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12.07.2011

13:30 Uhr

Urteil im Mafia-Prozess

Lebenslänglich für das „Massaker von Duisburg“

Vier Jahre nach den brutalen Mafia-Morden von Duisburg ist der Haupttäter Giovanni Strangio zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Mit ihm wurden sieben weitere Täter abgestraft.

Vor dem Duisburger Restaurant "Da Bruno" wurden am 15. August 2007 sechs Italiener erschossen. Quelle: dpa

Vor dem Duisburger Restaurant "Da Bruno" wurden am 15. August 2007 sechs Italiener erschossen.

LocriDer Drahtzieher und Schütze in dem sechsfachen Mafiamord von Duisburg hat die Höchststrafe erhalten. Ein italienisches Gericht verurteilte Giovanni Strangio knapp vier Jahre nach der Tat am Dienstag zu lebenslanger Haft. In dem ersten Prozess um die Morde folgte das Geschworenengericht im kalabrischen Locri dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die den 32-jährigen Süditaliener als Organisator des Massakers und als einen von insgesamt drei Tätern überführt sah. Strangio hatte sich immer als unschuldig bezeichnet.

Die Verteidiger des in einem römischen Gefängnis einsitzenden Strangio plädierten auf Freispruch. Ihr Mandant habe über viele Jahre hinweg normal in Deutschland gearbeitet und mit dem Verbrechen vom 15. August 2007 überhaupt nichts zu tun, so argumentierte der Staranwalt Carlo Taormina. Er sei das Opfer eines Komplotts geworden.

Die Duisburger Polizei äußerte sich zufrieden über das Urteil. Die von der Mordkommission in akribischer Kleinarbeit zusammengetragenen Beweismittel hätten wesentlich zur Überführung des Täters beigetragen, sagte Kriminaldirektor Holger Haufmann in Duisburg. Die Verurteilung Strangios sei „ein großer Erfolg der internationalen Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der italienischen organisierten Kriminalität“.

Das im April vergangenen Jahres begonnene Verfahren gegen Giovanni Strangio war eingebettet in einen Mammutprozess gegen 14 Mitglieder der kalabrischen „Ndrangheta in San Luca. Sieben von ihnen wurden am Dienstag ebenfalls zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt - für ihre Beteiligung an einer Blutfehde zwischen den 'Ndrangheta-Familienclans Pelle-Vottari und Nirta-Strangio. Der blutige Streit, der einst ausgelöst worden war durch den Mord an Maria Strangio, der Cousine des nun verurteilten Giovanni, gilt auch als Hintergrund der Duisburger Bluttat.

Mafia-Morde von Duisburg

August 2007

Bei einem Mordanschlag in der Duisburger Innenstadt werden sechs Italiener erschossen. Die 16- bis 38-jährigen Männer sitzen in zwei Autos, als die Mörder das Feuer eröffnen. Täter und Opfer kommen aus verfeindeten Familien der kalabrischen Mafia 'Ndrangheta. Die Schützen flüchten.

Dezember 2007

Die italienischen Behörden machen den Nirta-Strangio-Clan für die Morde verantwortlich. Die Polizei nimmt in Duisburg vier Verdächtige fest. Sie gelten als Komplizen der Mafia-Mörder. Der mutmaßliche Haupttäter, Giovanni Strangio, ist weiter auf der Flucht.

November 2008

Der damals 35-jährige Giuseppe Nirta wird in Amsterdam festgenommen. Er soll als Schütze an den Morden beteiligt gewesen sein.

Februar 2009

Nirta wird nach Italien ausgeliefert.

März 2009

Eine Spezialeinheit der niederländischen Polizei fasst Giovanni Strangio und seinen Schwager Francesco Romeo in Amsterdam. Romeo gilt als Komplize.

April 2009

Giovanni Strangio erklärt sich bei einer Anhörung vor Gericht in Amsterdam für unschuldig.

Februar 2010

Die italienische Polizei nimmt in Kalabrien Sebastiano Nirta fest. Er gilt als dritter Todesschütze von Duisburg. Die italienischen Behörden wollen das Mafia-Trio wegen Mordes anklagen.

April 2010

Der mutmaßliche Haupttäter, Giovanni Strangio, steht im Seebad Locri in Süditalien vor Gericht. Für Giuseppe und Sebastiano Nirta gibt es noch keinen Prozesstermin. Strangio bezeichnet sich auch vor dem italienischen Gericht als komplett unschuldig. Für die Tatnacht hat der heute 32-Jährige allerdings kein Alibi.

Juni 2011

Der öffentliche Ankläger Nicola Gratteri verlangt eine lebenslange Freiheitsstrafe für Strangio. Die Verteidiger, darunter vor allem Staranwalt Carlo Taormina, plädieren auf Freispruch.

Juli 2011

Das Geschworenengericht im kalabrischen Locri verurteilt Giovanni Strangio zu lebenslanger Haft.

Dabei waren nachts sechs Italiener vor der Pizzeria „Da Bruno“ auf offener Straße erschossen worden. Die enge Zusammenarbeit italienischer und deutscher Fahnder füllte dann nicht nur 100.000 Aktenseiten, sie führte auch zum Durchbruch: Neben Giovanni Strangio ging als mutmaßlicher zweiter Täter auch Giuseppe Nirta in seinem Unterschlupf in Amsterdam ins Netz. Der dritte Verdächtige, Sebastiano Nirta, kam ebenfalls hinter Gitter. Als erstem wurde jetzt Giovanni Strangio der Prozess gemacht.

Dieser war in dem Massenverfahren der einzige, der wegen der Tat von Duisburg angeklagt war. Im Zuge der Blutfehde von San Luca hatte es allerdings mehrere Morde gegeben. Die Staatsanwälte in Locri hatten neben der lebenslangen Strafe für Strangio noch in acht weiteren Fällen diese Höchststrafe verlangt. Darunter ist der 41-jährige Giovanni Luca Nirta, der unter anderem auch Auftraggeber der Duisburger Tat sein soll. „Zwischen den Clans hat es einen wirklichen Kriegszustand gegeben“, so die Anklagevertretung.

Das „Massaker von Duisburg“ alarmierte vor vier Jahren die deutschen Mafia-Fahnder. Zuvor hatte Deutschland eher als ein Rückzugsraum für Mafiakiller denn als Schauplatz für offene Gewalt gegolten. Während den Tätern nach der Bluttat zunächst die Flucht nach Gent in Belgien gelang, wo sie untertauchen konnten, verstärkten italienische Mafiajäger sofort die deutsche Mordkommission. Zusammen mit dem Landes- und Bundeskriminalamt suchten bis zu 90 Beamte nach Spuren. Die internationale Fahndung war dann von Erfolgen gekrönt.

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