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14.03.2014

13:29 Uhr

Uli Hoeneß

„Im Gefängnis gibt es keinen Promibonus“

Uli Hoeneß kann im Gefängnis nicht auf Sonderbehandlungen aufgrund seiner Bekanntheit hoffen. „Im Gefängnis gibt es keinen Promibonus“, sagt der Vorsitzende des Bundes der Strafvollzugsbediensteten, Anton Bachl.

Die Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech ist neben Bernau am Chiemsee eine der beiden Justizvollzugsanstalten, in denen Uli Hoeneß nach seiner Verurteilung seine Haftstrafe antreten könnte. dpa

Die Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech ist neben Bernau am Chiemsee eine der beiden Justizvollzugsanstalten, in denen Uli Hoeneß nach seiner Verurteilung seine Haftstrafe antreten könnte.

StraubingWas erwartet Uli Hoeneß am ersten Tag im Gefängnis?

Anton Bachl: Wie jeder Häftling wird er entkleidet und von einem Arzt und einem Psychologen untersucht. Dann wird ein Vollzugsplan erstellt, in dem die Fähigkeiten und Eignungen des Häftlings festgehalten werden. Danach erhält er Gefängniskleidung.

Hat Herr Hoeneß Anspruch auf einen speziellen Haftraum?

Nein. Im Gefängnis gibt es keinen Promibonus. Einen Anspruch auf eine Einzelzelle gibt es nicht. Dies wird in Bayern zwar für sämtliche Häftlinge angestrebt, hängt aber von der Belegung der jeweiligen Justizvollzugsanstalt ab. Und hier ist die Lage im Freistaat ziemlich angespannt. Es ist auch möglich, dass Herr Hoeneß Tür an Tür mit Gewaltverbrechern leben muss, oder mit ihnen gemeinsam in einer Zelle sitzt. Ich gehe aber davon aus, dass er eine Einzelzelle bekommen wird.

Wie groß ist die Zelle und wie ist die Ausstattung?

Eine Einzelzelle ist zwischen acht und zehn Quadratmeter groß. Darin gibt es ein Bett, einen Schrank, einen Tisch und einen Stuhl. Zudem ein Nassbereich mit Waschbecken und einer separaten Toilette. Die Gemeinschaftsduschen sind auf dem Flur.

Welche persönlichen Dinge darf Herr Hoeneß mitbringen?

Statussymbole wie teure Uhren oder Schmuck sind nicht erlaubt. Dies kann bei den anderen Häftlingen Begehrlichkeiten wecken. Handys oder Smartphones sind nicht gestattet. Einen Fernseher kann der Gefangenen mitbringen oder sich leihen. Die Programme richten sich nach dem Angebot der Anstalt. Bezahlfernsehen, um sich die Champions League anzuschauen, ist nicht erlaubt.

FC Bayern: Der Skandal rund um Uli Hoeneß

2001 bis 2006

Hoeneß spekuliert im großen Stil an der Börse mittels eines geheimen Kontos in der Schweiz. Der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus soll ihn mit Millionen unterstützt haben.

Januar 2013

Hoeneß zeigt sich beim Finanzamt selbst an. Die Staatsanwaltschaft München leitet ein Ermittlungsverfahren ein.

20. März 2013

Hoeneß bekommt in seinem Haus am Tegernsee Besuch von den Ermittlern. Gegen ihn liegt ein Haftbefehl vor. Dieser wird außer Vollzug gesetzt - gegen Zahlung einer hohen Kaution.

20. April 2013

Der „Focus“ macht den Fall öffentlich und berichtet unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft und Hoeneß selbst.

21. April 2013

Hoeneß schließt einen Rücktritt als Vereinspräsident aus. Die Kritik an ihm nimmt zu. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) rückt von ihm ab, zeigt sich „enttäuscht“.

23. April 2013

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet über den Haftbefehl und die Kaution in Höhe von fünf Millionen Euro.

1. Mai 2013

Hoeneß erklärt in einem „Zeit“-Interview Reue und gibt Einblick in sein Seelenleben. Verbindungen seines Schweizer Kontos zum Rekordmeister schließt der Bayern-Präsident darin aus.

