein Markenzeichen – und sind nun als Evergreens sein Vermächtnis.

Der Interpret starb am Sonntag bei einem Spaziergang in der Schweiz, wie sein Management mitteilte. Er sei in Gottlieben im Kanton Thurgau bewusstlos zusammengebrochen. Trotz sofortiger Wiederbelebungsmaßnahmen sei der Künstler im Krankenhaus von Münsterlingen um 16.25 Uhr an Herzversagen gestorben.


Seine Erfolge schmücken Rekordstatistiken: Jürgens komponierte in einer mehr als ein halbes Jahrhundert umspannenden Erfolgskarriere über 1000 Songs, von denen etliche Superhits wurden. Er spielte mehr als 50 Alben ein und verkaufte mehr als 100 Millionen Tonträger.

Seine Live-Auftritte mit Hits wie „Es wird Nacht, Señorita“, „Aber bitte mit Sahne“, „Griechischer Wein“ oder „Immer wieder geht die Sonne auf“ waren lange Zeit einfach Kult. Bei Tourneen durch fast ganz Europa erlebten Millionen Udo Jürgens auf der Bühne - samt seiner legendären Zugaben im weißen Bademantel.

Die größten Hits von Udo Jürgens

„Je t'aime“ (1950)

Mit dem Lied gewinnt der 16-jährige Udo Jürgen Bockelmann den Komponisten-Wettbewerb des Österreichischen Rundfunks. (Quelle: dpa)

„Siebzehn Jahr, blondes Haar“ (1965)

Der Hit wird zum Titel eines deutsch-italienischen Musikfilms, der 1966 in die Kinos kommt.

„Merci, Chérie“ (1966)

Der „Grand Prix“-Siegertitel wird ein Welthit mit Top-Positionen in mehr als 20 Ländern.

„Lieb Vaterland“ (1971)

Der an das Soldatenlied „Die Wacht am Rhein“ von 1870 angelehnte Schlager kritisiert aktuelle politische Missstände.

„Helden, Helden“ (1972)

Das Musical nach einem Stück von George Bernard Shaw erlebt nach der Uraufführung in Wien eine erfolgreiche Tournee durch Mitteleuropa.

„Ein ehrenwertes Haus“ (1975)

In dem Schlager macht Jürgens spießbürgerliche Doppelmoral unter Nachbarn zum Thema.

„Griechischer Wein“ (1975)

Das Lied wird der Hit des Jahres. Der griechische Ministerpräsident Karamanlis empfängt Jürgens und Textdichter Michael Kunze in Athen.

„Aber bitte mit Sahne“ (1976)

Es beginnt als fröhliches Liedchen, in dem ältere Damen „zum Sturm auf das Kuchenbuffet“ blasen - und nacheinander zum Opfer ihrer Tortenleidenschaft werden.

„Buenos dias, Argentina“ (1978)

Das mit der deutschen Nationalelf zur Fußball-WM aufgenommene Lied wird mit „Gold“ nach fünf Wochen und „Platin“ nach zwei Monaten Udos größter Hit.

„Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“ (2000)

Der Hit wird zum Titel der Tournee „Udo 2000“, 440 000 Besucher kommen zu 107 Konzerten.

„Ich war noch niemals in New York“ (2007)

Ein ganzes Musical mit 23 Liedern von Udo Jürgens. Das Titellied war 1982 erstmals erschienen.

Schon als Junge spielte der 1934 in Klagenfurt geborene Sohn der großbürgerlichen deutsch-österreichischen Familie Bockelmann Mundharmonika und Akkordeon, bald auch Klavier. Doch beinahe wäre in der ungeliebten Hitlerjugend die Musikerkarriere des Udo Jürgen Bockelmann verhindert worden: Damals bekam das junge Talent eine so brutale Ohrfeige, dass dadurch seine Hörfähigkeit auf einer Seite vermindert wurde.

Krieg und Nachkriegszeit seien auch für ihn bedrückende Jahre gewesen, berichtete Jürgens 2004 in seinem Bestseller „Der Mann mit dem Fagott“. Damals entstand wohl schon jenes „unstillbare Harmoniebedürfnis“, zu dem Jürgens sich stets bekannte.

Manch anderen in der Unterhaltungsbranche hätte so ein Grundgefühl zu watteweichem Schmusekitsch verleiten können. Jürgens hingegen bewies als „Chansonnier deutscher Sprache“, dass Popmusik und geistiger Anspruch keineswegs Gegensätze sein müssen. Dafür verlieh ihm die Republik Österreich 1985 den Berufstitel „Professor“ - und das, obwohl Jürgens längst in die steuerfreundliche Schweiz umgezogen war, wo der Millionär zuletzt in einer Villa am Zürichsee wohnte.

Kommentare (7)

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Herr Niccolo Machiavelli

22.12.2014, 08:15 Uhr

Dieser Mann hat die Welt reicher gemacht und wir weiter leben.

Vielen Dank, Udo Jrügens.

Herr wulff baer

22.12.2014, 08:44 Uhr

Ich muß ehrlich sagen, dass es wertvollere Personen der Zeitgeschichte gibt, für die Trauer empfinde.

Herr Stephan Fehlmann

22.12.2014, 09:31 Uhr

Es ist einfach unfassbar, man will es nicht wahrhaben. Eine wunderbare Stimme verstummt so plötzlich für immer. Was für traurige Weihnachten!

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