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23.06.2013

10:56 Uhr

Unesco-Weltkulturerbe

Kassel mit Wilhelmshöhe auf Welterbeliste

Am Ende dauerte es nur acht Minuten: dann fiel der Hammer im Welterbekomitee zugunsten des Kasseler Bergparks. Deutschland hat seine 38. Welterbestätte. Einen anderen Herkules gibt es auf der Liste schon länger.

Kassels Bergpark Wilhelmshöhe mit dem gut acht Meter hohen Herkules als Wahrzeichen wird Welterbe. dpa

Kassels Bergpark Wilhelmshöhe mit dem gut acht Meter hohen Herkules als Wahrzeichen wird Welterbe.

Phnom PenhDer Kasseler Bergpark Wilhelmshöhe ist seit Sonntag Weltkulturerbe. Mit der Eintragung in die begehrte List der UN-Kulturorganisation steht der Park mit dem gut acht Meter hohen Herkules als Wahrzeichen in einer Reihe mit den Pyramiden von Giseh und der Altstadt von Florenz als herausragendes Kulturdenkmal. „Die Freude ist groß“, sagte der Präsident des hessischen Landesamtes für Denkmalpflege, Gerd Weiß, in Phnom Penh.

Die Experten würdigten die Anlage mit den Wasserspielen einhellig als hervorragendes Beispiel aus der Ära des europäischen Absolutismus. Nur mit der Aussprache von „Wilhelmshöhe“ hatte der kambodschanische Vorsitzende des Komitees seine Mühe: Er ließ den Hammer schließlich zugunsten des Antrags „Wilmschöh“ fallen. Es ist die 38. Welterbestätte in Deutschland.

„Kassel ist damit nicht mehr nur als Documenta-Stadt bekannt, die alle fünf Jahre die aktuelle Kunstszene anzieht, sondern wird ein Treffpunkt für Leute, die an der Landschafts- und Gartenarchitektur interessiert sind“, sagte Weiss. Der Eintrag sollte noch am Sonntag zum Abschluss des Volksfest Hessentag in Kassel und dann in einer Woche beim Bergparkfest auf der Wilhelmshöhe gefeiert werden.

Weiß bezeichnete den Herkules als erste künstlerisch gestaltete Großfigur und damit Vorläufer der Freiheitsstatue. Kassel hatte schon in den 80er Jahren deutschlandintern Interesse an einer Eintragung der Wilhelmshöhe in die Welterbeliste angemeldet. Mit dem Mauerfall geriet der Antrag vorübergehend ins Hintertreffen, weil die Bundesregierung zunächst mehr Natur- und Kulturdenkmäler aus den neuen Bundesländern zur Aufnahme vorschlug.

Im kommenden Jahr will Deutschland den Welterbestatus für das mehr als 1200 Jahre alte ehemalige Benediktinerkloster Schloss Corvey bei Höxter in Nordrhein-Westfalen beantragen. Dann findet die Welterbesitzung in Katar statt.

Einen Herkules gibt es schon auf der Welterbeliste: den Torre de Hércules, oder Herkulesturm. Der Leuchtturm aus dem frühen zweiten Jahrhundert ist das Wahrzeichen der spanischen Stadt A Coruña in Galizien und weltweit der älteste Leuchtturm, der noch in Betrieb ist. Nach der Legende kämpfte Herkules auf dem Felsen einen heroischen Kampf gegen den Riesen Geryon, besiegte ihn, und baute auf seinem Grab den Turm. Die Statue vor dem Leuchtturm zeigt allerdings nicht Herkules, sondern den galicischen König Breogán - insofern ist der Kasseler Herkules einzigartig auf der Welterbeliste.

Welterbestätten gibt es in mehr als 150 Ländern. Dazu gehören Naturlandschaften wie das Obere Mittelrheintal und Bauwerke wie die Chinesische Mauer. Für viele Länder ist es eine Frage der Kapazität, wie oft sie den aufwendigen Prozess eines Antrags auf Aufnahme in die Liste bewerkstelligen können. Besonders emsig waren seit dem Start der Liste in den 70er Jahren die Italiener: sie sind mit mehr als 45 Stätten Welterbe-Weltmeister, dicht gefolgt von China und Spanien. Dahinter liegen Frankreich, Deutschland und Mexiko. Ägypten hat sieben Welterbestätten, Griechenland 17, und die USA haben 21.

Von

dpa

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