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02.06.2016

15:17 Uhr

Unwetter in Deutschland

Zahl der Toten steigt auf fünf

In Niederbayern stehen weiter ganze Ortschaften unter Wasser, die Zahl der Todesopfer erhöht sich auf fünf. Auch in anderen Bundesländern kämpfen die Menschen mit Überschwemmungen. Und schon drohen die nächsten Unwetter.

Hochwasserkatastrophe in Bayern

„Häuser wurden komplett zerstört“

Hochwasserkatastrophe in Bayern: „Häuser wurden komplett zerstört“

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Simbach/Pfarrkirchen/DüsseldorfDas Hochwasser in Niederbayern hat ein fünftes Todesopfer gefordert. In Simbach am Inn sei in einem Haus die Leiche eines Manns gefunden worden, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Niederbayern. Nähere Angaben zum Alter und zur Identität des Toten konnte der Sprecher zunächst nicht machen. Unklar war demnach zunächst auch, ob der Tote als vermisst gemeldet galt. Heftige Regenfälle haben in mehreren Bundesländern zu schweren Überschwemmungen geführt: Ganze Straßenzüge wurden zerstört, Keller und Häuser geflutet.

Allein im bayerischen Simbach lag der Sachschaden in zweistelliger Millionenhöhe, dort waren bereits vier Leichen geborgen worden. In Niederbayern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz begannen am Donnerstagmorgen erste Aufräumarbeiten. In einigen Teilen der Länder kämpften Einsatzkräfte aber weiter gegen Dammbrüche und befreiten Menschen aus vollgelaufenen Häusern.

Die Situation im Hochwassergebiet ist dabei weiter ernst. „Es ist ein Schreckensbild. Es werden noch mehrere Menschen vermisst“, sagte der Landrat des Kreises Rottal-Inn, Michael Fahmüller (CSU), am Donnerstag in Pfarrkirchen. Er appellierte an die Anwohner und ehrenamtlichen Helfer, das Gebiet derzeit nicht aufzusuchen. „Viele Straßen sind weggeschwemmt und Brücken zerstört. Das ist hochgefährlich.“

Nach stundenlangem Dauerregen hatte der Landrat Katastrophenalarm ausgelöst. Dieser werde auch noch einige Tage aufrechterhalten bleiben, betonte Fahmüller. Die überschwemmte Fläche sei doppelt so groß wie der Chiemsee. Insgesamt seien seit Mittwoch rund 2000 Hilfskräfte im Einsatz.

Krise, Katastrophe, Katastrophenalarm – wann gilt was?

Begriffserklärung

Die Begriffe Krisen und Katastrophen nach verheerenden Unwettern oder anderen Notsituationen werden in der öffentlichen Wahrnehmung oft gleichgesetzt. Eine Begriffserklärung.

Krise

Im Bevölkerungsschutz und der Katastrophenhilfe wird mit dem Begriff Krise eine Lage bezeichnet, bei der Sachschäden drohen oder bereits entstanden sind, und Hilfsorganisationen wie die Feuerwehr diese Lage nicht mehr allein bewältigen können. Eine Krisenlage kann durch Naturereignisse (Stürme, Starkniederschläge, Hochwasser, Waldbrände, Epidemien) ausgelöst werden oder zivilisatorische Ursachen haben – diese reichen von technischem Versagen oder Fahrlässigkeit bei Unfällen und Havarien bis zu Terroranschlägen.

Katastrophe

Sind Gesundheit oder Leben vieler Menschen, deren natürliche Lebensgrundlagen und bedeutende Sachwerte in ungewöhnlichem Ausmaß bedroht, sprechen die Behörden von einer Katastrophe. Für die Bewältigung dieses „Großschadensereignisses“ reichen die normalen technischen und finanziellen Mittel oder rechtlichen Befugnisse der betroffenen Gemeinden oder Kreise nicht aus. Zudem erfordert die Abwehr und Bekämpfung die einheitliche Leitung durch die zuständige (Katastrophenschutz-)Behörde.

Katastrophenalarm

Ein Katastrophenalarm (Katal) wird ausgelöst, wenn ein Notfall die besondere Koordination der Hilfskräfte verlangt beziehungsweise für dessen Bewältigung die technischen und finanziellen Mittel oder rechtlichen Befugnisse der normalerweise zuständigen Gemeinden nicht ausreichen. Die Bewältigung von Katastrophen und das Krisenmanagement liegen in Deutschland grundsätzlich in der Verantwortung der 16 Bundesländer. Der Katastrophenfall wird demzufolge entsprechend dem Katastrophenschutzgesetz des jeweiligen Landes festgestellt. Dies war auch im niederrheinischen Hamminkeln der Fall, wo ein Dammbruch am Fluss Issel befürchtet wurde.

In Bayern kündigte Finanzminister Markus Söder (CSU) Soforthilfe für die Opfer im Hochwassergebiet im Landkreis Rottal-Inn an. „Ähnlich wie beim Hochwasser 2013 werden wir 1500 Euro zur Verfügung stellen - und zwar schon ab morgen“, betonte Söder am Donnerstag nach einem Überflug des betroffenen Kreises. Die betroffenen Menschen in der Region können das Geld ab Freitag um 7:00 Uhr am Landratsamt abholen, erläuterte Landrat Fahmüller weiter.

In Simbach am Inn war das Technische Hilfswerk (THW) bis zum Morgen mit der Rettung von Menschen beschäftigt, die von den Wassermassen eingeschlossen waren. Mehrere wurden noch vermisst. Berichte, wonach eine Leiche in der Gemeinde Zeilarn geborgen worden sei, bestätigte die Polizei zunächst nicht. Mit drei Toten - alles Frauen einer Familie - und extremen Sachschäden hatte das Hochwasser die Stadt Simbach am schwersten getroffen. Ein weiteres Todesopfer gab es in Julbach.

Auch in den Marktgemeinden Tann und Triftern pumpten Einsatzkräfte des THW Häuser und Straßen leer. Der Stab an Hilfskräften wurde dazu aufgestockt. In der Stadt Griesbach war es am frühen Morgen bereits gelungen, eine Notstromversorgung einzurichten. Mehrere Schulen sollten am Donnerstag geschlossen bleiben, die Prüfungen zum Abitur wurden vielerorts ausgesetzt.

Glimpflich davongekommen ist bislang die Stadt Passau, in deren Landkreis am Vortag der Katastrophenfall ausgerufen worden war: Zwei Uferstraßen mussten gesperrt werden, der prognostizierte Pegelhöchststand wurde jedoch nicht erreicht. Am Donnerstag ging der Wasserstand bereits zurück, Behörden und Einsatzkräfte von Feuerwehr und THW blieben aber in Alarmbereitschaft: „Es herrscht größte Wachsamkeit“, erklärte ein Sprecher des Oberbürgermeisters Jürgen Dupper.

Vor allem im Westen und Norden Deutschlands erwarten die Meteorologen für Donnerstag die stärksten Niederschläge und Gewitter. Am Vormittag galten Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vor schweren Gewittern mit heftigem Starkregen und Hagel für das südliche Niedersachsen. Im Lauf des Tages sei auch in anderen Teilen Niedersachsens und in ganz Nordrhein-Westfalen mit Unwettern zu rechnen, sagte DWD-Meteorologe Simon Tripper.

Die schwer betroffene Region in Niederbayern werde am Donnerstag nicht die stärksten Regenfälle abbekommen. Aber dort wie überall in Deutschland werde es immer wieder regnen, fast überall seien auch Gewitter möglich.

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