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24.09.2015

04:22 Uhr

USA-Besuch

Papst spricht umstrittenen Missionar Serra heilig

Während Papst Franziskus in den USA umjubelt wird, ist seine Heiligsprechung von Junípero Serra umstritten. Einige feiern den Pater als großen Katholiken - andere sehen in ihm einen Unglücksbringer.

Umstrittene Heiligsprechung

Ur-Einwohner werfen heilig-gesprochenen Missionar Versklavung vor

Umstrittene Heiligsprechung: Ur-Einwohner werfen heilig-gesprochenen Missionar Versklavung vor

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WashingtonPapst Franziskus hat den Franziskanerpater Junípero Serra zum Heiligen erhoben. Die Heiligsprechung des Paters am Mittwoch während einer Messe vor der Basilika der Unbefleckten Empfängnis - der größten katholischen Kirche in Nordamerika - in Washington war die erste ihrer Art auf US-Boden überhaupt. Serra brachte den Katholizismus an die amerikanische Westküste und gilt als Gründer von San Francisco, ist jedoch nicht unumstritten.

Der Franziskanerpater war im 18. Jahrhundert von der Halbinsel Baja California gemeinsam mit Eroberern aus seinem Heimatland Spanien Richtung Norden marschiert. Im Anschluss errichtete er neun der 21 Missionen im heutigen Kalifornien, darunter Los Angeles, San Francisco und San Diego. Er lebte von 1713 bis 1788.

Ureinwohner, besonders in Kalifornien, werfen Serra vor, Indianer ausgerottet, Konvertiten versklavt und zur Ausbreitung von Krankheiten beigetragen zu haben. Viele US-Bürger, deren Familien aus Lateinamerika stammen, sind dagegen froh, dass Franziskus mit der Heiligsprechung Serras die Bedeutung der Latinos für die Vereinigten Staaten unterstreicht.

In seiner Homilie am Mittwoch vor gut 25 000 Menschen verteidigte Franziskus den Heiliggesprochenen. Dieser seit ein gütiger und offenherziger Mann gewesen, der die amerikanischen Ureinwohner vor den Besiedlern geschützt habe. „Er war begeistert davon, Wege zu bahnen, vorauszugehen, um viele Menschen zu treffen, zu lernen und ihre besonderen Bräuche und Lebensweisen zu schätzen“, sagte der Papst. „Junípero versuchte, die Würde der einheimischen Gemeinschaft zu verteidigen, sie vor denjenigen zu schützen, die sie misshandelt und beschimpft hatten“, fügte Franziskus hinzu.

Klartext – deutliche Worte von Papst Franziskus

Aufsehen mit ungewöhnlichen Äußerungen

Papst Franziskus hat mehrfach mit für den Vatikan ungewöhnlichen Äußerungen Aufsehen erregt. Einige Beispiele:

Familienplanung

„Manche Menschen glauben - entschuldigen Sie den Ausdruck -, dass sich gute Katholiken wie Karnickel vermehren müssen.“

Familienehre

„Wenn Dr. Gasbarri (der Reiseorganisator des Papstes), mein lieber Freund, meine Mama beleidigt, erwartet ihn ein Faustschlag.“

Flüchtlinge

„Wir sind eine Gesellschaft, die vergessen hat, wie man weint. Wir haben uns an die Leiden anderer gewöhnt. Es betrifft uns nicht, es interessiert uns nicht, es geht uns nichts an. (...) Die Wohlstandskultur macht uns unempfindlich für die Schreie der anderen und führt zur Globalisierung der Gleichgültigkeit.“

Oberflächlichkeit

„Und so vergeuden wir unsere gottgegebenen Geschenke, indem wir uns mit Schnickschnack beschäftigen; wir verschwenden unser Geld für Spiel und Getränke und drehen uns um uns selbst.“

Kurie

„Eine Kurie, die sich nicht selbst kritisiert, die sich nicht weiterentwickelt, die nicht versucht, sich zu verbessern, ist ein kranker Körper.“

Eitelkeit von Kardinälen

„Die Krankheit der Rivalität und der Eitelkeit. Wenn das Auftreten, die Farbe der Kleidung und die Insignien der Orden das erste Ziel im Leben werden.“

Tratsch

„Es ist die Krankheit der feigen Menschen, die nicht den Mut haben, direkt mit jemandem zu sprechen und hinter dem Rücken reden. (...) Brüder, schauen wir auf den Terrorismus des Geschwätzes!“

Während seiner Südamerikareise im Juli hatte der Papst für die Sünden und Verbrechen der Kirche gegen indigene Völker um Entschuldigung gebeten. Serra, dessen Heiligsprechung er im Januar verfügte, erwähnte er dabei nicht ausdrücklich.

Der Anteil der spanisch sprechenden Latinos an der US-Bevölkerung nimmt stetig zu. Schon bald dürfte bei der politischen Willensbildung in den USA an ihnen kein Weg mehr vorbeiführen. Noch wichtiger sind sie für die katholische Kirche. Schon heute stellen sie 38 Prozent der Katholiken in den USA, in manchen Diözesen längst die Mehrheit. Im Erzbistum Los Angeles etwa sind 70 Prozent der Katholiken Latinos.

Von

ap

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