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12.03.2014

14:33 Uhr

Urteil wird für morgen erwartet

Hoeneß droht lange Haft

Haftstrafe oder Straffreiheit – das Schicksal von Uli Hoeneß wird sich voraussichtlich am Donnerstag entscheiden. Alles hängt an der Frage, inwieweit das Gericht die Selbstanzeige als lückenhaft einschätzt.

Steuersünder Uli Hoeneß muss mit einem Urteil am Donnerstag rechnen. ap

Steuersünder Uli Hoeneß muss mit einem Urteil am Donnerstag rechnen.

MünchenFür Bayern-Boss Uli Hoeneß naht die Stunde der Wahrheit. Die Frage über Haft oder Freiheit liegt in den Händen der Richter. Das Münchner Landgericht fällt mit großer Wahrscheinlichkeit doch schon an diesem Donnerstag das Urteil über den prominenten Steuersünder. Im schlimmsten Fall droht dem Bayern-Boss eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren, sofern das Gericht einen besonders schweren Fall von Steuerhinterziehung bejahen sollte.

Die Kammer geht dabei von einer Steuerschuld von 27,2 Millionen Euro aus - und nicht von den 3,5 Millionen, welche die Staatsanwaltschaft dem Präsidenten des FC Bayern in der Anklage vorgeworfen hatte. Das sagte Richter Rupert Heindl am Mittwoch.

Auch Hoeneß' Verteidigung erkennt die schwindelerregend hohe Summe widerspruchslos an. „Die Zahlen hält die Verteidigung für sachgerecht, da zweifeln wir nicht dran“, sagte Hoeneß' Anwalt Hanns W. Feigen. Davon, dass die Selbstanzeige des Bayern-Bosses gültig und damit zumindest strafmindernd ist, geht die Verteidigung dennoch aus. Die Zahlen seien keine Überraschung. „Wir sind ja nicht dämlich!“, erklärte Feigen.

Fristen und Verjährung bei Steuerhinterziehung

Steuerrecht – Verjährung nach 10 Jahren

Die maximale Verjährungsfrist von zehn Jahren gilt für die Fälle, in denen vorsätzlich Steuern hinterzogen wurden. Dazu gehören beispielsweise die klassischen Konten im Ausland.

Steuerrecht – Verjährung nach 5 Jahren

Leichtfertige Steuerhinterziehungen verjähren nach fünf Jahren. Dazu zählt etwa, wenn ein Unternehmer seine Buchführung vernachlässigt.

Steuerrecht – Verjährung nach 4 Jahren

Die Normalverjährung von vier Jahren ist in der Praxis beispielsweise dann relevant, wenn einer Person bloß versehentlich bei der Steuererklärung ein Fehler unterlaufen ist, etwa ein Zahlendreher. Hier müsste das Finanzamt den Beweis erbringen, dass dies vorsätzlich geschehen ist, wenn es die verlängerte Frist geltend machen will.

Steuerrecht – Fristbeginn

Die Frist beginnt stets zum 31. Dezember des Jahres, in dem die Steuererklärung abgegeben wurde. Wurde also eine Steuererklärung für 2003 im Jahr 2004 abgegeben, beginnt die Verjährung am 31. Dezember 2004. Bei einer Frist von zehn Jahren könnte sich ein Steuerhinterzieher also erst nach dem 31. Dezember 2014 in Sicherheit wiegen.

Steuerrecht – Praxis

Bei einer vorsätzlichen Steuerhinterziehung kann das Finanzamt verlangen, dass die Steuererklärungen für die letzten zehn Jahre nachgearbeitet werden. Bei einer leichtfertigen Steuerhinterziehung könnten die Steuererklärungen für die vergangenen fünf Jahre verlangt werden.

Strafrecht – Verjährung nach 5 Jahren

Im Strafrecht beträgt die normale Verjährungsfrist fünf Jahre. Für die besonders schweren Fälle kann eine verlängerte Frist von zehn Jahren greifen.

Strafrecht – Fristbeginn

Die Verjährungsfrist beginnt im Strafrecht taggenau. Das heißt: Wird der Steuerbescheid am 10. März 2009 bekannt gegeben, endet die Verjährung am 10. März 2014.

