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29.07.2013

16:59 Uhr

Unfall-Serie mit vielen Toten

Wenn der Mensch zum Problem wird

VonDésirée Linde

Prahlerei, Geschwindigkeitsrausch, Unterschätzung der Gefahr: Der Faktor Mensch spielt bei Unfällen oft eine große Rolle. Psychologische Tests und Trainings könnten solche Gefahren reduzieren, sind aber kein Standard.

Spanien

Nach tragischem Zugunglück: Lokführer wird Prozess gemacht

Spanien: Nach tragischem Zugunglück: Lokführer wird Prozess gemacht

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DüsseldorfDer Hochgeschwindigkeitszug in Spanien fährt am Mittwoch auf einer Strecke, bei der eine Begrenzung auf 80 Stundenkilometer gilt, mehr als das Doppelte. Das Unglück kostete bislang 79 Menschen das Leben, weitere Schwerverletzte liegen noch in den Krankenhäusern und ringen mit dem Tod. Es ist eines der schwersten Zugunfälle in Spanien.

So ungeklärt die genauen Details und Ursachengeflechte bei diesem Unfall auch (noch) sind und es je nach Fall vermutlich auch bleiben könnten: Der Faktor Mensch – und dessen Versagen – spielen bei schweren Unfällen auf Schiene, Straße, im Wasser und in der Luft eine große Rolle. „Er ist in technischen Systemen das schwächste Glied“, sagt Siegfried Brockmann, Leiter Unfallforschung der Versicherer im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. In weniger als einem Prozent der schweren Unfälle im Straßenverkehr gehen laut Brockmann auf technisches Versagen zurück. Der Rest ist menschgemacht.

Das gilt auch für andere schwere Unfälle der jüngeren Vergangenheit: Am Montagabend gegen 20.30 Uhr verunglückt ein Reisebus in Italien mit insgesamt 48 Insassen. Die Zahl der Toten liegt bislang bei 38. Klar ist bereits: Der Bus fuhr mit großem Tempo auf das Stauende auf. Es ist eines der schwersten Busunglücke Italiens.

Das Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia" fährt im Januar 2012 vor der toskanischen Insel Giglio auf einen Felsen und kentert. 32 Menschen sterben. Der Kapitän, dessen Prozess derzeit läuft ist nach einem Zeitungsbericht absichtlich zu nah an der Insel Giglio vorbeigefahren – soweit der Vorwurf. Es ist eines der schwersten Unfälle eines Kreuzfahrtschiffes. Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Schwere Zugünglücke seit 1998

1998

Am 3. Juni ereignet sich das schwerste Zugunglück der europäischen Nachkriegsgeschichte in der niedersächsischen Gemeinde Eschede, als ein ICE auf dem Weg von München nach Hamburg entgleist; 101 Menschen kommen ums Leben.

2002

In der Nähe der Stadt Nancy im Nordosten Frankreichs sterben am 6. November in einem brennenden Schlafwagen auf dem Weg von Paris nach München zwölf Passagiere.

2003

Am 8. Mai kommen bei der Kollision eines Zugs mit einem deutschen Reisebus nahe der Stadt Siofok im Westen Ungarns 33 Menschen ums Leben. Knapp einen Monat später sterben am 3. Juni in der Nähe des ostspanischen Orts Chinchilla beim Zusammenprall eines Personenzuges mit einem Güterzug 19 Menschen.

2004

Im Nordwesten der Türkei entgleist am 22. Juli in der Nähe der Stadt Pamukova ein Schnellzug von Istanbul nach Ankara; 37 Menschen sterben.

2005

Nahe der zentralitalienischen Stadt Bologna fahren am 7. Januar ein Personen- und ein Güterzug ineinander; 17 Menschen kommen ums Leben.

2006

Zu Jahresbeginn sterben nahe der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica 47 Menschen, als ein Zug entgleist. Am 22. September kommen bei einem Unfall auf der Versuchsstrecke der Magnetschwebebahn Transrapid im niedersächsischen Lathen 23 Menschen ums Leben.

2009

Durch die Explosion eines Tankwaggons im Bahnhof der nordwestitalienischen Stadt Viareggio kommen am 30. Juni 29 Menschen ums Leben. Unweit der Stadt Iasi im Nordosten Rumäniens sterben beim Zusammenstoß eines Zugs mit einem Kleinbus am 14. August 13 Fahrgäste.

2010

Nahe der Stadt Halle im Umland der belgischen Hauptstadt Brüssel stoßen am 15. Februar zwei Züge zusammen; 18 Passagiere sterben. In Marganez in der östlichen Zentralukraine kommen bei der Kollision eines Zugs mit einem Reisebus am 12. Oktober 45 Menschen ums Leben.

2011

Am 29. Januar rasen bei Oschersleben in Sachsen-Anhalt bei voller Fahrt ein Regionalexpress und ein schwer beladener Güterzug ineinander; zehn Menschen sterben.

