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18.12.2012

15:12 Uhr

Untersuchung  beendet

Pilotenfehler ließ russischen Superjet abstürzen

Lange haben die Experten gerätselt, nun steht fest: Menschliches Versagen führte zum Absturz des Suchoi Superjet 100 während eines Demonstrationsflugs im Mai in Indonesien, auch weil der Pilot abgelenkt war.

Journalisten schauen sich in der indonesischen Hauptstadt Jakarta eine Multimedia-Präsentation an, die zeigt, warum der russische Super-Jet abstürzte. dapd

Journalisten schauen sich in der indonesischen Hauptstadt Jakarta eine Multimedia-Präsentation an, die zeigt, warum der russische Super-Jet abstürzte.

Jakarta/MoskauSieben Monate nach dem Absturz eines russischen Passagierjets mit 45 Toten in Indonesien macht der amtliche Untersuchungs-Bericht einen Pilotenfehler für das Unglück verantwortlich. Der russische Flugkapitän habe ein Warnsignal im Cockpit ignoriert, teilte die indonesische Flugsicherheitsbehörde am Dienstag mit.

Genau 38 Sekunden, bevor die Maschine vom Typ Suchoi Superjet 100 am Vulkan Salak zerschellte, ertönte demnach ein Signal, das vor einer Kollision warnte und zum Aufsteigen aufforderte. Der Pilot habe dieses Signal aber abgeschaltet, weil er es für einen Computerfehler gehalten habe, heißt es in dem indonesisch-russischen Bericht weiter.

„Das System hat korrekt funktioniert, und die Kollision hätte nach dem ersten Warnsignal verhindert werden können“, sagte Behördenchef Tatang Kurniadi. Der Pilot hatte zuvor trotz der Nähe des rund 2200 Meter hohen Vulkans von den Fluglotsen die Erlaubnis erhalten, die Flughöhe von 3000 auf 1800 Meter zu reduzieren.

Das ist der Superjet 100

Kooperation mit Boeing

Der Superjet 100 des russischen Flugzeugherstellers Suchoi war von Anfang an auch für den westlichen Markt konzipiert. Im Jahr 2001 wurde ein Kooperationsvertrag mit dem amerikanischen Flugzeugbauer Boeing geschlossen. Boeing sollte Suchoi beraten.

Erster Passagierflug 2011

2006 bestellte Aeroflot als Erstkunde 30 Maschinen. Das Projekt wurde im selben Jahr offiziell Superjet 100 getauft. Der Erstflug erfolgte im Mai 2008. 2011 führte Aeroflot den ersten Passagierflug durch.

Platz für 110 Fluggäste

Der Superjet 100 kann bis zu 110 Passagiere aufnehmen. Ein Modell für 125 Passagiere ist angedacht. Der Superjet 100 ist ein zweistrahliges Regionalverkehrsflugzeug in Tiefdecker-Ausführung. Die Maschinen sollen in Russland vor allem die noch zahlreich eingesetzten Tupolew Tu-134 und Jakowlew Jak-42 ersetzen.

Absturz und Probleme

Bei einem Demonstrationsflug stürzte 2012 ein Flugzeug ab, alle 45 Insassen starben. Im selben Jahr wurden bei Aeroflot technische Probleme am Superjet 100 bekannt. Damals konnte nur ein Viertel der Maschinen im Flugbetrieb eingesetzt werden. Grund waren laut Aeroflot fehlende Ersatzteile und die Unzuverlässigkeit einzelner Komponenten. Ein Flug sei abgebrochen worden, weil die Klappen des Bugfahrwerks sich nicht geschlossen hätten, hieß es.

Kunden aus Russland und Asien

Neben der russischen Aeroflot ist die Billigfluggesellschaft Interjet aus Mexiko der wichtigste Kunde für den Superjet 100. Für VLM Airlines aus Belgien sollen bald zwei der Mittelstreckenjets fliegen. Daneben kommen die Kunden vor allem aus Russland oder Asien. Mehr als 150 Bestellungen sollen vorliegen.

Der Tower am Flughafen von Jakarta sei für das Gebiet, in dem das Unglück geschah, nicht mit einem Sicherheitshöhen-Warnsystem ausgestattet, bemängelten die Experten. Der russische Botschafter in Indonesien wertete den Bericht als „objektiv und ausgewogen“.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

18.12.2012, 16:47 Uhr

Die beste und billigste Loesung. Schade um das arme Flugzeug, aber der Pilot hat sich wenig um sein eigenes Dasein gekuemmert ;-)

Account gelöscht!

18.12.2012, 19:14 Uhr

Schläfrige Luftkutscher??

JederHandgriffMussSitzen

18.12.2012, 19:51 Uhr

Hatte der Pilot zuvor eine Verkaufsschulung bekommen und dabei seine eigentliche Aufgabe zu kurz kommen lassen? Heisst der neue Beruf da vielleicht Online Sales Pilot? Scheint ziemlich gefährliches Pflaster zu sein, der Testpilot muss da wohl unbewusst nebenher weiterlaufen...

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