Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.03.2011

01:53 Uhr

Medizinisches Personal bringt die verseuchten Arbeiter in ein Krankenhaus in Fukushima. Quelle: dapd

Medizinisches Personal bringt die verseuchten Arbeiter in ein Krankenhaus in Fukushima.

TokioNach einem schweren Unfall von drei Arbeitern im AKW Fukushima wird befürchtet, dass Brennstäbe im Reaktorblock 3 beschädigt sind und hohe Strahlung freisetzen.

Beim Verlegen von Kabeln in einem Nachbargebäude des Reaktorbehälters kamen die Techniker nach Angaben der Betreibergesellschaft Tepco vom Freitag mit Wasser in Berührung, das eine Radioaktivität von 3,9 Millionen Becquerel pro Kubikzentimeter aufwies. Dies übersteigt den normalen Wert um den Faktor 10 000.

Die Männer waren am Donnerstag im unteren Bereich des Turbinengebäudes von Block 3 im Einsatz. Nachdem dort am Vortag weder Wasser noch erhöhte Strahlung festgestellt worden war, hatten sie bei ihren Arbeiten keine Schutzstiefel an. Daraufhin lief ihnen das radioaktiv belastete Wasser in die Schuhe.

Nach Angaben von Tepco stammt die Radioaktivität vermutlich aus den Brennstäben des Reaktors - entweder denen im Reaktorkern oder von abgebrannten Kernbrennstäben im Abklingbecken. Ein Experte sagte dem Fernsehsender NHK, in dem Turbinengebäude gebe es im Normalbetrieb keine erhöhte Strahlung.

Zwei der drei Arbeiter kamen mit Verbrennungen in eine Spezialklinik. Am Freitag sollten sie vom Krankenhaus in Fukushima in die Stadt Chiba südlich von Tokio verlegt werden, und zwar in das nationale Institut für Strahlenforschung, wie Kyodo berichtete. Hier sollen sie voraussichtlich vier Tage lang beobachtet werden.

Unterdessen bemühen sich die Einsatzkräfte weiter, die teilweise zerstörten Reaktorblöcke des Kraftwerks unter Kontrolle zu bringen. Um der Erhitzung der Blöcke 1, 3 und 4 entgegenzuwirken, sollen diese Reaktoren nach einem Bericht von NHK weiter von außen mit Meerwasser gekühlt werden. Dies habe zurzeit Priorität. Bei diesen drei Reaktoren stieg am Freitag erneut weißer Dampf auf. Die Arbeiten zur Wiederherstellung der regulären Kühlung sind bislang offenbar kaum vorangekommen.

Die Verstrahlung der Umwelt und die radiokative Belastung von Lebensmitteln werde sich weiter ausbreiten, sagte der Umweltwissenschaftler Kentaro Murano von der Hosei-Universität in Tokio dem Fernsehsender NHK. „Die Auswirkungen der Radioaktivität werden noch für einige Zeit andauern.“ In sechs Präfekturen übersteigt die Jod-131-Belastung des Leitungswassers den zulässigen Grenzwert.

Die Naturkastrophe vom 11. März hat nach jüngsten offiziellen Zahlen mindestens 9811 Menschen das Leben gekostet. 17 451 werden noch vermisst. In der Präfektur Miyagi veröffentlichte die Polizei Informationen zu mehr als 2000 Leichen im Internet mit der Bitte, bei der Identifizierung zu helfen. Dazu gehören Angaben zur Kleidung oder zur Körpergröße. In den Präfekturen Miyagi und Iwate begannen die Behörden damit, Leichen ohne die in Japan übliche Einäscherung beizusetzen, weil die Krematorien überlastet sind. In der Ortschaft Higashimatsushima in der Präfektur Miyagi wurden nahezu 100 Tote ohne Einäscherung beerdigt.

Die japanische Regierung hat den im Erdbeben und Tsunami entstandenen Schaden an Gebäuden und Straßen auf rund 200 Milliarden Euro geschätzt. Der Schaden belaufe sich voraussichtlich auf 16 bis 25 Billionen Yen (193,3 bis 217,7 Milliarden Euro), teilte die Regierung nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo vom Freitag (Ortszeit) mit.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) nannte Schätzungen, wonach sich die Schäden auf drei bis fünf Prozent des japanischen Bruttoinlandsprodukts belaufen. Der IWF-Missionschef für Japan, Mahmood Pradhan, sagte nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo, Japan verfüge über genügend Rücklagen, um den Wiederaufbau nach der Naturkatastrophe vom 11. März aus eigener Kraft zu finanzieren. Allerdings gebe es aufgrund der ungeklärten Situation nach dem Unglück im Atomkraftwerk Fukushima noch erhebliche Unsicherheiten in der Beurteilung der wirtschaftlichen Tragweite der Katastrophe.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×