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02.01.2007

07:01 Uhr

Übernahmen und Fusionen

Raus aus der Kuschelecke

VonJens Koenen

Das Geschäft brummt auf Hochtouren, doch der Ton wird rüder: Dann hat man es mit einem reifen Markt zu tun. Das gilt für das Geschäft mit Übernahmen und Fusionen (M&A) in Deutschland. Schon jetzt ist klar: Der M&A-Jahrgang 2007 wird ein guter werden. Aber auch die Aggressivität der Mitspieler wächst.

BASF hat mit der Übernahme von Engelhard als erstes deutsches Unternehmen eine feindliche Übernahme in den USA gewagt. Foto: dpa

BASF hat mit der Übernahme von Engelhard als erstes deutsches Unternehmen eine feindliche Übernahme in den USA gewagt. Foto: dpa

FRANKFURT. Nach vorläufigen Berechnungen des Daten-Spezialisten Dealogic wurden weltweit rund 29 000 Übernahmen und Fusionen angekündigt. Der Gesamtwert der Transaktionen beläuft sich auf nahezu 3 600 Milliarden Dollar. Damit konnte das M&A-Geschäft die bisherigen Spitzenwerte übertreffen, die aus dem Jahr 2000 stammen. Gut 31 000 Transaktionen wurden damals getätigt, ihr Wert: satte 3 300 Mrd. Dollar.

"Im mittleren Segment würde ich nicht von einer Übernahmewelle sprechen", schränkt Hanns-Alexander Klemm, der Vorsitzende des Vorstands der Investmentbank Cazenove ein. Doch nie zuvor waren Finanzinvestoren an so vielen Deals beteiligt. Bei jeder sechsten Transaktionen spielten sie eine Rolle, das Volumen erreichte 600 Mrd. Dollar.

Zudem werden die Übernahmen immer größer. Lag die Durchschnittsgröße einer Transaktion im Jahr 2000 bei lediglich 62 Millionen Dollar, beträgt sie mittlerweile 263 Millionen Dollar. Dass in diesem Umfeld auch die Aggressivität der "Player" zunimmt, überrascht nicht. Da sind in erster Linie die handelnden Personen. In vielen Unternehmen hat eine neue Managergeneration das Ruder übernommen. Viele von ihnen kennen auch die Welt jenseits der Konzerngrenzen bestens und haben zudem viele Jahre im Ausland gelebt. Die Folge: Ihr Blick auf das Unternehmen ist ein anderer, "der unternehmerische Mut hat wieder zugenommen", sagt Krause von Hengeler Mueller. Das hat sich im ablaufenden Jahr gezeigt.

So hat der Chemieriese BASF mit der Übernahme des Katalysator-Spezialisten Engelhard als erstes deutsches Unternehmen eine feindliche Übernahme in den USA gewagt. Kurz danach folgte der Mischkonzern mit seiner Offerte für den britischen Gasekonzern BOC. Auch sie stieß zunächst auf Ablehnung, später einigte man sich friedlich.

Noch nicht entschieden ist die seit Monaten schwebende Übernahme des spanischen Versorgers Endesa durch den deutschen Energieriesen Eon. Gerade dieses Beispiel zeigt, wie hartnäckig und professionell deutsche Manager das Thema Übernahmen mittlerweile angehen. "Die deutschen Unternehmen gehen mit dem Instrumentarium M&A ganz anders um als vor fünf Jahren", bestätigt Klemm von Cazenove.

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