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24.03.2017

13:39 Uhr

Unglücksfähre „Sewol“

Bergung in Südkorea macht Fortschritte

Die Bergung der südkoreanischen Unglücksfähre „Sewol“ ist ein schwieriger Vorgang und dauert mehrere Tage. Nach der Hebung des Wracks vom Meeresgrund soll es jetzt zur Untersuchung an die Küste gebracht werden.

Im Schiffsinnern werden noch Leichen vermutet. AFP; Files; Francois Guillot

Geisterschiff

Im Schiffsinnern werden noch Leichen vermutet.

SeoulKnapp drei Jahre nach dem „Sewol“-Fährunglück vor Südkorea mit mehr als 300 Toten haben Spezialisten bei der Bergung des Wracks große Fortschritte erzielt. Nach der geglückten Hebung der Fähre vom Meeresgrund sei sie am Freitag zum Abtransport vorbereitet worden, teilte das Meeres- und Fischereiministerium mit. Dazu sei das Wrack von der Unglücksstelle zu einem bereitstehenden Transportschiff geschleppt worden. Nach der Verladung soll sie zum Hafen ins etwa 90 Kilometer entfernte Mokpo gebracht werden. Dort soll nach den Körpern von neun vermissten Passagieren gesucht werden.

Die „Sewol“ war am 16. April 2014 auf dem Weg von Incheon zur Ferieninsel Jeju vor der Südwestküste gesunken. Nur 172 Menschen hatten sich retten können, darunter die leitenden Besatzungsmitglieder. Aus dem Schiffsinnern und der Umgebung wurden 295 Leichen geborgen. Die meisten Opfer waren Schüler auf einem Ausflug.

Fährunglücke

August 2013

Eine Fähre mit etwa 870 Passagieren an Bord stößt in der philippinischen Provinz Cebu mit einem Frachter zusammen und sinkt. Mindestens 55 Menschen kommen ums Leben, 65 werden vermisst.

Oktober 2012

Bei einer Schiffskollision in Hongkong sterben mindestens 37 Menschen. Von einem Ausflugsboot aus wollten Firmenmitarbeiter und deren Familien das Feuerwerk zum chinesischen Nationalfeiertag im Hafen ansehen. Aus unbekannter Ursache stößt das Boot mit gut 120 Menschen an Bord mit einer Fähre zusammen.

Februar 2012

Eine überladene Fähre reißt in Bangladesch auf dem Fluss Meghna viele Passagiere nach einer Kollision mit einem Frachter in die Tiefe. Von den etwa 250 Menschen an Bord können sich nur rund 40 ans Ufer retten. Erst im April 2011 waren auf dem Fluss Dutzende Menschen ertrunken, als eine Fähre auf ein Wrack auffuhr und sank. Ende 2010 waren bei drei Fährunglücken in Bangladesch binnen eines Monats mehr als 160 Menschen gestorben.

Juni 2008

Vor der philippinischen Insel Sibuyan läuft eine Fähre mit mehr als 800 Menschen an Bord während eines Taifuns nach einem Maschinenschaden auf Grund und sinkt. In den folgenden Tagen werden etwa 250 Leichen an umliegende Strände geschwemmt, mehr als 550 Menschen gelten als vermisst.

Dezember 2006

Bei stürmischem Wetter sinkt eine Fähre zwischen den indonesischen Inseln Java und Kalimantan. Mehr als 380 der 628 registrierten Menschen an Bord werden vermisst. Helfer bergen etwa 230 Überlebende aus der Javasee.

Februar 2006

Im Roten Meer sinkt eine Fähre zwischen Saudi-Arabien und Ägypten. Mindestens 1027 der 1400 Menschen an Bord sterben. Bei einem Brand des Schiffes hatte die Mannschaft vermutlich Meerwasser zum Löschen an Bord geholt und es so zum Kentern gebracht.

Am frühen Freitagmorgen hatten die Bergungskräfte am Heck noch eine herunterhängende Autorampe gelöst, die zuvor eine weitere Hebung des seitlich liegenden Schiffskörpers behindert hatte. Die etwa 8000 Tonnen schwere Fähre wurde vorher mit Hilfe von 66 Stahlseilen aus über 40 Meter Tiefe aus dem Meer gezogen.

Nach eine Probehebung hatten die Behörden erst am Mittwochabend beschlossen, die technisch schwierige Bergung in vollem Umfang zu starten. Der 146 Meter lange Schiffskörper sollte möglichst im Ganzen erhalten bleiben, um ihn in einem Trockendock in der Küstenstadt Mokpo durchsuchen zu können. Die Reise dorthin könne ein bis zwei Tage dauern, hieß es.

Untergang der „Sewol“: Lebenslange Haft für Kapitän der Unglücksfähre

Untergang der „Sewol“

Lebenslange Haft für Kapitän der Unglücksfähre

Rund ein Jahr nach dem Untergang der Fähre „Sewol“ vor Südkorea hat ein Gericht die Strafe für den Kapitän erhöht. Lee Joon Seok muss lebenslang in Haft. Bei dem Unglück waren rund 300 Menschen gestorben.

Auch erhoffen sich die Behörden und die Opfer-Familien bei neuen Untersuchungen des Schiffes weitere Hinweise auf die Unglücksursache. Einige Angehörige von Opfern begleiteten die Bergungsarbeiten in der Nähe der Unglücksstelle auf Schiffen.

Wie Ermittler später herausgefunden haben, war die Personen- und Autofähre überladen gewesen. Der Rechnungshof hat auch Korruption und fahrlässiges Verhalten südkoreanischer Beamter für das verheerende Fährunglück mitverantwortlich gemacht. Der Kapitän der „Sewol“ wurde wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Ihm wurde vorgeworfen, die Passagiere im Stich gelassen zu haben.

Der Regierung wurde vorgeworfen, nicht genug zur Rettung der Insassen unternommen zu haben. Indirekt hatte die Schiffskatastrophe auch zur Entmachtung von Präsidentin Park Geun Hye beigetragen. Als das Parlament im Dezember für die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens gegen Park gestimmt hatte, wurde der Schritt auch mit dem Fährunglück begründet. Am 10. März hatte das Verfassungsgericht Park endgültig ihrer Amtspflichten enthoben, allerdings wegen eines Korruptionsskandals um eine enge Vertraute.

Von

dpa

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