Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.08.2012

13:40 Uhr

USA

Kinderarzt soll Stieftochter mit Waterboarding gequält haben

Einem US-Kinderarzt wird vorgeworfen, seine elfjährige Stieftochter mit Waterboarding gequält zu haben. Bei dieser Foltermethode wird Ertrinken simuliert. Der Arzt hat wissenschaftlich über Nahtod-Erlebnisse geforscht.

Dr. Melvin Morse, 58, und seine Ehefrau Pauline, 40. Reuters

Dr. Melvin Morse, 58, und seine Ehefrau Pauline, 40.

Dover, USAEin für Nahtod-Studien bekannter Kinderarzt hat nach Einschätzung der US-Polizei seine elfjährige Stieftochter mehrfach dem sogenannten Waterboarding ausgesetzt. Wie aus einem Dokument der Ermittler im Staat Delaware hervorgeht, könnte der brutale Einsatz der von Menschenrechtlern als Folter eingestuften Methode sogar mit der wissenschaftlichen Arbeit des Mediziners in Zusammenhang stehen. Ein Anwalt des 58-jährigen Melvin M. wies die Anschuldigungen als „reinste Spekulation“ zurück.

Bei der umstrittenen Methode des Waterboarding wird Ertrinken simuliert und damit ein Gefühl von Todesgefahr ausgelöst. Die Sicherheitsbehörden der USA haben sie etwa bei Terrorverdächtigen angewandt. Der Kinderarzt aus der Kleinstadt Dover soll sie seit 2009 mindestens vier Mal zur Züchtigung eingesetzt haben. Der Vater habe selbst von Waterboarding gesprochen als er ihr Gesicht unter einen laufenden Wasserhahn gehalten habe, sagte das elfjährige Mädchen Gerichtsunterlagen zufolge in einer Befragung in der vergangenen Woche.

Die mutmaßlichen Grausamkeiten des Kinderarztes kamen infolge eines anderen Vorfalls im Juli ans Licht: Vorwürfen zufolge soll er die Stieftochter - im Beisein der sechsjährigen Schwester - am Knöchel gepackt und über einen Kiesweg gezerrt haben. Am 13. Juli wurde er deswegen festgenommen, auf Kaution aber wieder freigelassen. Zum Waterboarding erklärte die Elfjährige nach Polizeiangaben später, ihre Mutter habe in einigen Fällen zugesehen, ohne einzugreifen.

Der Arzt und die Frau müssen sich nun wegen der ernsthaften Gefährdung eines Kindes verantworten. Für den (morgigen) Donnerstag ist eine vorläufige Anhörung angesetzt. In einem telefonischen Interview der Nachrichtenagentur AP sagte Melvin M. am Montag, es handle sich bei den Vorwürfen um eine Überreaktion der Behörden nach dem Skandal um einen anderen Kinderarzt, der sich in Delaware über viele Jahre sexuell an Patienten vergangen haben soll.

Der Zusammenhang zwischen Vorwurf und beruflicher Tätigkeit erscheint auch im Fall des Melvin M. bemerkenswert. Der Arzt erlangte mit seiner Forschung über Nahtod-Erlebnisse von Kindern in den USA landesweite Berühmtheit. Er präsentierte seine wissenschaftlichen Ergebnisse in populären Fernsehshows wie Larry King Live und der Oprah Winfrey Show.

In einer eidesstattlichen Erklärung, die der AP vorliegt, schreiben die Ermittler: „Das Waterboarding, das er machte, würde in sein Studiengebiet fallen. Es ist logisch, dass er daher über das Thema Waterboarding geschrieben und geforscht hat.“

Der Anwalt des Kinderarztes zog die Aussagen der Stieftochter gegenüber der AP in Zweifel. Mit der Beschreibung des Waterboardings wollten die Behörden nur Aufmerksamkeit erregen, sagte er. Die Elfjährige habe außerdem bereits in der Vergangenheit falsche Anschuldigungen gegen ein Familienmitglied erhoben.

Von

dapd

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×