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12.02.2018

03:09 Uhr

US-Bundesstaat

New York verklagt Weinstein und dessen Ex-Firma

Zig Frauen werfen dem Filmmogul sexuelle Belästigung vor. Der Staat New York macht ernst und verklagt Weinstein und dessen Ex-Unternehmen.

Ermittlungen laufen in mehreren Städten gegen den US-Produzenten. AFP

Harvey Weinstein

Ermittlungen laufen in mehreren Städten gegen den US-Produzenten.

New YorkNach einer Reihe von Vorwürfen wegen sexuellen Fehlverhaltens hat die Staatsanwaltschaft im US-Staat New York Hollywood-Produzent Harvey Weinstein und sein früheres Unternehmen verklagt. Die Weinstein Company habe mehrfach das Recht in New York gebrochen, indem sie ihre Mitarbeiter nicht vor weit verbreiteter sexueller Belästigung, Einschüchterung und Diskriminierung schützte, hieß es am Sonntag in einer in Manhattan eingereichten Klage.

New Yorks Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman sagte, jeder mögliche Verkauf der Firma müsse sicherstellen, „dass die Opfer entschädigt“ und Mitarbeiter geschützt werden. In der Anklage hieß es, bei der Arbeit für Weinstein seien Mitarbeiter ständig Obszönitäten, vulgären Beschimpfungen, sexualisierten Handlungen, Gewaltandrohungen und einer allgemeinen Feindseligkeit gegenüber Frauen ausgesetzt gewesen.

Die Klage sei Ergebnis von vier Monate andauernden Ermittlungen, in denen „neues und ungeheuerliches“ sexuelles Fehlverhalten enthüllt worden sei, hieß es weiter. Schneiderman hatte im Oktober eine juristische Untersuchung gegen das New Yorker Unternehmen eingeleitet, nachdem die „New York Times“ und der „New Yorker“ Anschuldigungen der sexuellen Übergriffe und Belästigung gegen den Filmmogul veröffentlicht hatten.

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Den Untersuchungsergebnissen zufolge soll Weinstein Mitarbeiter mit Aussagen wie „Ich werde dich umbringen, ich werde deine Familie umbringen“ und „Du weißt nicht, was ich tun kann“ bedroht haben. Eine Mitarbeiterin soll er angeschrien haben, sie solle die Firma verlassen und Babys machen, weil sie nur dafür zu gebrauchen sei. Die Weinstein Company und der Bruder des Filmmoguls seien für die Vergehen am Arbeitsplatz haftbar, hieß es, weil sie davon gewusst und diese nicht gestoppt hätten.

Ein Anwalt Weinsteins teilte mit, eine „faire Untersuchung“ des Generalstaatsanwalts werde zeigen, dass die Anschuldigungen gegen den Filmproduzenten „der Grundlage entbehren“. Ben Brafman sagte, Weinstein habe zwar Fehler gemacht, es handele sich aber sicherlich nicht um Kriminalität. In der Vergangenheit hatten Weinsteins Vertreter alle Vorwürfe des nicht-einvernehmlichen Geschlechtsverkehrs zurückgewiesen.

Zahlreiche Frauen, darunter Schauspielerinnen wie Salma Hayek, Ashley Judd, Gwyneth Paltrow, Angelina Jolie, Rose McGowan und Mira Sorvino haben Weinstein öffentlich sexuelle Übergriffe, Einschüchterungen und sogar Vergewaltigung vorgeworfen. Die Weinstein Company, dessen Gründer er gemeinsam mit seinem Bruder ist, feuerte ihn später. Die Filmakademie in Hollywood schloss ihn aus.

Weinstein war zunächst für keine Stellungnahme zu erreichen. Er soll sich momentan in Therapie befinden.

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