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28.03.2011

18:37 Uhr

Unglücks-AKW in Fukushima

Plutonium im Boden - Wasser muss abgepumpt werden

Rund um das Atomkraftwerk Fukushima finden sich Spuren von Plutonium. Und prompt und in gewohnter Manier wiegelt der Betreiber Tepco ab. Immerhin - die Regierung gesteht langsam die ganze Tragweite der Katastrophe ein.

Arbeiter an den Reaktoren des Kernkraftwerkes Fukushima: Im Boden wurden Spuren von Plutonium entdeckt. Quelle: dpa

Arbeiter an den Reaktoren des Kernkraftwerkes Fukushima: Im Boden wurden Spuren von Plutonium entdeckt.

TokioIm Katastrophen-Kraftwerk Fukushima Eins kämpfen Arbeiter weiter verzweifelt gegen einen Super-Gau. Am Dienstagmorgen wurde erneut versucht, radioaktiv verseuchtes Wasser aus den Turbinengebäuden der Reaktoren 1 bis 3 abzupumpen, wie die Nachrichtenagentur Jiji berichtete. Erst wenn das Wasser beseitigt ist, können die Männer versuchen, die dringend nötigen Kühlsysteme wieder in Gang zu bringen.

Der japanische Ministerpräsident Naoto Kan sagte am Dienstag, die Lage am havarierten Atomkraftwerk in Fukushima bliebe unvorhersehbar. Er werde weiter mit „äußerster Anspannung“ damit umgehen, sagte Kan vor dem Haushaltsausschuss des Oberhauses. Im Boden um das Kraftwerk war zuvor hochgiftiges Plutonium entdeckt worden. Die Dosierung ist nach Angaben des Kraftwerkbetreibers Tepco für Menschen nicht gefährlich. Das bisher nachgewiesene Plutonium stamme von Brennstäben der Anlage, die bei dem Erdbeben am 11. März schwer beschädigt wurde. Aus welchem Block genau, war aber zunächst nicht bekannt. Tepco kündigte an, weitere Bodenproben nehmen zu wollen.

Das Wasser in den Turbinenhäusern macht die Arbeit der Einsatzkräfte lebensgefährlich. Es stand zeitweise bis zu einem Meter hoch in den Turbinenhäusern aller vier Reaktorblöcke von Fukushima Eins. Es ist jedoch unterschiedlich stark belastet.

Die Regierung hatte zuvor eingeräumt, dass im Reaktor 2 in den vergangenen zwei Wochen vermutlich eine Kernschmelze eingesetzt hatte. Man glaube aber, dass der Prozess mittlerweile gestoppt sei. Was genau in dem Problem-Meiler abläuft, ist immer noch unklar. Wegen einer hohen Strahlenbelastung im Wasser an Block 2 hatten die Helfer die Wassermenge verringert, die zur Kühlung auf den Reaktorblock gesprüht wurde. Deshalb könnte die Temperatur im Innern wieder ansteigen. Am Dienstag sollten die Geräte überprüft werden, die zur Wiederherstellung der Kühlsysteme in den Reaktoren notwendig seien, berichtete Jiji.

Der Chef der US-Atomregulierungsbehörde (NRC), Gregory Jaczko, sprach nach einem Treffen mit japanischen Regierungskollegen und Atomexperten in Tokio von einer „anhaltend ernsten Herausforderung“. Die NRC und das US-Energieministerium haben Dutzende Fachleute nach Japan geschickt, um die Lage einzuschätzen und Experten vor Ort zu beraten.

Bei der Identifizierung der Toten nach dem Erdbeben und Tsunami vom 11. März setzt die Polizei unterdessen auf das Internet. Bei etwa 4000 Leichen, die in den Präfekturen Miyagi, Iwate und Fukushima gefunden wurden, sei noch unklar, um wen es sich handelt, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Die Polizei veröffentliche deswegen im Internet Informationen zu Kleidung und Größe der Toten, sowie zu persönlichen Dingen, die bei den Leichen gefunden wurden.