6. Mai 2013

Hoeneß bleibt nach einem 8:0-Votum der Mitglieder Vorsitzender des Aufsichtsrats der FC Bayern München AG.

25. Mai 2013

Selbst im Moment des großen Triumphes des FC Bayern steht Hoeneß unter dem Eindruck der Steueraffäre. Fast schüchtern greift er im Londoner Wembleystadion nach dem 2:1 im Finale gegen Borussia Dortmund nach dem Champions-League-Pokal.

30. Juli 2013

Die Staatsanwaltschaft München erhebt Anklage gegen Hoeneß wegen Steuerhinterziehung.

4. November 2013

Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München II lässt die Anklage gegen den Bayern-Präsidenten „unverändert“ zu.

13. November 2013

Hoeneß wird auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern von den Mitgliedern gefeiert. Er vergießt Tränen und kündigt an, nach seinem Steuerstrafprozess auf einer außerordentlichen Versammlung die Mitglieder über seine Zukunft entscheiden zu lassen.

23. Januar 2014

Die Staatsanwaltschaft München lässt bayerische Finanzbehörden wegen des Verdachts der Verletzung des Steuer- und des Dienstgeheimnisses durchsuchen. Es geht um die Frage: Wer gab Dokumente aus Hoeneß' Steuerakte an die Presse weiter?

10. März 2014

Begleitet von einem riesengroßen Medieninteresse beginnt in München der Prozess im „Strafverfahren gegen Ulrich H.“ Hoeneß gesteht, 18,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben.

11. März 2014

Die Summe der hinterzogenen Steuern wird immer höher. Hoeneß soll sogar mindestens 27,2 Millionen Euro an Steuern hinterzogen haben. Grundlage sind Berechnungen einer Steuerfahnderin.

12. März 2014

Die schwindelerregende Steuerschuld hält die Hoeneß-Verteidigung für „sachgerecht“. Die Selbstanzeige habe sämtliche Zahlen bereits enthalten.

13. März 2014

Uli Hoeneß wird zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Das Landgericht München spricht den Präsidenten des FC Bayern München wegen Steuerhinterziehung schuldig.

14. März 2014

Uli Hoeneß akzeptiert seine Haftstrafe und tritt mit sofortiger Wirkung von seinen Ämtern als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München zurück.

20.September 2014

Uli Hoeneß bekommt nach dreieinhalb Monaten Haft das erste Mal Ausgang. Die Hafterleichterung hängt einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge mit der vollständigen Begleichung seiner Steuerschuld zusammen. Hoeneß soll zuvor gut 30 Millionen Euro an das Finanzamt Miesbach überwiesen haben.

31. Dezember 2014

Zweiter Urlaub für Hoeneß. Er darf den Jahreswechsel zu Hause verbringen. Schon zu Weihnachten hatte Hoeneß Urlaub erhalten und durfte zwei Nächte außerhalb der Gefängnismauern schlafen. Seit Jahresbeginn 2015 ist Hoeneß Freigänger. Er muss jetzt nur noch zum Schlafen in die JVA, darf tagsüber außerhalb des Gefängnisses einer geregelten Arbeit nachgehen.

24. Februar 2015

Sat.1 beginnt mit den Dreharbeiten zu einer Satire, die an den Fall Hoeneß angelehnt ist. Uwe Ochsenknecht spielt die Hauptrolle. Im Mai beginnt das ZDF mit den Dreharbeiten zu einem Doku-Drama mit dem Titel „Uli Hoeneß - Der Patriarch“.

3. November 2015

Der Anwalt von Hoeneß bestätigt, dass sein Mandant einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung gestellt hat. Eine Freilassung ist frühestens zur Hälfte der Haftstrafe möglich - zum 29. Februar 2016.

21. Dezember 2015

Hoeneß ruft beim Radiosender Antenne Bayern an und spendet bei einer weihnachtlichen Spendenaktion 10 000 Euro.

18. Januar 2016

Die für das Landsberger Gefängnis zuständige Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Augsburg entscheidet, dass die Haftstrafe zum 29. Februar ausgesetzt wird. Hoeneß erhält eine dreijährige Bewährungszeit.

