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28.05.2012

18:20 Uhr

Vatikan

Enthüllungsskandal könnte sich ausweiten

Der Krimi um die geheime Enthüllung brisanter Dokumente aus dem Vatikan zieht weitere Kreise. Medienberichten zufolge muss der Kammerdiener des Papstes als Sündenbock herhalten - um ranghöhere Vertreter zu schützen.

Der Diener des Papstes Paolo Gabriele (links vorne) steht unter Verdacht. dpa

Der Diener des Papstes Paolo Gabriele (links vorne) steht unter Verdacht.

VatikanstadtEin Sprecher von Papst Benedikt XVI. dementierte allerdings, dass wegen unerlaubten Besitzes geheimer Vatikan-Dokumente auch gegen einen Kardinal ermittelt werde. Gegen den Kammerdiener Paolo Gabriele wurde unterdessen Anklage erhoben. Der 46-Jährige wird beschuldigt, seit Jahresbeginn brisante Dokumente, in denen es unter anderem um Vorwürfe der Korruption und des Missmanagements ging, an Medien weitergegeben zu haben. In Anlehnung an das Enthüllungsportal Wikileaks ist von „Vatileaks“ die Rede.

Vatikansprecher Federico Lombardi räumte ein, die Affäre habe das Ansehen des Vatikans beschädigt und auch das Vertrauen der Katholiken in ihre Kirche auf die Probe gestellt. „Ich weise aber kategorisch zurück, dass ein Kardinal Verdächtiger ist.“ Der Papst werde über alle Details der Affäre informiert und sei sich der Brisanz bewusst.

Lombardi spielte das Ausmaß der Affäre herunter, die italienische Medien über einen Machtkampf im Vatikan hatten spekulieren lassen. Journalisten waren in den vergangenen Monaten Dokumente zugeleitet worden, in denen Vatikan-Vertretern Korruption und Vetternwirtschaft in Verträgen mit italienischen Unternehmen vorgeworfen wurde. Teilweise handelte es sich um persönliche Briefe an den Papst. In einigen Unterlagen ging es auch um Kritik an der Führung der Vatikan-Bank. Deren Präsident Ettore Gotti Tedeschi war am Donnerstag entlassen worden. Benedikt hatte mehrere Ermittlungsverfahren angeordnet, die unter anderem von der vatikanischen Polizei und von einer Kardinalskommission geleitet wurden.

Papst Benedikt XVI dapd

Papst Benedikt XVI

Die Ermittler weiteten ihre Untersuchungen aus und gingen der Frage nach, ob Gabriele Komplizen hatte. Wie der Vatikan mitteilte, ist Gabriele mit Erhebung der Anklage nun formell Beschuldigter in einem Ermittlungsverfahren. Gabriele, der sich zwei Anwälte genommen habe, erwarte ein faires Verfahren gemäß dem Strafrecht des Kirchenstaates. Weil der Vatikan kein eigenes Gefängnis betreibt, wird der Butler des Papstes in einer von drei Arrestzellen des päpstlichen Polizeiwache festgehalten. Im Fall einer Verurteilung drohen ihm bis zu 30 Jahre Haft, die er gemäß einer Vereinbarung zwischen Italien und dem Vatikan in einem italienischen Gefängnis verbüßen müsste.

Der Papst soll entsetzt auf die Nachricht reagiert haben, dass ein Mitarbeiter aus seiner engsten Umgebung verhaftet wurde. Der Kammerdiener arbeitete in Benedikts Wohnung im Apostolischen Palast. In dieser Vertrauensstellung hatte er Zugang zu den streng abgeriegelten Privaträumen des Kirchenoberhauptes und kannte die Vorgänge dort bestens. Er bediente den Papst bei Tisch, begleitete ihn im Papamobil und überreichte Würdenträgern, die das Kirchenoberhaupt aufsuchen, den Rosenkranz.

Von

rtr

Kommentare (7)

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redfox

28.05.2012, 19:19 Uhr

nun kommt das grosse Amen!

Baluba

28.05.2012, 19:44 Uhr

Der Vatikan eine jahrhundertealte, kriminelle Mafiavereinigung mit scheinsozialem Hintergrund ist.

WelleTeilenKleinsteZeiteinheit

28.05.2012, 22:11 Uhr

... so wie eine Versicherung mit Strukturvertrieb?

"DIGITALE SCHUTZGELDERPRESSUNG!

Vorhin hübsche Debatte wie werden aus 30, 40 Mio 1,zwo Mrd? Ganz einfach: 5 Euro für unnötige Virenscanner Abos x 12 Monate sind 60 Euro je Pc und das macht bei bei 10 Mio privat genutzten PCs 600 Mio Euro im Jahr *1,95 ... -& ca. 1,2 Mrd gute alte D-Mark.

Und niemand benötigt einen Virenscanner wenn es keine Bedrohung durch Viren gibt. Die kommt ja nur zustande wenn diese jemand "in the wild" "ausgesetzt" hat.

Der Fehler ist Microsfts aber auch bei anderen damsls das falsche Geschäftsmodell gewesen - zumindest wenn man ein WAN wie das Internet nutzen kann - mit einmaligem Verkauf statt monatlichen Service-Fees bei denen Updates / Patches inbegriffen sind!

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