Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.08.2012

17:58 Uhr

Verdacht auf Steuerhinterziehung

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Wallraff

Nun wird es ernst für den Günther Wallraff. Die Kölner Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen den Enthüllungsjournalisten aufgenommen. Dabei geht es nicht nur um den Vorwurf zur Beihilfe zum Sozialbetrug.

Eigentlich deckt er Missstände in der Gesellschaft auf. Doch nun muss sich Günther Wallraff Vorwürfen gegen seine Person stellen. Reuters

Eigentlich deckt er Missstände in der Gesellschaft auf. Doch nun muss sich Günther Wallraff Vorwürfen gegen seine Person stellen.

KölnDie Kölner Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen den Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff wegen des Verdachts auf Vorenthaltung von Arbeitnehmerentgelt und Beihilfe zum Sozialbetrug aufgenommen. Außerdem wird gegen den 69-Jährigen wegen Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt, wie ein Sprecher der Behörde am Montag mitteilte. Zudem prüft die Staatsanwaltschaft eine Anzeige gegen Wallraff wegen angeblichen Prozessbetrugs.

Wallraffs geheime Recherchen

„Industriereportagen“

Zwischen 1963 und 1965 schlich Wallraff sich in verschiedene Industriebetriebe ein. Darunter war auch ein Stahlwerk von Thyssen.

„13 unerwünschte Reportagen“

1969 erscheint das Buch, in dem Wallraff von seinen Erfahrungen in der Rolle eines Alkoholikers in einer Psychatrie, eines Studenten auf Zimmersuche oder etwa eines Obdachlosen berichtet.

Spínola-Aktion

1976 nahm Wallraff die Rolle eines Waffenunterhändlers an. So kam er in Kontakt mit dem ehemaligen Staatspräsidenten Portugals, General Spínola. Bevor dieser seinen geplanten Putsch durchführen konnte, ging Wallraff mit den Details an die Öffentlichkeit.

„Bild“-Redakteur Hans Esser

1977 schlich Wallraff sich für über drei Monate als Redakteur mit dem Namen "Hans Esser" bei der Bild-Zeitung ein. Über seine Erfahrungen in einer der Lokalredaktionen schrieb er ein Buch, in dem er der Bild-Zeitung unter anderem unsaubere Recherchemethoden vorwirft. Die Folge war eine Klage der Axel Springer AG. Der WDR produzierte dazu einen Dokumentarfilm, 1979 und 1981 erscheinen zwei weitere Bücher.

Gastarbeiter aus der Türkei

Zwischen 1983 und 1985 schlug Wallraff sich als türkischer Gastarbeiter bei Unternehmen wie McDonald’s und Thyssen durch. Auch dazu erschein ein Buch („Ganz unten“) in dem er seine negativen Erfahrungen schildert, außerdem gründete Wallraff einen Hilfsfonds mit dem Titel „Ausländersolidarität“.

Als „Ali“ in Syrien

Als türkischer Arbeiter mit dem Namen „Ali“ sprach Wallraff 1996 mit dem damaligen PKK-Führer Abdullah Öcalan. Dabei ging es um den kurdischen Dissidenten Selim Cürükkaya und dessen Buch „Die Suren Apos“, wegen dem ein Mordbefehl gegen ihn verhängt wurde.

Lottoverkäufer

Seit 2007 recherchiert Wallraff für das Zeit-Magazin. Seine erste Reportage führte ihn in ein CallOn-Callcenter, wo er am Telefon Systemlotto-Scheine von LottoTeam verkaufte. Dafür ließ er sich von Maskenbildnern 16 Jahre jünger machen. Hier prangerte er unter anderem die Belästigung von Angerufenen und Gesetzesverstöße an.

Arbeiter in einer Brotfabrik

2008 arbeitete Wallraff ein paar Wochenlang bei der Gebr. Weinzheimer Brotfabrik. Deren alleiniger Abnehmer war zu dieser Zeit Lidl. Neben mangelnder Hygienebedingungen kritisierte Wallraff hier schlechte Bezahlung und Arbeitsbedingungen. 2010 wurde der Betrieb in Folge der Enthüllungen geschlossen.

Obdachlos in Großstädten

Drei Monate lang recherchierte Wallraff in Obdachlosenheimen in Großstädten wie Köln und Frankfurt am Main, um im Zuge dessen zahlreiche Missstände aufzudecken. Dazu gehörten ein Mangel an Personal und Fälle von Gewaltanwendungen.

„Schwarz auf Weiß“

Als Somalier mit dunkler Hautfarbe getarnt reiste Wallraff 2009 als „Kwami Ogonno“ begleitet von einem Kamerateam durch Deutschland. Dabei stieß er oft auf rassistische Anfeindungen. Die Süddeutsche Zeitung hingegen kritisierte Wallraffs Methode selbst als rassistisch.

Bei den Ermittlungen wegen Vorenthaltung von Arbeitnehmerentgelt geht es demnach darum, dass Wallraff für einen Mitarbeiter, der Geld aus Sozialkassen erhielt, keine Sozialabgaben bezahlt haben soll. Zu den Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung machte die Staatsanwaltschaft keine weiteren Angaben. Die „Süddeuschte Zeitung“ hatte zuvor von Hinweisen berichtet, dass Wallraff nicht alle seine Honorare ordnungsgemäß versteuert habe.

Bei der Anzeige wegen angeblichen Prozessbetrugs geht es laut Staatsanwaltschaft darum, dass Wallraff bei einem Prozess eine falsche eidesstattliche Versicherung vorgelegt haben soll. Das Gerichtsverfahren steht demnach im Zusammenhang mit seinem Bericht des Journalisten aus dem Jahr 2008 über schlechte Arbeitsbedingungen in einer Großbäckerei. Über die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen Wallraff auch in diesem Fall ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch nicht entschieden.

Von

afp

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

hedgehog

13.08.2012, 18:16 Uhr


Das kann ich beim besten Willen nicht vorstellen, dass an den Vorwürfen etwas dran ist. Das sind doch gerade die Dinge, die von Herrn Wallraff ständig angeprangert werden.

Tom

13.08.2012, 18:36 Uhr

Ah da soll der unbequeme Wallraff wohl mit allen Mittels der Staatsmacht kalt gestellt werden. Deitschland mach nr weiter So!

Schlaui

13.08.2012, 21:16 Uhr

Ach neeeee. Der Anwalt der krmen Ausgenutzen, der oberste Dauerempörte, der Moralapostel aller Erniedrigten und oberster Gutmensch der Republik ist in Wahrheit also ein Steuerhinterzieher, Prozessbetrüger und der Oberlügner der Nation ??? Das ist ja nicht zu fassen. Aaahahahahaaa... mein Gott ist das alles jämmerlich ...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×