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02.11.2011

17:02 Uhr

Verdacht auf Keime

Drei Frühchen in Bremer Klinik gestorben

In einer Klinik in Bremen sind drei Frühchen gestorben. Zehn weitere Säuglinge sollen erkrankt sein. Als Ursache werden Keime vermutet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Ein Schild weist in Bremen am Klinikum Bremen - Mitte den Weg zur Frauenklinik. dapd

Ein Schild weist in Bremen am Klinikum Bremen - Mitte den Weg zur Frauenklinik.

BerlinDrei Frühchen sind wegen hygienischer Mängel im Klinikum Bremen-Mitte gestorben. Die Fälle seien zwischen August und Oktober aufgetreten, sagte Gesundheits-Staatsrat Joachim Schuster am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Bremen. Das Klinikum hatte von einem „schweren hygienischen Zwischenfall“ gesprochen. Ursache ist offenbar der sogenannte ESBL-Keim. Wo der Keim herkommt, ist noch unbekannt, sagte Schuster. „Wir kennen leider nicht die Quelle der Infektion.“

Nach Angaben von Radio Bremen haben Polizei und Staatsanwaltschaft Zeugen einbestellt. Nähere Angaben wollten die Fahnder zunächst nicht machen. Ein Krisenteam des Robert Koch-Instituts sei im Klinikum, um die Situation zu untersuchen, teilte ein Sprecher des Betreibers Gesundheit Nord mit.

Zwei der Babys sollen bereits im August dieses Jahres gestorben sein, das dritte Kind erst vor kurzem, berichtete Radio Bremen weiter. Zwar seien bei diesem Baby auch gefährliche Keime nachgewiesen worden, ob es aber letztendlich daran gestorben ist, konnte demnach bisher nicht geklärt werden. Die Neugeborenen-Station sei geschlossen worden.

Nach Bekanntwerden der Todesfälle forderte die oppositionelle CDU sofort eine lückenlose Aufklärung und zeigte sich schockiert. „Es ist das Schlimmste, was Eltern nach der Geburt eines Kindes passieren kann“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Partei, Rainer Bensch, nach einer Mitteilung. Sollten zwei Kinder wirklich bereits im August gestorben sein, dann sei dies eine grobe Verletzung der Informationspflicht durch die Gesundheitssenatorin.

Immer wieder sorgen Todesfälle von Frühchen in Kliniken bundesweit für Aufsehen. Anfang Oktober hatte sich ein frühgeborener Junge in der Passauer Kinderklinik mit einem multiresistenten Keim angesteckt und war gestorben. Drei andere Säuglinge, die sich ebenfalls infiziert hatten, wurden wieder gesund. Im August 2010 hatte der Tod von drei Babys in der Mainzer Uniklinik für Aufregung gesorgt. Zwei von ihnen kamen wegen einer verseuchten Nährlösung um. Das dritte Kind erlag seinen Vorerkrankungen. Die Klinik traf den Ermittlungen zufolge keine Schuld.

Die Zahl von Frühgeburten hat in Deutschland in den vergangenen Jahren zugenommen. Inzwischen ist fast jedes zehnte neugeborene Kind ein sogenanntes Frühchen. Als Frühgeburt gelten Kinder, die vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche lebend auf die Welt kommen.

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