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07.06.2016

14:57 Uhr

US-Süßwarenhersteller

Wer gern nascht, wiegt im Schnitt weniger

Kleine Leckermäuler wiegen weniger als andere Kinder. Dieses Ergebnis einer Studie spielt der Süßwarenindustrie in die Hände. Dass es nur begrenzte Aussagekraft hat, steht aber nicht in der Pressemitteilung.

Bei der Studie über die schlankeren Naschkatzen hatten die Sponsoren – ein Süßwarenverband – den Informationen zufolge keinen Einfluss. dpa

Naschen für die schlanke Linie

Bei der Studie über die schlankeren Naschkatzen hatten die Sponsoren – ein Süßwarenverband – den Informationen zufolge keinen Einfluss.

WashingtonDas Ergebnis der Studie klang überraschend: Kinder, die naschen, wiegen unterm Strich weniger als andere. Weniger überraschend war hingegen der Absender der Veröffentlichung. Sie war finanziert von einem US-Industriebündnis, in dem sich die Hersteller von Schokoriegeln, Zuckerdragees und anderen Naschereien zusammengeschlossen haben. Die Süßwarenvereinigung verbreitete die Studie ganz in ihrem Sinne. Sie wies aber nach Recherchen der Nachrichtenagentur AP nicht auf die nur begrenzte Aussagekraft hin.

Die Erhebung basierte auf Daten der Behörden aus Umfragen, in denen die Befragten berichten, was sie in den vergangenen 24 Stunden zu sich genommen hatten. Diese Daten „geben möglicherweise nicht übliche Essgewohnheiten wieder“, gaben die Autoren der Studie zu bedenken. In Mails, die der AP vorliegen, erklärten sie außerdem, dass kein Zusammenhang von Ursache und Wirkung hergestellt werden könne.

Der Süßwarenverband NCA gab diese Bedenken in seiner Pressemitteilung nicht weiter. Vielmehr betonte er, die neue Studie zeige, „dass Kinder und Jugendliche, die Süßigkeiten essen, weniger übergewichtig oder fettleibig sind“.

Auch dass eine der Autorinnen der Untersuchung offenbar nicht so recht überzeugt war, drückte den Wert der Ergebnisse nicht. „Wir hoffen, sie können etwas damit anfangen“, schrieb die Wissenschaftlerin 2011 in einer Mail mit dem Entwurf ihres Beitrags an ihre Kollegen. „Es ist dünn und eindeutig aufgeblasen.“

Zugang zu den Mails erhielt die AP über eine Anfrage bei staatlichen Universitäten. Ziel der Recherche: Herauszufinden, wie die Nahrungsmittelindustrie die Einstellung zu gesundem Essen beeinflusst. Als wesentlicher Aspekt gilt dabei die Finanzierung von Forschung: Die Ergebnisse haben Autorität, ziehen in die Fachliteratur ein – und sorgen für Schlagzeilen.

Die beliebtesten Schokolademarken Deutschlands

Platz 10

Sarotti

Die Schokomarke mit dem Mohr hat ihre Wurzeln in Berlin, doch kommt heute aus dem Hause Stollwerck und wird in Köln produziert.

Umfrage: Ifak Institut, Ipsos, GfK Media and Communication Research.

Platz 9

Toblerone

Die dreieckige Schokolade aus der Schweiz ist auch hierzulande ein Verkaufshit. Die Schokomarke gehört dem Lebensmittelmulti Mondelēz, der auch Milka produziert.

Platz 8

Trumpf/Schogetten

In Aachen begann die Erfolgsgeschichte der vorportionierten Tafeln. Mittlerweile gehört die Schokoladenmarke zur Krüger-Gruppe und wird auch in den großen Discountern vertrieben.

Platz 7

Kinderschokolade

„Mit der Extra-Portion Milch“ wirbt der Hersteller Ferrero für seine süßen Tafeln. Dabei bleibt die Hauptzutat natürlich Zucker.

Platz 6

Alpia

Auch die rosa Schokomarke kommt aus dem Hause Stollwerck und soll vor allem preisbewusste Kunden ansprechen.

Platz 5

Merci

Das schokoladige Dankeschön in Form kleiner Schokoriegel aus dem Hause Storck ist in Deutschland weiterhin gefragt. Inzwischen wird es in 70 Ländern weltweit vertrieben.

Platz 4

Yogurette

„Jung, Schwung, Stimmung“. Die Schokoriegel mit Erdbeer-Joghurt-Geschmack haben mittlerweile viele saisonabhängige Ableger.

Platz 3

Lindt

Der internationale Schokokonzern aus der Schweiz genießt auch in Deutschland einen guten Ruf - von Schokohasen bis Pralines.

Platz 2

Ritter Sport

Zuletzt machte der Mittelständler aus Waldenbuch durch einen Streit mit der Stiftung Warentest von sich reden. Der Beliebtheit tut das keinen Abbruch.

Platz 1

Milka

Der lila Riese dominiert die deutsche Schokobranche. Mittlerweile wird die Marke auch auf etlichen anderen Produkten vermarktet.

Die Industrie betont, dass sie sich an alle Regeln halte, um die wissenschaftliche Unabhängigkeit zu wahren. Viele Forscher verweisen zudem auf die Bedeutung der Kooperation mit Unternehmen, um die Wissenschaft voranzubringen. Kritiker hingegen fürchten Verzerrungen und die Ausbeutung der Wissenschaft fürs Marketing – ein Aufblasen der Ergebnisse.

Auf ihre „dünn und aufgeblasen“-Bemerkung angesprochen, erklärte Autorin Carol O'Neil, dass sich das auf ihren eigenen Beitrag bezogen habe. Dazu habe sie eine Rückmeldung gewollt, sagte die Professorin der Louisiana State University am Telefon. Sie könne sich ohnehin nicht erinnern, warum sie die Anmerkung hinzugefügt habe. Das Gesamtpapier habe sie als „robust“ eingeschätzt.

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