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18.09.2011

09:25 Uhr

Unglücke in Afrika

Der Kontinent der vermeidbaren Katastrophen

In Kenia explodiert eine angezapfte Pipeline, vor Sansibar sinkt eine überladene Fähre: In Afrika häufen sich vermeidbare Katastrophen, weil niemand die Bevölkerung über Gefahren aufklärt. Helfer sind rar gesät.

Flammenhölle im Slum: Mangelnde Aufklärung verursacht in Afrika viele Unglücke. AFP

Flammenhölle im Slum: Mangelnde Aufklärung verursacht in Afrika viele Unglücke.

Addis AbebaAfrika kommt nicht aus den Schlagzeilen. Eine überfüllte Fähre sinkt vor der Küste Sansibars und reißt Hunderte in den Tod, in Nairobi sterben über 100 Slumbewohner bei der Explosion einer Pipeline und fast zur gleichen Zeit werden mehr als 20 Menschen in anderen kenianischen Armenvierteln Opfer von Methanol-verseuchtem Schnaps. Wenige Wochen zuvor sterben Dutzende in Uganda bei Erdrutschen, im Juli finden über 70 Passagiere beim Absturz eines Flugzeuges im Kongo den Tod.

Zwei Dinge haben all diese Katastrophen gemein: Erstens waren sie vermeidbar. Zweitens trafen sie - wie so oft in Afrika - hauptsächlich die Armen.

„Es gibt eine enge Verbindung zwischen diesen Desastern und Armut“, sagte Etienne Krug, Leiter der Abteilung für Gewalt- und Verletzungsprävention der Weltgesundheitsbehörde WHO, der Nachrichtenagentur dpa. „Es kann zwar im Grunde jeden treffen, aber die wirtschaftlich Schwachen einer Gesellschaft sind größeren Risiken ausgesetzt: Sie leben in gefährlicheren Gegenden, sie arbeiten an gefährlicheren Orten und sie sind mit gefährlicheren Verkehrsmitteln unterwegs.“

Nach der Pipeline-Explosion im Sinai-Slum in Nairobi sind nun auch die örtlichen Medien aufgewacht und holen zum Rundumschlag aus: Wer ist für das Flammeninferno verantwortlich? Und warum wurden frühere Warnungen über den schlimmen Zustand der verrosteten Treibstoff-Rohre nicht gehört? Die kenianische Zeitung „The Standard“ prangerte vor allem das „unfähige und unzuverlässige Katastrophenmanagement“ der Regierung an. Die Feuersbrunst sei „eine grausige Mahnung“ daran, dass viele in Afrika auf einer „Zeitbombe“ säßen.

„Man könnte die meisten dieser Unfälle verhindern, wenn vor allem die Regierungen ernsthafte Maßnahmen ergreifen würden“, meint Krug. Nehmen wir das Beispiel Sansibar: Die „MV Spice Islander“ war für maximal 600 Passagiere zugelassen, dennoch drängten sich über 1000 Menschen auf der Fähre, als diese in tiefem Wasser unterging. „Hinzu kommt die schlechte Wartung der Schiffe, es gibt kaum Rettungswesten und die Leute können häufig nicht schwimmen.“ Wären die Gesetze eingehalten worden und alle nötigen Vorsorgemaßnahmen getroffen worden, „dann hätten die meisten Menschen überlebt“, sagt Krug.

Kommentare (2)

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Thomas-Melber-Stuttgart

18.09.2011, 12:24 Uhr

Gegen Unverstand helfen auch keine Gesetze.

Volkerseitz

18.09.2011, 18:36 Uhr

Die Katastrophen in Afrika sind ein Konglomerat von politischer Gleichgültigkeit, administrativer Nachlässigkeit und fehlender Bildung.Die sogenannten Eliten interessieren sich nicht für die normalen Bürger.Der Unmut über die moralische Verwahrlosung der Politiker könnte aber bald in eine Vertrauenskrise des politischen Systems umschlagen. Der Kontrast zwischen der täglich im Fernsehen idealisierten westlichen Welt und der eigenen Ausweglosigkeit hat bei Jugendlichen große Sprengkraft. Nach wie vor werden Stellen nicht aufgrund von Kompetenz, Leistung und Lernerfolg sondern vorwiegend über soziale Kontakte und Herkunft besetzt.
Volker Seitz, Autor "Afrika wird armregiert"

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