Die Region war am 11. März von einem verheerenden Erdbeben der Stärke 9 sowie einem Tsunami schwer zerstört worden. Mehr als 11 000 Menschen starben, über 17 000 Menschen gelten als vermisst. Noch immer hausen 190 000 Menschen in Notunterkünften. Doch viele der Flüchtlinge aus der Region um das AKW Fukushima Eins kehren trotz Warnungen der Regierung zurück in ihre Heimat, berichtete der Sender NHK. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hatte zuvor eine Ausweitung der 20-Kilometer-Evakuierungszone rund um das Atomwrack gefordert.

Die IAEA hat bisher keine Informationen zu Plutoniumspuren im Boden. Auf die Frage, was die Funde der Plutonium-Isotope 238, 239 und 240 bedeuten könnten, sagte der IAEA-Experte Denis Flory: „Die drei erwähnten Isotope sind Plutonium, das im Reaktor entstanden ist. Das bedeutet, dass es einen Abbau des Brennstoffs gibt. Das ist nichts Neues, dass sagen wir seit Tagen.“

Tepco kündigte an, weitere Bodenproben zu nehmen. Das bisher nachgewiesene Plutonium stamme aus Brennstäben der Anlage, die bei dem Erdbeben am 11. März schwer beschädigt wurde. Aus welchem Block das Material stammt, war zunächst nicht bekannt. Das Unternehmen hatte Bodenproben vom Gelände des AKW von unabhängigen Spezialisten auf das hochgiftige Plutonium untersuchen lassen.

In Fukushima gilt Block 3 als besonders gefährlich, weil es sich bei dessen Brennelementen um Plutonium-Uran-Mischoxide (MOX) handelt. Das radioaktive Plutonium verliert je nach Isotop auch nach Tausenden von Jahren nichts von seiner Gefährlichkeit. Gerät der Stoff in den Körper, kann Krebs entstehen.

Kommentare (5)

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leser

28.03.2011, 19:03 Uhr

Aha so ist das Plutonium Ungefährlich nicht Toxisch eine halbe Kernschmelze nicht Lokalisierbarer Wasserverlust mit etwas erhöhtem Strahlenwert alles ganz HARMLOS.
Morgen lesen wir hier das gesamte Management und der Aufsichtsrat verlegen ihre Büros in den Reaktor 3.die können FROH sein das sie keine Christen sind sonst würden sie wissen was sie für ihre Lügen erwartet.
Achso sie üben ja schon auf ihren Reaktoren.

karlosdallos

28.03.2011, 21:09 Uhr

Wenn ich heutze Aktien kaufen wollte,
dann würde ich die vom dem

Japanischen Klebebandhersteller nehmen.

Geheime Quellen teilten mir mit,
dass alle AKWs in Deutschland
jetzt mit je 2 Rollen ausgestattet werden sollen.

Island

28.03.2011, 22:06 Uhr

Eine „naive“ Meinung von mir!

Es fehlt ein Stück Ehrlichkeit im Fall vom Atomkraftwerk Fukushima, die Bevölkerung muß informiert werden. Es dürfte doch kein Problem darstellen die Bevölkerung mit „unverstrahlten“ Lebensmitteln zu versorgen und Trinkwasser bereitzustellen!

Unser Land hat z. b. eine „Notreserve“ für die Einheimische Bevölkerung von 60-90 Tagen!

Die Firma sollte doch nicht so handeln wie die Russen mit „Tschernobyl“, es wurde verschleiert, es wurden Grenzwerte erhöht und es werden keine Statistiken und Bevölkerungszählungen durchgeführt!

1986 vermutete man daß über 50.000 Menschen daran sterben, wir gehen derzeit von 40.000 Toten aus. Die genauen Zahlen werden wir nie erfahren!

In unserem Land leben derzeit Menschen aus der Ukraine und Russland, diese erkranken immer an denselben „Krebsarten“ häufig an „Schilddrüsenkrebs“. Ich denke die werden auch nicht gezählt!


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