Muss Herr Hoeneß im Gefängnis arbeiten?

Jeder Häftling in Bayern ist zur Arbeit verpflichtet, außer es sprechen gesundheitliche Gründe dagegen oder der Häftling ist im Rentenalter. Dabei wird die Eignung des Gefangenen beachtet. Herr Hoeneß ist ja Wurstfabrikant. Er kann also in der Küche oder beim Anstaltsmetzger arbeiten, wenn die Justizvollzugsanstalt dies anbietet.

Wie stehen die Chancen für Herrn Hoeneß in den offenen Vollzug zu kommen?

Dies entscheidet das Anstaltsteam und hängt von der Führung und Mitarbeit des Häftlings ab. Die ersten Monate wird Herr Hoeneß aber sicher im Gefängnis verbringen. Sollte er eine Anstellung, beispielsweise beim FC Bayern München bekommen, darf er tagsüber raus, um dort zu arbeiten. Dies dient der Resozialisierung. Abends muss er aber wieder in die Zelle zurück. Für eine Resozialisierung ist es nicht notwendig, dass ein Häftling sich die Champions League im Stadion anschaut.

Nach welcher Zeit kann Uli Hoeneß mit einer vorzeitigen Haftentlassung rechnen?

Das hängt in ersten Linie von dem Verhalten des Häftlings ab. Möglich ist eine Haftentlassung bereits nach der Hälfte der verbüßten Strafe. Das ist aber die absolute Ausnahme. Ich rechne eher damit, dass Herr Hoeneß bei guter Führung nach zwei Jahren entlassen werden kann.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

14.03.2014, 14:58 Uhr

"Es ist auch möglich, dass Herr Hoeneß Tür an Tür mit Gewaltverbrechern leben muss, *oder mit ihnen gemeinsam in einer Zelle sitzt.*"
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Ich halte das für Irrsinn. Da ist Schutzgelderpressung o.ä. Tür und Tor geöffnet. Die Prominenz und der Reichtum von U.H. wird hier m.E. zum Problem, evtl. sogar zur Gefahr für ihn (Fürsorgepflicht der JVA!).
Vernünftige Lösung: Hausarrest mit GPS-Fußfessel, denn letztlich geht's doch nur darum, seine Bewegungsfreiheit einzuschränken, so wenig Sinn das macht, denn es geht im Gegensatz zu Gewaltverbrechern (z.B. Kopftretern und Totschlägern einer bestimmten Bevölkerungsgruppe) keine Gefahr von U.H. für die Öffentlichkeit aus.
Also: Mehr den Verstand einsetzen und weniger aufschäumende Emotionen kultivieren!
Bei aller Abneigung gegen einen von "denen da oben", dem's endlich mal gezeigt wird, die im Web zelebriert wird und die teilweise die völlige Existenzvernichtung bis runter auf Sozialhilfeniveau fordert (der Mob will Rache!), es geht um vernünftige, rein verstandesmäßige Lösungen frei von Emotionen. Wenn Strafe zum Selbstzweck verkommt ohne das dabei ein "Mehrwert" für die Gesellschaft entsteht, ergibt das m.M.n. keinerlei Sinn mehr.

Account gelöscht!

14.03.2014, 15:12 Uhr

Wen interessiert das eigentlich? Mich nicht - genauso wenig wie es mich interessiert ob Otto Müller sich im Knast wohl fühlt.
Ich gehe davon aus das die Justiz hier genauso ihre Arbeit macht wie vorher auch, Hoeneß ist nicht der erste "Prominente" im Knast.
Dazu hat die Justizvolstrreckung nicht nur einen Racheauftrag, sondern auch einen der Rehabilitation.
Es ist also Sache der vereidigten Beamten ihren Staatsbürger wieder auf den "rechten Pfad" zu bringen.
Also brav Geld zu verdienen, zu versteuern und nichts im Ausland auszugeben.
Das wird sie hoffentlich schaffen? *g*

Account gelöscht!

14.03.2014, 15:27 Uhr

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