2012

In Süden Polens sterben 16 Menschen, als zwei Personenzüge ineinander fahren.

Warum fuhr der 52 Jahre alte Lokführer in Spanien zu schnell, obwohl – zumindest nach bisherigen Stand – die Signalanlagen funktionierten? Warum war der Bus in Italien auf der als Unfallstrecke bekannten Route so schnell unterwegs? Warum unterschätzte ein erfahrener Kapitän die Gefahr der Felsen im Wasser und fuhr zu nah an die Küste?

Simon Carl Hardegger hilft dabei, individuelle Unfallursachen von Vornherein so weit wie möglich zu kontrollieren. Er führt im Auftrag von Verkehrsbetrieben Leistungs- und psychologische Tests mit angehenden Busfahrern, Lokführern und Co. durch. „Persönlichkeitsfaktoren spielen bei Unfällen immer eine große Rolle“, sagt Hardegger, Leiter des Zentrums Diagnostik, Verkehrs- & Sicherheitspsychologie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.

Getestet werden an seinem Institut per Fragenbogen und Gespräch auch die emotionale Stabilität, die Risikosensibilität und die Regelkonformität. Vereinfacht ausgedrückt: Ist eine Person labil? Geht sie leicht Risiken ein? Hat sie Probleme, sich an Regeln zu halten? Wie genau die Tests laufen, will er nicht verraten. Etwa 30 Prozent der bereits von den Unternehmen vorselektierten Bewerber fallen bei Hardegger und seinem Team durch.

Einheitliche Vorschriften für solche Tests jeweils für Busfahrer, Schiffs- und Zugführer gibt es allerdings europaweit nicht. Ein weiteres Problem: „Die Tests geben immer nur eine Momentaufnahme – und die Persönlichkeit verändert sich im Laufe eines Lebens“, sagt Hardegger.

Kommentare (4)

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pool

29.07.2013, 18:32 Uhr

Gute Ratschläge sind kostenlos und die kriegt man reichhaltig gerade von denen, die selber das dominierende gesellschaftliche Problem sind.
Banker, Spekulanten, Experten, Analysten, Spielsüchtige, Geldvernichter - macht den ersten Schritt und unterzieht Euch einem psychologischen Test. Oder macht einen autorisierten Intelligenztest. Danach schaut Ihr sehr ernüchtert drein. Hand darauf.
Was die chronischen Friedenstörer, geistigen Schmalspurartisten und Katastrophenverewiger sich immer einbilden, sich in gesellschaftliche Belange einzumischen. Psychotest, soweit kommt's noch.




realist

29.07.2013, 21:50 Uhr

............man schaue sich das Bild im HB an. Der Lockführer, der KLEINE MANN (Lockführer) neben dem Polizisten. Gibt es da noch Fragen zum Zugunglück????? Was bedeutet seine Größe? Er ist vermutlich so um die 155 cm NUR groß. Was bedeutet seine Körpergröße? Die bedeutet, daß er auch gerne groß raus kommen möchte. Leidet er unter seiner Körpergröße? Ja, so ist es. Und was macht er mit dem Zug? Er arbeitet sich seine Gefühle am Zug ab. Er will doch auch ein ganz Großer sein. Und da drückt er aufs Gaspedal und gleicht das aus, was er durch seine Körpergröße nicht erreichen kann. Einfach nur so ganz toll mit seinem Zug schnell fahren und nix Handy-Ablenkung wie in der Presse zu lesen war. Der Ausgleich für seine Größe, schnell mit dem Zug fahren? Ja, ja und nochmals ja. Ein psychologisch, tiefenpsychologisches Problem? Ja, so ist es. Passiert das auch woanders? Ja, sicher nicht mit dem Zug aber z. B. mit dem Auto u. andere Fortbewegungsmittel. Zeigen, das man auch noch da ist und nicht als Gartenzwerg abgestempelt wird? Ja, so ist es. Eine unglaubliche Geschichte, die man nicht für möglich hält, aber wahr ist. Sie ist wahr. Bedeutet, wie man einen kleinen Mann in eine derartige Verantwortung geben konnte. Er hat die Größen-Macke, leidet zuhause hinter der Gardine an seinem Zustand nicht auch 1.89 oder 1.95 m groß zu sein. Er ist in einigen Zeitabständen des Tages nicht zurechnungsfähig, weil es über ihn kommt (sein Größenproblem). Ja so ist es. Mein Gott, hat man seinerzeit bei seiner Einstellung dieses Problem überhaupt nicht beachtet? Es ist kaum vorstellbar. Aber es scheint so zu sein. Und jetzt das Unglück mit vielen Toten, kaum zu glauben aber wahr.....................eine Katastrophe die man hätte verhindern können. Ja, es ist so..................

Andreas

30.07.2013, 00:23 Uhr

Und jemand der von sich glaubt so ein Urteil nach der schlichten Betrachtung eines Fotos abgeben zu können ist mit Sicherheit nur 1,25m groß!
Ja,es ist so.........

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