Strafrecht – Schwere Fälle

Ende 2008 wurde die geltende Regelung für die sogenannten „besonders schweren Fälle“ modifiziert. Seither gilt: Wurden Einnahmen verschwiegen, die zu einer Nachzahlung von 100.000 Euro pro Jahr führen oder wurde eine ungerechtfertigte Steuervergütung von mindestens 50.000 Euro erschlichen, so soll keine Geldstrafe mehr möglich sein. Die Verjährung in diesen Fällen beträgt strafrechtlich dann 10 Jahre.

„In der Selbstanzeige, die Herr Hoeneß am 17. Januar 2013 eingereicht hat, sind sämtliche Zahlen bereits enthalten“, betonte der prominente Anwalt aus Frankfurt. Noch zum Prozessauftakt am Montag hatte die Verteidigung von 18,5 Millionen gesprochen. Die 27,2 Millionen wurden erst nach der Aussage einer Rosenheimer Steuerfahnderin öffentlich. Die Differenz von knapp neun Millionen Euro erklärte Feigen damit, dass die 18,5 Millionen Euro Schätzungen gewesen seien.

Die Staatsanwaltschaft sieht das völlig anders. Sie fühlt sich nach den spektakulären Summen, die im Prozess auf den Tisch gekommen sind, in ihrer Annahme bestätigt, dass Hoeneß' Selbstanzeige vom 17. Januar 2013 überaus fehlerhaft ist. Wenn die Kammer nach den für Donnerstagmorgen geplanten Plädoyers dieser Ansicht zustimmt, kommt Hoeneß nach Ansicht vieler Experten um eine Gefängnisstrafe wohl nicht mehr herum. Für den Fußball-Funktionär wird es eng.

„Wenn es zu einer Verurteilung kommt, dann wird auch die Summe der hinterzogenen Steuern eine Rolle spielen“, verdeutlichte Gerichtssprecherin Andrea Titz. Hoeneß kann nach dem ungünstigen Verlauf des Prozesses wohl nur noch auf Richter Heindl und ein mildes Urteil hoffen.

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Kommentare (20)

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12.03.2014, 14:58 Uhr

Ja sicher, Hoeneß hätte eine Haftstrafe (von ca. 3 Jahren) verdient. So viel Inkompetenz, Ahnungslosigkeit, Chuzpe und Frechheit gehören ordentlich bestraft. Wobei noch immer nicht deutlich geworden ist, woher diese Unsummen zum Zocken eigentlich herkommen. Bei den heutigen Wurstpreisen kann ich mir nicht vorstellen, dass er diese Summen aus seinem Geschäft zum Zocken abzweigen konnte (dort wäre es ohnehin jedem Finanzamtslehrling aufgefallen). Wie auch immer, eines hat der gute Hoeneß jedoch nicht verdient: diesen Rüpel von Rechtsanwalt hätte ich schon bei seinem ersten Ausraster aus dem Saal gejagd!

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12.03.2014, 15:26 Uhr

Also wie eine Selbstanzeige als vollständig verargumentiert werden kann, wenn sich innerhalb von 2 Prozesstagen die Steuerschuld von 3,5 auf 27 Mio. EUR erhöht hat, darauf bin ich wirklich gespannt.
Wird das anerkannt, kommt der Typ frei, dann freu' ich mich schon auf den Tsunami in der Medienlandschaft. Wird die Selbstanzeige nicht anerkannt, dann wird er glaub' ich aber richtig verknackt (Mein Tip: zwischen 3 und 5 Jahre)

Account gelöscht!

12.03.2014, 15:40 Uhr

Es ist schon ungewöhnlich, wie ein derart spektakuläres Verfahren in nur vier Tagen durchgepeitscht wird. Noch
erstaunlicher ist allerdings die m.E. zentrale Frage, woher der dreistellige Millionen-Betrag als "Basis-Spielgeld" stammt. Hoeness selbst kann solche Summen nicht verdient haben. Angeblich hat ihm ja Ex-Adidas-Chef Dreyfuss 20 Mio. als "Darlehen" gewährt.
Welche Gegenleistungen waren dafür möglicherweise zulasten des FC Bayern zu erbringen? Welche anderen "Sponsoren" haben aus welchen Motiven weitere Millionensummen auf die Konten von Hoeness in der Schweiz überwiesen ?
Das Münchner Gericht hat noch nicht einmal versucht, Licht in dieses möglicherweise höchst mafiöse Dunkel zu bringen.

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