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03.02.2015

13:24 Uhr

Vatikan und Frauen

Schönheits-OP ist wie „Burka aus Fleisch“

Frauen in der Kirche: Das war für den Vatikan schon immer ein schwieriges Thema. Unter Papst Franziskus soll Bewegung in das Verhältnis kommen. Der erste Annäherungsversuch endet im Fettnäpfchen. Ein Shitstorm zieht auf.

Die italienische Schauspielerin Nancy Brilli in einem Werbevideo des Vatikan: Das Filmchen sorgte für einen Shitstorm. ap

Nancy Brilli

Die italienische Schauspielerin Nancy Brilli in einem Werbevideo des Vatikan: Das Filmchen sorgte für einen Shitstorm.

Vatikan-StadtBei seinem Besuch auf den Philippinen ließ Papst Franziskus es schon anklingen. „Wir sind oft zu Macho und lassen Frauen keinen Raum“, sagte der Pontifex dort. Dass sich der Vatikan nun mehr um die Frau kümmern will, zeigt auch ein gerade veröffentlichtes Arbeitspapier zur Plenarsitzung des Päpstlichen Kulturrates, die diese Woche startet. Aus Sicht von Beobachtern schlägt es einen vollkommen neuen Ton beim Thema Frauen in der Kirche an - auch wenn die Bemühungen eher nach hinten losgehen. Im Strategiepapier zur „Kultur der Frau“ verurteilte der Vatikan Schönheits-Operationen: Sie „amputierten“ die Gesichter der Frauen.

Schönheitschirurgie sei wie eine „Burka aus Fleisch“, heißt es in dem Dokument. Doch damit nicht genug: Nun sorgt eine Art vatikanischer Werbefilm im Vorfeld der Plenarsitzung für Aufregung. In dem Werbefilm tritt eine attraktive Blondine – die italienische Schauspielern Nancy Brilli – im knappen Oberteil auf, wendet sich an die Zuschauerinnen und fragt: „Wer bist du? Was tust du? Was denkst du über dich als Frau?“

Frauen werden in dem Filmchen aufgerufen, ein Video mit maximal 60 Sekunden Länge über ihr Leben zu produzieren und einzuschicken. Aus den eingesendeten Videos sollte ein Film für das Treffen kommende Woche zusammengeschnitten werden. Nach heftiger Kritik wurde zumindest die englischsprachige Version zurückgezogen.

Die jüngste Initiative zog viel Kritik auf sich: „Was denken sie eigentlich im Vatikan?“, empört sich Phyllis Zagano von der Hofstra-Universität in der US-Wochenzeitschrift „National Catholic Reporter“. Gezeigt werde ein Frauenstereotyp, der in vielen westlichen Ländern völlig überholt sei und für islamische Staaten nicht akzeptabel sei.

Andere kritisierten, dass Frauen, deren Ansicht für den Vatikan von besonderer Bedeutung sei – Frauen, die von Armut, Gewalt oder Krieg betroffen seien –, vermutlich kein Smartphone besäßen und kein Eigenvideo produzieren könnten. Bemängelt wurde auch, dass der Werbefilm erst kurz vor Weihnachten geschaltet worden sei.

Papst Franziskus ist an der Kritik nicht ganz unschuldig: Er hatte Theologinnen erst als „Erdbeeren auf dem Kuchen“ bezeichnet. Später antwortete er auf die Frage, ob eine Frau eines Tages ein Vatikan-Büro leiten könne, ironisch: Viele Priester stünden bereits unter der Fuchtel ihrer Hausdame. Zwar zweifelt niemand daran, dass der Papst das Thema Frauen ernst nimmt und dass er es wirklich so meint, wenn er sagt: „Frauen können Fragen stellen, auf die wir Männer nicht kommen.“

Aber, wie der Vatikan-Kommentator David Gibson sagt, klingt auch immer wieder durch, was Franziskus nun einmal ist - ein 78 Jahre alter Geistlicher aus Argentinien. Er verwende manchmal Analogien, die entweder herablassend klängen oder undiplomatisch seien, selbst wenn er es gut meine, erklärt Gibson.

Etwa 250 Videos wurden trotzdem eingereicht, ein Großteil kam von Aktivisten, die sich dafür einsetzen, dass Frauen zu Priestern geweiht werden können. Die Soziologin Consuela Corradi von der Lumsa-Universität in Rom, die neben 15 anderen Frauen Kardinal Ravasi als Beraterin zur Seite stand, verteidigt die Werbefilm-Aktion und bezeichnet die Kritik als unfair: „Wenn wir eine hässliche Frau genommen hätten, hätte das etwas an der Botschaft geändert? Ich denke, nein.“

Corradi ist auch Mitverfasserin des Arbeitspapiers für die bevorstehende Plenarsitzung. Ausschließlich Frauen hätten das Dokument verfasst, betont sie. Seitens des Vatikans sei, von der Länge des Papiers abgesehen, kein Einfluss genommen worden. Um die Priesterweihe geht es darin nicht. Dennoch wolle sich die Kirche für Frauen öffnen, so dass sie ihre Fähigkeiten „in vollständiger Zusammenarbeit und Integration“ mit Männern einbringen könnten.

