Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.10.2017

07:09 Uhr

Unkontrollierbare Großbrände verwüsten Kalifornien

Feuerhölle im Paradies

VonAxel Postinett

In Nordkalifornien sind fast 700 Quadratkilometer der Feuersbrunst zum Opfer gefallen. Und es ist kein Ende abzusehen. Die Region steht vor einer menschlichen und wirtschaftlichen Katastrophe. Eine Reportage.

Großbrände in den USA

Kalifornien in Schutt und Asche

Großbrände in den USA: Kalifornien in Schutt und Asche

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

San FranciscoEr kam schnell und lautlos. Mit ungeahnter Geschwindigkeit hatte sich Sonntagnacht ein Feuersturm in der bekannten Wein- und Schlemmerregion Napa Valley, gut 30 km nördlich von San Francisco, ausgebreitet und sich über die Hügelketten in die benachbarten Solano und Sonoma Countys vorgearbeitet. In sechs großen und mehreren kleinen Feuern wurden bis zum späten Mittwoch über 3500 Gebäude zerstört und tausende Menschen mussten Häuser und Wohnungen verlassen. Viele konnten nicht mehr mitnahmen als das, was sie am Körper trugen oder was in ihr Auto passte. Vor dem Feuer waren alle gleich. Opulente Millionen-Dollar-Villen und Wohnmobilparks brannten gleichermaßen aus.


Heftige Winde fachten die Feuer so stark an, dass die eilig aus allen Landesteilen zusammengerufenen Feuerwehren machtlos waren. Zwei Tage nach dem Beginn der Feuer, die schon als die schlimmsten in Nordkalifornien seit Jahrzehnten gelten, ist die offizielle Lagebeurteilung der Behörden entmutigend: „Eindämmungsgrad Null“, heißt es lapidar. Der Gouverneur von Kalifornien rief den Notstand aus.


Mindestens 21 Menschen haben bereits ihr Leben verloren, 185 verletzt. Hunderte weitere werden noch vermisst. Da in vielen Bereichen die Mobilfunk-Masten zerstört sind, ist nicht klar, wie viele von ihnen sich in eine der 25 zentralen Sammelstellen retten konnten.


Vor Ort in Sonoma, Santa Rosa oder in Napa bieten sich Bilder wie nach einem Bombenangriff. Ganze Straßenzüge sind bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Von Häusern mit Holzskeletten ist nichts mehr übrig geblieben, unzählige Autowracks schwelen auf Parkplätzen und auf den Straßen vor sich hin. Die Polizei lässt niemanden durch. Wir kehren um.

Die gewaltige Rauchentwicklung sorgte selbst auf dem Flughafen von San Francisco für Verspätungen Reuters

Luftaufnahme über Sonoma Valley, Kalifornien

Die gewaltige Rauchentwicklung sorgte selbst auf dem Flughafen von San Francisco für Verspätungen


James Cook, Manager des Motorhome-Parks „Journey’s End“ in Santa Rosa erzählte der „Mercury News” wie er mit der Polizei von Wohnwagen zu Wohnwagen gerannt und an die Türen getrommelt hat. Hat niemand geantwortet, wurden die Türen eingetreten und sichergestellt, dass niemand vergessen wurde. „Solche Campingplätze sind in zehn bis fünfzehn Minuten niedergebrannt“, sagte er. Es war keine Zeit zu verlieren.
Das sind Großbrände mit Ansage, warnen seit langem Klimaforscher, die von einer Ausweitung der Extreme sprechen. Tatsächlich hatte Nordkalifornien den regenreichsten Winter seit langem, was zu einer üppig sprießenden Vegetation führte. Dem Winter folgte der trockenste Sommer seit Klimaaufzeichnung.


Diesen September schwitzte ich in meinem Appartement in San Francisco zum ersten Mal bei Rekordtemperaturen von 41 Grad. Das sind Temperaturen, wie sie im warmen Süden in Los Angeles früher normal waren, wo heute 43 oder 44 und mehr gemessen werden. Weil in San Francisco Klimaanlagen die Ausnahme sind, man brauchte sie einfach nicht, eröffnete die Stadt sogar Abkühlräume, vor allem für ältere Bewohner.


Die üppige Wintervegetation verkümmerte dann zu strohtrockenem Futter für jeden auch noch so kleinen Funken, der jetzt auch kam. Momentan schließen Ermittler nicht aus, dass umgestüzte Stromleitungsmasten für die Feuer verantwortlich sind.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Peter Spiegel

12.10.2017, 09:22 Uhr

Eine mehrjährige Weinknappheit könnte drohen, die sich auf die Preise niederschlagen könnte.
Der "Hessische Trinkerverband" ist tief beunruhigt ob dieser üblen Botschaft und erwägt Südafrikanischen Wein zu kaufen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×