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27.10.2012

16:54 Uhr

Uhrenumstellung im Labor

Die Herrscher der Zeit

In der Nacht auf Sonntag stellen sich Funkuhren automatisch um. Damit das präzise über die Bühne geht, bereiten sich die Physiker des Zeitlabors in Braunschweig akribisch vor. Kern des Ganzen: eine Atomuhr.

Zurück auf Winterzeit: Die Vorbereitung erfordert äußerste Sorgfalt. dapd

Zurück auf Winterzeit: Die Vorbereitung erfordert äußerste Sorgfalt.

BraunschweigIn der Nacht zum Sonntag ist es wieder so weit: Dann wird uns eine Stunde geschenkt. Oberflächlich betrachtet jedenfalls. Denn dann gilt wieder für fünf Monate die Normalzeit. Die Uhren werden um 03.00 Uhr eine Stunde zurückgestellt.

Einer, der es genau nimmt mit der Zeit, besser gesagt nehmen muss, ist Andreas Bauch - Physiker an der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. Denn am letzten Oktoberwochenende schaut einmal mehr ganz Deutschland auf den Leiter des PTB-Zeitlabors und dessen Team. Denn diese PTB-Mannschaft ist seit 1980 für die Zeitumstellungen zuständig.

Da alles seit Jahren vollautomatisch funktioniert, wird Bauch voraussichtlich friedlich schlummern, wenn dieser Routinevorgang abläuft. Alles programmiert er mit seinem Team - das Zeitlabor ist in den Nächten der Zeitumstellung aber menschenleer. Um 3.00 Uhr werden, bildlich gesehen, die Zeiger an der Atomuhr um 60 Minuten zurückgedreht. Tatsächlich ist die Cäsiumuhr im Zeitinstitut der Bundesanstalt ein unförmiges Messgerät, ein Taktgeber, ohne Zählwerk, schnörkellos und ohne Pendel.

Bauch besitzt etwa sechs Armbanduhren, Radiowecker und Uhren in der Wohnung. Ein Uhren-Narr sei er aber auf keinen Fall: „Privat bin ich kein Pedant. Dennoch sind wir letztlich doch alle ziemlich zeitgetaktet“, sagt Bauch. „Ich finde es schon ziemlich unhöflich, wenn sich jemand verspätet und sich dann nicht einmal entschuldigt.“

Seit seinem Engagement bei der PTB vor 30 Jahren lebt der Sohn eines Verwaltungsbeamten mit seiner Familie in Braunschweig. Nach dem Physikstudium im Mainz kam das Angebot für die Doktorandenstelle an der „Zonengrenze“, wie die Kommilitonen damals spotteten. „Mir gefällt meine Arbeit gut, und ich werde wohl auch hier pensioniert werden“, sagt Bauch, der ursprünglich Meteorologe werden wollte.

Die Zeitumstellung führe bei ihm in der Regel nicht zu Schlafstörungen. Die Diskussion darüber findet er fragwürdig. Schließlich gebe es diese Zeitumstellung schon seit 32 Jahren. Aber: „Wenn ich das zu entscheiden hätte, dann würde ich die Sommerzeit das ganze Jahr haben.“

Viele Menschen können aus Gründen der zunehmenden Reizüberflutung im digitalen Zeitalter nicht mehr gut schlafen, glaubt Bauch: „Ich selbst habe keine Schlafstörungen und komme selten aus meinem Rhythmus.“ Auch am Wochenende stehe er äußerst selten nach 7.30 Uhr auf. Am kommenden Sonntag wird er das Frühstücksei möglicherweise schon um halb sieben aufschlagen.

Von

dpa

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