Papst-Liste: „Die 15 Krankheiten der Kurie“

Sich unsterblich, immun oder unersetzbar zu fühlen.

„Eine Kurie, die sich nicht selbst kritisiert, die sich nicht selbst erneuert, die nicht versucht, sich selbst zu verbessern, ist ein kranker Körper.“

Zu hart arbeiten.

„Eine Rast ist für diejenigen, die ihre Arbeit getan haben, notwendig, gut und sollte ernst genommen werden.“

Spirituell und geistig abzustumpfen.

„Es ist gefährlich, diese menschliche Empfindsamkeit zu verlieren, die einen mit denen weinen lässt, die weinen, und mit denen feiern lässt, die fröhlich sind.“

Zu viel planen.

„Es ist nötig, gute Pläne zu machen. Aber verfallt nicht der Versuchung, die Freiheit des Heiligen Geistes einzuschließen oder zu dirigieren, denn er ist größer und großzügiger als jeder menschliche Plan.“

Ohne Koordination zu arbeiten, wie ein lärmendes Orchester.

„Wenn der Fuß der Hand sagt: ,Ich brauche dich nicht' oder die Hand dem Kopf sagt: ,Ich habe das Sagen'.“

„Spirituelles Alzheimer“.

„Wir sehen es in den Leuten, die ihr Zusammentreffen mit dem Herrn vergessen haben ... in jenen, die völlig auf ihr Hier und Jetzt, ihre Leidenschaften, Launen und Manien angewiesen sind; in jenen, die Mauern um sich bauen und sich von Götzen versklaven lassen, die sie mit ihren eigenen Händen erschaffen haben.“

Sich in Rivalitäten zu verlieren und zu prahlen.

„Wenn das eigene Aussehen, die Farbe der Gewänder oder Ehrentitel zu den wichtigsten Zielen im Leben werden.“

Das Leiden an „existenzieller Schizophrenie“.

„Es ist die Krankheit jener, die ein Doppelleben führen. Ein Resultat der Scheinheiligkeit, die typisch ist für mittelmäßige und fortgeschrittene spirituelle Leere, die auch akademische Titel nicht füllen können. Es ist eine Krankheit, an der oft die leiden, die den Priesterdienst aufgegeben haben und sich auf bürokratische Aufgaben beschränken und dadurch den Kontakt mit der Realität und echten Menschen verlieren.“

„Terror des Geschwätzes“.

„Das ist die Krankheit von Feiglingen, die nicht den Mut haben, direkt zu sprechen, sondern nur hinter dem Rücken von Leuten.“

Verehrung der Vorgesetzten.

„Das ist die Krankheit jener, die ihre Vorgesetzten hofieren und dafür auf deren Wohlwollen hoffen. Sie sind Opfer des Karrierismus und des Opportunismus. Sie verehren Menschen, die nicht Gott sind.“

Gleichgültigkeit gegenüber anderen

„Wenn man aus Neid oder Heimtücke Freude daran findet, andere fallen zu sehen, statt ihnen aufzuhelfen und sie zu ermutigen.“

Eine Trauermine aufzusetzen.

„Tatsächlich sind theatralischer Ernst und steriler Pessimismus oft Symptome von Angst und Unsicherheit. Der Jünger muss höflich, enthusiastisch und glücklich sein und Freude weitergeben, wo auch immer er hingeht.“

Immer mehr zu wollen.

„Wenn ein Jünger versucht, eine existenzielle Leere in seinem Herz mit der Ansammlung materieller Güter zu füllen, nicht weil er sie braucht, sondern weil er sich dadurch sicherer fühlt.“

Die Bildung „geschlossener Kreise“, die stärker seien wollen als die Gemeinschaft.

„Diese Krankheit beginnt immer mit guten Absichten, aber mit der Zeit versklavt sie ihre Mitglieder, indem sie zu einem Krebsgeschwür wird, das die Harmonie des Körpers bedroht und so viel Schaden verursacht - Skandale - besonders gegenüber unseren jüngeren Brüdern.“

Das Streben nach weltlichen Profiten und die Prahlerei.

„Das ist die Krankheit jener, die unersättlich sind in ihren Versuchen, ihre Macht zu vervielfachen, und dabei des Rufmords, der Diffamierung und der Diskreditierung anderer fähig sind - auch in Zeitungen und Magazinen - , natürlich um sich selbst als kompetenter als andere darzustellen.“

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