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22.02.2013

16:46 Uhr

Überraschende Wende

Oscar Pistorius kommt gegen Kaution frei

Der unter Mordverdacht stehende Oscar Pistorius wird überraschend gegen eine Kaution freigelassen, das entschied das Magistratsgericht. Anklagebehörde und Polizei hatten sich wegen der Fluchtgefahr dagegen ausgesprochen.

Pistorius kommt auf Kaution frei

Video: Pistorius kommt auf Kaution frei

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PretoriaSensation im Fall des Paralympics-Stars: Der unter Mordverdacht stehende südafrikanische Sportler Oscar Pistorius (26) wird auf Beschluss des Gerichts gegen eine Kaution von einer Million Rand (etwa 85 000 Euro) freigelassen. Zudem muss er seine Pässe abgeben und sich zwei Mal wöchentlich bei der Polizei melden. Die Familie und Anhänger des 26-Jährigen brachen nach der Entscheidung in laute „Yes“-Rufe aus. Pistorius wurde von einem Weinkrampf geschüttelt. Schon während der ausführlichen Begründung des Richters rang er immer wieder um Fassung. Es wird damit gerechnet, dass Pistorius noch am Freitag frei kommt. Am 4. Juni muss er wieder vor Gericht erscheinen.

Magistratsrichter Desmond Nair kritisierte scharf Polizei und Staatsanwaltschaft. Es gebe keineswegs eindeutige Beweise dafür, dass Pistorius seine Freundin Reeva Steenkamp (29) ermordet habe. „Die Staatsanwaltschaft hat nicht überzeugend genug für den 'vorsätzlichen Mord' argumentiert.“ Zunächst blieb dennoch unklar, unter welche Anklage Pistorius nun letztendlich gestellt wird.

Aufstieg und Fall des Oscar Pistorius

Anfänge

Oscar Pistorius wird mit einem Gendefekt geboren, wodurch er keine Wadenbeine besaß. Deshalb wurden ihm im Alter von elf Monaten beide Beine unterhalb der Knie amputiert. Durch eigens für ihn angefertigte Karbon-Stelzen kann er aber dennoch laufen.

Erste Erfolge

2004 gewinnt Pistorius bei den Paralympics in Athen Gold über 200 Meter und Bronze über 100 Meter. 2008 möchte er an den Olympischen Spielen in Peking teilnehmen, ein Gutachten bescheinigt ihm aber zu viele Vorteile durch seine Karbon-Stelzen. Sechs Wochen vor den Spielen wird das Gutachten durch den Sportgerichtshof CAS aufgehoben, doch Pistorius verpasst durch die kurze Vorbereitungszeit alle Qualifikationsnormen. Bei den Paralympics im gleichen Jahr gewinnt er drei Mal Gold.

Leichtathletik-Weltmeisterschaften

2011 qualifiziert sich Pistorius als erster Behinderter für Leichtathletik-Weltmeisterschaften. Mit der 4-mal-400-Meter-Staffel gewinnt er die Silbermedaille. Im Halbfinale läuft er südafrikanischen Landesrekord. Im Finale wird er allerdings nicht eingesetzt.

Olympia 2012

2012 durfte Pistorius als erster beidseitig amputierter für Olympische Sommerspiele nominiert. Er durfte in London in der 4-mal-400-Meter-Staffel starten. Bei den Paralympics gewann er Gold über 400 Meter und in der 4-mal-100-Meter-Staffel.

Blitzlichtgewitter

Seit Herbst 2012 war Pistorius mit dem südafrikanischen Model Reeva Steenkamp zusammen. Die beiden werden zu einem Glamour-Paar des Sports. Sie ist unter anderem auf dem Titel der FHM.

Mordverdacht

Am 14. Februar 2013 wird Reeva Steenkamp tot in Pistorius' Haus in Pretoria aufgefunden. Sie erlag vier Schüssen in Kopf und Arme. Der „Blade Runner“ gerät unter Mordverdacht und wird verhaftet. Daneben gibt es auch die Theorie, dass Pistorius seine Freundin irrtümlich für einen Einbrecher hielt und sie deshalb erschoss. Sie wollte ihn angeblich zum Valentinstag überraschen. Der Mord-Prozess beginnt ein Jahr später: am 3. März 2014.

Da keine Fluchtgefahr bestehe und von Pistorius keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgehe, werde der behinderte Profisportler bis zum Prozess freigelassen, sagte Richter Nair. Er hinterfragte aber auch die Darstellungen von Pistorius. Es gebe da viele Ungereimtheiten und Unwahrscheinlichkeiten, sagte er in der fast zweistündigen Begründung seiner Entscheidung. Angesichts der weltweiten Prominenz und seiner Behinderung sei die Wahrscheinlichkeit nicht sehr groß, dass Pistorius einfach aus Südafrika fliehe, betonte Nair.

In einer ersten Reaktion äußerte sich Pistorius' Familie erleichtert. „Wir als Familie sind davon überzeugt, dass Oscars Schilderung der Tatnacht sich als richtig erweisen wird“, sagte der Sprecher der Familie, Mulligan Pearce. Pistorius' Anwalt Barry Roux hatte während der vier Verhandlungstage mehrfach Falschinformationen des Staatsanwalts und krasse Fehler der Ermittlungsbeamten am Tatort beklagt. Die Verteidigung des Paralympics-Stars will eine Anklage höchstens wegen „fahrlässiger Tötung“ erreichen.

Der Fall des beidbeinig amputierten Pistorius' hat Millionen von Menschen weltweit in den Bann gezogen. Mit seinen sportlichen Leistungen auf High-Tech-Prothesen begeisterte er nicht nur behinderte Menschen. Die Mordvorwürfe bringen seine steile Karriere nun vorläufig zu einem jähen Ende. So legte der US-Sportartikelkonzern Nike am Donnerstag seinen Sponsorenvertrag mit dem südafrikanischen Paralympics-Star auf Eis. Nike unterstützt den Sprinter seit 2007.

Seine Sponsorenkontrakte dürften Pistorius schätzungsweise zwei Millionen Dollar im Jahr gebracht haben. Unter Vertrag steht der Sportler auch beim britischen Telekomriesen BT, dem Sonnenbrillenhersteller Oakley und dem französischen Modedesigner Thierry Mugler.

Kommentare (7)

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22.02.2013, 16:34 Uhr

Na dann kann Herr Pistorius ja jetzt das nächst Mädchen töten. Unfassbar! Alleine seine Reaktionen, die in den unendwegten Beteuerungen seiner Unschuld mit dem eizigsten Ziel seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen (inklusive seiner Pathetischen Tränenausbrüche), deuten eindeutig auf seine Schuld hin. Hätte er, wie er behauptet, wirklich seine "geliebte" Freundin versehentlich erschossen, so währe seine Erschütterung darüber so gross dass es ihm letztendlich völlig egal währe was mit ihm geschieht.

Account gelöscht!

22.02.2013, 16:49 Uhr

Schon mal was von Unschuldsvermutung gehört? Solange ein Mensch nicht rechtskräftig verurteilt ist, gilt er als unschuldig. Da kann man nur froh sein, dass Menschen wie sie nichts zu melden haben.

Baerbel

22.02.2013, 16:55 Uhr

Irgendwie glaub ich dem kein Wort.
In einer bewachten Wohnanlage in SA kommt niemand rein, der nicht angemeldet ist.(Diese Anlagen sind streng bewacht.)
Ich halte den für eiskalt, und mein Gefühl sagt mir, er wird versuchen das Land zu verlassen, auch wenn er keinen Pass hat .

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