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09.08.2015

17:20 Uhr

Unternehmen unter Druck

Die Macht der Marke Peta

VonDorit Marschall, Thomas Hanke, Catrin Bialek, Georg Weishaupt

Eine Tierschutzorganisation gewinnt an Einfluss: Peta setzt Unternehmen immer öffentlichkeitswirksamer unter Druck. Das jüngste Beispiel: Obi. Es dürften weitere folgen. Wie Peta zu Macht kommt – und was das bedeutet.

Die Aktionen der Tierschutzorganisation Peta fallen auf – und tragen zur Markenbekanntheit bei. dpa

Peta-Protest

Die Aktionen der Tierschutzorganisation Peta fallen auf – und tragen zur Markenbekanntheit bei.

DüsseldorfDass es so schnell gehen würde, hat Edmund Haferbeck nicht erwartet. Sieben Tage genügten. Dann haben sie das Video aus dem Netz genommen. „Wegen des erfolgreichen Abschlusses der Kampagne“, sagt der Leiter der Wissenschafts- und Rechtsabteilung von Peta in Deutschland. „Für OBI werden Tiere gequält! Bitte jetzt aktiv werden auf PETA.de/OBI. Peta stoppt Tierquälerei“, mit dieser Schlagzeile endet der Film, der eine Minute und 20 Sekunden lang ist, Bilder von kranken und toten Tieren auf engstem Raum zeigt – und eine enorme Wirkung entfaltet hat: 50.000 Menschen sind vom 29. Juli bis 4. August 2015 auf diesen Aufruf eingegangen – dann hat Obi reagiert.

„Aufgrund der aktuellen Kampagne von Peta möchte Obi klarstellen, dass wir den Verkauf von Kleintieren in Baumärkten nicht unterstützen“, teilte der Baumarkt mit. Obi setze auf ein anderes Kerngeschäft, weshalb sich die Unternehmenszentrale bereits vor Jahren dazu entschlossen habe, keine Kleintiere mehr zu verkaufen. Allerdings werden bisher in 15 von Franchisepartnern geführten Obi-Märkten in Deutschland „die betroffenen Kleintiere aktuell noch verkauft“.

Noch. Denn damit will Obi jetzt Schluss machen. „Die aktuellen Ereignisse haben uns veranlasst, den Ausstieg aus dem Verkauf von Kleintieren für das gesamte Unternehmen festzulegen, das heißt auch für sämtliche von Franchisepartnern geführte Obi-Märkte“, schreibt das Unternehmen.

Wie schnell das geschehen wird, ist noch offen. „Über den möglichen Ablauf sprechen wir gerade mit den betroffenen Franchise-Partnern“, hieß es gegenüber dem Handelsblatt. Obi wünsche sich, „dass es schnell und im Sinne der Tiere geschieht“. Aber einen „konkreten Maßnahmenplan und auch die einzelnen Franchisepartner“ könne Obi nicht nennen.

Das aktuelle Beispiel ist ein weiterer Beleg dafür, wie gewaltig die Tierschützer zuletzt an Einfluss gewonnen haben. Hinter dem 1993 gegründeten deutschen Verein, der sich selbst als „Schwesterorganisation von Peta USA“ bezeichnet, steht längst ein professionelles Team von etwa 50 festangestellten Mitarbeitern in der Zentrale in Stuttgart sowie in Berlin. 65.000 Fördermitglieder, die jährlich einen Mindestbeitrag von 60 Euro, Geringverdiener von 30 Euro zahlen, werden im aktuellen Wirtschaftsjahr für vier Millionen Euro Spendengelder sorgen, heißt es bei Peta Deutschland. Und Peta USA habe im letzten Wirtschaftsjahr Einnahmen in Höhe von $51 Millionen gehabt und mehr als 3,3 Millionen Facebook-Freunde. Die Tierschützer sind in einem Dutzend Ländern aktiv, neben den USA und Deutschland unter anderem in Frankreich.

Kommentare (6)

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Frau ines oppel

10.08.2015, 10:34 Uhr

Eine gute Nachricht. In einer Welt, in der im Spannungsfeld zwischen monetärem Individualinteresse und Tierleid immer nur die Wirtschaftsinteressen gewinnen, brauchen ausgebeutete und misshandelte Tiere jede menschliche Hilfe, die sie bekommen können. Denn gegen die Gier und die Grausamkeit des Menschen können sich Tiere nicht wehren. Nicht zuletzt im Umgang mit den Mitgeschöpfen zeigt sich der ethische Wert der menschlichen Gesellschaft. Danke Peta und weiterhin viel Erfolg!

Herr Ulrich Dittmann

10.08.2015, 12:44 Uhr

GLÜCKWUNSCH an PETA!

Großes Kompliment und Dank an Harald Ullmann, Dr. Edmund Haferbeck und das ganze PETA-Team, für die jahrzehntelange, so hervorragende und professionelle Tierrechtsarbeit!

Da kann sich so mancher wichtigtuerische, kleine „Möchte-gern- Kravall-Tierrechtsverein“, eine ganz dicke Scheibe abschneiden!

Herr Horst Meiller

10.08.2015, 14:43 Uhr

Wann protestieren die mal laut gegen das Schächten, d.h. das bei uns eigentlich verbotene Schlachten ohne Betäubung? Oder hab ich das übersehen?

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