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30.06.2011

15:02 Uhr

Unicef-Report

Kindergewalt bleibt weltweit ein Problem

Gewalt gegen Kinder gehört nach dem neusten Unicef-Report leider immer noch zum Alltag zahlreicher Kinder. Gerade in Entwicklungsländern müssen Kinder leiden.

Die Schirmherrin von Unicef Deutschland, Bettina Wulff. Quelle: dpa

Die Schirmherrin von Unicef Deutschland, Bettina Wulff.

BerlinSchläge, Mobbing und sexueller Missbrauch: Gewalt gegen Kinder wird nach dem neuen Report des Kinderhilfswerks Unicef weiter weltweit verdrängt und unterschätzt. In Entwicklungs- und Schwellenländern erlebten drei von vier Kindern in ihrer Familie Strafen bis hin zu Peitschenhieben, heißt es im Report, der am Freitag in Berlin vorgestellt wurde.

Gewalt gegen Kinder ist aber nicht nur ein Problem armer Staaten. In Deutschland schlagen nach Schätzungen des Kinderschutzbundes 13 Prozent der Eltern auch mal zu - obwohl das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung gesetzlich festgeschrieben ist. Unicef fordert deshalb unter anderem eine Ombudsstelle für Kinderrechte.

Kinder in Deutschland erführen Gewalt oft aus Gleichgültigkeit, unkontrollierter Wut oder Selbstsucht, sagte Bettina Wulff, Frau des Bundespräsidenten und Schirmherrin von Unicef Deutschland bei der Präsentation des Reports. Besonders gefährdet seien Kinder, wenn sie klein, ungewollt oder behindert seien.

Gewalt an Kindern

Dunkelste Ziffern

500 Millionen bis 1,5 Milliarden Kinder weltweit erleiden jedes Jahr Formen von Gewalt.

Mangelhafte Gesetzeslage

Gewalt gegen Kinder ist nur in 29 von 200 Staaten vollständig verboten, darunter auch in Deutschland. Damit sind weltweit nur rund fünf Prozent der Kinder durch Gesetze geschützt Gewalt an Schulen ist in mehr als 80 Staaten zugelassen.

Gewalt in der Erziehung

In 42 Ländern ist Gewalt als Form der Bestrafung und in 156 Staaten als Strafmaßnahme in Betreuungseinrichtungen erlaubt. In 35 Entwicklungs- und Schwellenländern werden drei von vier Kindern nach Unicef-Untersuchungen gewaltsam bestraft. Nur die Hälfte der Kinder in Entwicklungsländern ist offiziell registriert. Gewalt und Missbrauch an Kindern ohne Papiere wird nirgendwo festgehalten.

Besonders gefährdet: Mädchen

Mädchen sind besonderen Gefahren ausgesetzt. Ehrenmorde, Genitalverstümmelung sowie Zwangs- und Kinderehen sind in Entwicklungsländern weiter verbreitet. Jedes Jahr sterben rund 70.000 Mädchen an den Folgen zu früher Schwangerschaften.

Kinderarbeit und sexuelle Gewalt

Eines von sechs Kindern in den ärmsten Ländern der Welt muss arbeiten, unter anderem in Bordellen und Kohleminen. Nach Schätzungen des Europarats wird eines von fünf Kindern in Europa Opfer sexueller Gewalt.

Schatten in Deutschland

Nach Schätzungen des Deutschen Kinderschutzbundes erziehen rund 13 Prozent der Eltern in Deutschland auch mit Gewalt. Nach Angaben des Bundeskriminalamts für das Jahr 2010 wurden in Deutschland 183 Kinder Opfer von Totschlag, Körperverletzung mit Todesfolge oder sie starben, weil die Aufsichtspflicht grob vernachlässigt wurde.

Um Kindern zu helfen, seien eine stärkere Vernetzung der Institutionen und auch mehr Mittel für qualifiziertes Personal in den Kommunen nötig. „Kinder müssen stark gemacht werden gegen Gewalt“, betonte Wulff. „Das bedeutet, dass wir sie achten, ihnen zuhören und sie ernst nehmen.“

Im Unicef-Report macht das Hilfswerk auch auf neue Gewaltrisiken aufmerksam: Die Aggression von Kindern und Jugendlichen untereinander. So habe Mobbing auf dem Schulhof, über Mobiltelefone und im Internet („Cyberbullying“) zugenommen. Kinder müssten in Schulen und Jugendgruppen darauf vorbereitet werden.

Kommentare (1)

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HaHeBo

01.07.2011, 10:57 Uhr

Kindergewalt = Gewalt durch Kinder.
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