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17.01.2011

13:19 Uhr

Überschwemmungen

Flutkatastrophe kommt die Australier teuer zu stehen

Die Flut in Australien wandert weiter und versetzt nicht nur den Süden des Landes in Alarmstimmung. Auch der Finanzminister warnt: Angesichts der „größten Naturkatastrophe der Geschichte“ müsse sich Australien auf schwierige Sparmaßnahmen gefasst machen. Analysten skizzieren ein milliardenschweres Horrorszenario.

Meterhohe Müllberge. Nachdem sich die Wassermassen in Brisbane zurückgezogen haben, wird das Ausmaß der wirtschaftlichen Schäden deutlich. dpa

Meterhohe Müllberge. Nachdem sich die Wassermassen in Brisbane zurückgezogen haben, wird das Ausmaß der wirtschaftlichen Schäden deutlich.

HB CANBERRA/SYDNEY. Australien erlebt mit dem derzeitigen Hochwasser wohl seine teuerste Naturkatastrophe. „Es scheint, als würde dies möglicherweise - gemessen in wirtschaftlichen Größen - die größte Naturkatastrophe in unserer Geschichte“, sagte der australische Finanzminister Wayne Swan am Montag.

Der Wiederaufbau werde Jahre in Anspruch nehmen. Swan kündigte wegen der immensen Kosten durch die Schäden, die das Hochwasser vor allem in den Bundesstaaten Queensland und Victoria verursacht hat, einige schwierige Sparmaßnahmen an. Genauer wurde der Finanzminister dabei nicht.

Die Zeitung „The Australian“ schätzt die Kosten für den Wiederaufbau allein in Queensland auf zehn Milliarden Australische Dollar. Ein Zentralbanksmitglied hatte in der vergangenen Woche gewarnt, die Naturkatastrophe könnte das Wirtschaftswachstum um einen Prozentpunkt reduzieren, was fast 13 Milliarden Dollar weniger Wirtschaftsleistung entspräche.

Analysten schätzen die Schäden inzwischen sogar auf 20 Milliarden Australische Dollar (rund 15 Milliarden Euro). Darin sind noch nicht die hohen Kosten des Produktionsausfalls in den Bergwerken und auf den Bauernhöfen enthalten - und auch nicht die Ausfälle, die die Tourismusindustrie durch abgesagte Ferienreisen verkraften muss. Queensland trägt ein Fünftel zur Wirtschaftsleistung Australiens bei. Es wird Monate dauern, bis Obst- und Gemüseplantagen wieder laufen und die Bergwerke die Produktion wieder hochfahren können.

Queenslands Ministerpräsidentin Anna Bligh wollte sich am Montag mit Abgeordneten treffen, um über einen Plan zum Wiederaufbau zu beraten. Während sich die Bürger von Queensland den Aufräumarbeiten widmen, kämpft der Süden des Landes jetzt mit dem Hochwasser. In Victoria überschwemmten die Wassermassen 46 Städte.

Die Stadt Horsham mit 14 000 Einwohnern zwischen Melbourne und Adelaide verhängte am Montag Flutalarm. Der Fluss Wimmera drohte über die Ufer zu treten. Die Behörden stellten sich auf Hochwasser so schlimm wie seit 100 Jahren nicht mehr ein. 111 Häuser waren in unmittelbarer Gefahr.

„Der Fluss geht praktisch mitten durch das Stadtzentrum“, sagte Bürgermeister Michael Ryan im Radio. „Alle Zuflüsse sind voll, alle Abflüsse sind voll, das Wasser kann nirgends hin.“ Feuerwehr und Freiwillige hätten 45 000 Sandsäcke verteilt, um Häuser und Geschäfts zu schützen.

Schwere Regenfälle haben seit Anfang des Jahres zunächst vor allem den Bundesstaat Queensland weiter im Norden überflutet. Eine Fläche so groß wie Frankreich und Deutschland zusammen stand dort unter Wasser. In der Millionenstadt Brisbane wurden tausende Häuser überflutet. In Queensland geht das Wasser seit Ende vergangener Woche langsam zurück.

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