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02.10.2014

15:24 Uhr

Urteil

Pornos von der Bundesprüfstelle

Die Bundesprüfstelle muss einem Unbekannten einen Pornofilm von 1983 zur Verfügung stellen. Eine echte Rarität und kaum aufzufinden, außer man beruft sich auf das Informationsfreiheitsgesetz.

Die Bundesprüfstelle muss eine echte Porno-Rarität rausrücken. dpa

Die Bundesprüfstelle muss eine echte Porno-Rarität rausrücken.

DüsseldorfDas Verwaltungsgericht Köln hat entschieden, dass die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien einem Unbekannten den Pornostreifen "Carl Ludwig, 2. Teil – Carl Ludwigs heiße Träume" zur Verfügung stellen muss.

25 Jahre mindestens muss ein Film ins Archiv, danach wird erneut geprüft, ob er unter Verschluss bleiben muss. Man mag sich wundern, schließlich ist die Prüfstelle doch dafür verantwortlich, solche Filme möglichst vor der Öffentlichkeit zu bewahren. Der Unbekannte aber fand einen Weg, an den Streifen zu kommen: Das Informationsfreiheitsgesetz.

Zunächst fragte er bei der Bundesprüfstelle nach einer Kopie des Films, diese lehnte jedoch ab. Mit der Begründung, dass sie ja gerade dazu verpflichtet sei, solche Informationen zu indexieren und zu archivieren, außerdem handle es sich nicht um eine behördliche Information nach dem IFG.

Damit gab sich der Unbekannte nicht zufrieden, verklagte die Behörde und bekam Recht. Die Richter vom Verwaltungsgericht Köln beriefen sich auf den Anspruch auf Zugang zu Informationen (Informationsfreiheitsgesetz). Danach kann jeder die Herausgabe von Informationen fordern, mit Ausnahme von Gerichtsakten, Geheimdienstinformationen und Geschäftsgeheimnissen.

Im aktuellen Fall greifen diese Ausnahmen aber nicht, stellten die Richter fest. Sie sehen den Film als amtliche Information, die dazu dient, die Aufgaben einer Behörde zu erfüllen. Auch das Urheberrecht sehen sie nicht verletzt, da der Unbekannte "Carl Ludwig" nur für den privaten Gebrauch nutzen will. Er erwecke nicht den Eindruck, als wolle er den Film Minderjährigen zugänglich machen, heißt es in dem Urteil, womit auch die Regelung des Jugendschutzes nicht greift.

Die Prüfstelle legte Berufung ein - es dürfte also noch etwas dauern, bis der Unbekannte die Kopie im Briefkasten hat.

Die Deutschen und der Sex

Sprechstunde in der Bravo

Seit rund 45 Jahren ist „Dr. Sommer“ eine Institution. In der Jugendzeitschrift „Bravo“ beantwortet ein Team unter dem Namen Fragen von Jugendlichen und kümmert sich um ihre Sorgen. Die erste „Sprechstunde“ gab es im Jahr 1969. Damals hatte sich eine 13-Jährige in den Busfahrer verliebt. „Was soll ich tun?“

Die Identität des Doktors

Erster „Dr. Sommer“ war der Düsseldorfer Psychotherapeut Martin Goldstein. 15 Jahre lang leitete Goldstein die Rubrik, die das Heft 1972 zweimal auf den Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften brachte. Weil die Jugendzeitschrift unter großen Auflagendruck geraten ist, wird inzwischen am „Dr. Sommer“-Team gespart. Künftig soll ein Team aus festen und freien Mitarbeitern die Fragen der Leser beantworten.

Beliebte Fragen

Eine Rangliste der häufigsten Fragen führt der Bauer Verlag zwar nicht, hier aber einige Eindrücke aus mehr als vier Jahrzehnten Aufklärung.

1969

„Mit 15 noch zu unreif?“ (1969)

1971

„Was ist Petting?“ (1971)

1988

„Wie komme ich an meinen Traumboy ran?“ (1988)

„Wegen meiner Schwitzhände habe ich Angst vor der Tanzschule“ (1988)

„Meine Mutter hat mein Sparbuch versteckt“ (1988)

2003

„Wieso ist Sex erst ab 14 erlaubt?“ (2003)

„Ist die Pille ein Lustkiller?“ (2003)

2009

„Ich will die Pille. Soll ich das der Frauenärztin gleich sagen?“ (2009)

„Ich bin immer in doofe Jungs verliebt“ (2009)

2012

„Ich hatte eine Erektion am Badesee.“ (2012)

Von

got

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