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28.06.2013

20:41 Uhr

Unglück am Roten Rathaus

Polizist erschießt nackten Messer-Angreifer in Berlin

In Berlin hat ein Polizist am Freitag einen nackten Mann erschossen. Der 31-Jährige soll mit einem Sägemesser auf den Beamten losgegangen sein. Es spreche einiges für Notwehr, befand die Staatsanwaltschaft.

Zwei Polizisten räumen die Absperrung am Roten Rathaus weg. Dort wurde am Freitag ein Mann von einem Polizisten erschossen. AFP

Zwei Polizisten räumen die Absperrung am Roten Rathaus weg. Dort wurde am Freitag ein Mann von einem Polizisten erschossen.

BerlinTod am Roten Rathaus in Berlin: Ein nackter Randalierer mit einem Sägemesser in der Hand ist am Freitag im Zentrum der Hauptstadt von einem Polizisten erschossen worden. Er erlitt einen Lungendurchschuss und starb daran, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, der dpa. Dies habe die Obduktion ergeben. Zuvor soll der verwirrt wirkende Mann – nach ersten Erkenntnissen ein 31 Jahre alter Berliner – im Neptunbrunnen mit dem 20 Zentimeter langen Messer einen Polizisten angegriffen haben. Dieser habe ihn beruhigen und aus dem großen Brunnen herausholen wollen.

Der Mann, der am Morgen ohne Kleidung in dem Brunnen am nahen Dienstsitz von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gesichtet wurde, fuchtelte nach Angaben von Ermittlern zunächst mit dem gefährlichen Werkzeug herum. Eine Passantin lief daraufhin zu einem Wachposten am Roten Rathaus. Dieser alarmierte die Polizei.

Ein Funkwagen fuhr zu dem Brunnen. Als die Beamten eintrafen, stand der Mann noch immer im Wasser, stach auf sich selbst ein und blutete bereits aus mehreren Wunden. Das Areal mit Fernsehturm, Marienkirche und Brunnen ist ein Anziehungspunkt für Touristen.

Es spreche einiges für Notwehr des Beamten, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die genauen Umstände würden geprüft. Die Polizeipistole wurde sichergestellt. Wie immer in solchen Fällen wurde ein Ermittlungsverfahren gegen den Beamten eingeleitet. Dieser sowie sein Kollege wurden zunächst von Psychologen betreut.

Einer der Beamten war nach Darstellung der Behörden in den Brunnen gestiegen, der andere postierte sich davor. Zunächst hatte es bei der Polizei geheißen, der Kollege außerhalb des Brunnens habe geschossen, als der Messer-Mann auf den anderen Beamten losgehen wollte. Am Nachmittag teilte die Staatsanwaltschaft mit, der Polizist im Brunnen habe seine Waffe gezogen.

Der Nackte habe nicht auf die Rufe der Einsatzkräfte reagiert, das Messer fallenzulassen, erklärte die Polizei. Im Gegenteil: Er sei mit dem Messer weiter zu dem Beamten im Brunnen vorgerückt. Dieser sei zunächst ausgewichen, habe dann aber nicht weiter zurückgehen können. Beide Beamten hätten nochmals gerufen, das Messer wegzuwerfen. Der Nackte habe den Angaben zufolge aber nicht reagiert. In dieser Situation habe der Polizist im Brunnen die Waffe gezogen und geschossen.

Ein Notarzt habe noch versucht, den Niedergeschossenen wiederzubeleben, sagte ein Polizeisprecher. Doch nach einer halben Stunde sei er in einem Rettungswagen gestorben.

Über Stunden suchten Spezialisten den abgesperrten Unglücksort nach Spuren ab. Entdeckt wurde die Kleidung des Mannes. Sie lag laut Polizei auf einem Haufen neben dem Brunnen.

Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, sagte, der Einsatz von Schusswaffen sei bei der Polizei die „absolute Ausnahmesituation“. Selbst bei allem Training werde man sich darauf nie so vorbereiten können, dass man standardisiert einschreitet.

Von

dpa

Kommentare (26)

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Account gelöscht!

28.06.2013, 21:11 Uhr

Niemand muß in einer solchen Situation sterben, es gibt genug moderne Waffen, wie z. B. Phase, die potentielle Täter oder verwirrte Menschen kampfunfähig machen können ohne sie zu töten. Hier liegt ein Verbrechen vor, ausgeführt von Polizisten, Schergen des Systems!

Wolfsfreund

28.06.2013, 21:23 Uhr

" Hier liegt ein Verbrechen vor, ausgeführt von Polizisten, Schergen des Systems!"
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Ach was, machen Sie sie gleich ein Systemproblem draus. Der Punkt ist eher die unzureichende Ausbildung der Polizei. Für einen geübten Tae Kwon Do Kämpfer wäre es eine Sache von Sekunden gewesen, den Messerschwinger flachzulegen. Das hätte zwar ein paar gebrochene Knochen gegeben, aber der Mann wäre am Leben.
Aber das braucht eben Ausbildung und Training, Training, Training (im Grund *mindestens* 3-mal die Woche mehrere Stunden), was Zeit und Geld kostet.

Lektorat

28.06.2013, 21:58 Uhr

Schwachsinniger Kommentar !!

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