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28.02.2016

16:21 Uhr

Unternehmer beim Papst

Pontifex prangert Profitgier an

VonRegina Krieger

Hier lernt der ehrbare Kaufmann, was er wirklich tun soll: Zum ersten Mal empfängt Papst Franziskus Unternehmer und Banker im Vatikan – und redet ihnen ins Gewissen.

Er lässt sich nicht reinreden und versucht, in allen Bereichen der Gesellschaft seine Appelle abzusetzen und den richtigen Weg zu weisen – so auch bei den Unternehmern. dpa

Papst Franziskus

Er lässt sich nicht reinreden und versucht, in allen Bereichen der Gesellschaft seine Appelle abzusetzen und den richtigen Weg zu weisen – so auch bei den Unternehmern.

Rom„Er kommt!“ Es ist kein Halten mehr in der riesengroßen, modernen Audienzhalle im Vatikan gleich links neben dem Petersdom. 7000 seriös gekleidete Unternehmer, Banker und ihre Familien springen auf wie bei einem Popkonzert und zücken die Smartphones. Papst Franziskus, von unauffälligen Bodyguards bewacht, kommt durch den Mittelgang, schüttelt auf seinem Weg zur Bühne Hände und streicht Kindern übers Haar. Dieser Papst hat ein Charisma, das sofort auf jeden wirkt, auch bei großen Massen. Gerade erst musste er einen Tag aussetzen, weil er Fieber hatte. An diesem Morgen in Rom sieht er noch etwas müde aus. Doch in dem Moment, wo er zu den Industriellen redet, ist er der energische Kirchenmann mit einer präzisen Botschaft.

Über Politik und Armut hat der Papst schon oft gesprochen, nicht so viel aber über Wirtschaft. Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit, das er im Dezember mit eröffnet hat, war der Anlass für eine außerordentliche „Privataudienz“, auch wenn das Wort „privat“ bei 7000 Menschen relativ ist. Zum ersten Mal in ihrer 106-jährigen Geschichte ist die mächtige Arbeitgeberorganisation Confindustria, der italienische Industrieverband, der dem deutschen BDI entspricht, im Vatikan.

Privataudienz der italienischen Wirtschaft

„Das Gemeinwohl sei der Kompass für wirtschaftliches Handeln, damit eine Wirtschaft von allen und für alle entsteht“, sagt der Papst in seiner kurzen, aber umso gehaltvolleren Ansprache. Die Unternehmer als Entscheidungsträger in der Wirtschaft hätten die Macht, einer negativen Entwicklung hin zu einer Wegwerfkultur entgegenzuarbeiten, um eine bessere Welt und einen neuen Humanismus der Arbeit zu schaffen: eine konkrete Alternative zum konsumistischen Modell der Profitgier.

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