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12.03.2014

09:44 Uhr

Verlängerung möglich

Das bringt Tag drei im Hoeneß-Prozess

Es ist der dritte Prozesstag. Heute sollen zwei Zeugen über Hoeneß' Finanzen befragt werden. Danach will das Gericht entscheiden, ob ein Urteil am Donnerstag gefällt wird oder ob weitere Verhandlungstage nötig sind.

Hoeneß: Was ist erzwungene Steuerehrlichkeit wert?

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MünchenNach den spektakulären Enthüllungen über weitere Millionen an Steuerschulden hat der Prozess gegen Uli Hoeneß am dritten Verhandlungstag wieder mehr Schaulustige angelockt. Die Zuschauer-Schlange vor dem Justizpalast war am Mittwochmorgen deutlich länger als noch am Vortag, als eine Steuerfahnderin vor Gericht aussagte, der Präsident des FC Bayern habe mindestens 27,2 Millionen Euro an Steuern hinterzogen - 23,7 Millionen mehr als die Staatsanwaltschaft ihm in ihrer Anklage überhaupt vorwirft.

Der dritte Tag hat mit Verspätung begonnen. Der Präsident des FC Bayern erschien wieder mit seiner Frau Susanne im Saal 134 des Justizpalastes und war dabei gut zehn Minuten zu spät. Wie am Montag trug der 62-Jährige auch am Mittwoch einen schwarzen Anzug und eine rote Krawatte. Er rang sich am Morgen nach seinem Stadionbesuch beim Achtelfinal-Rückspiel der Münchner gegen den FC Arsenal ein Lächeln ab.

Im Mittelpunkt des dritten Verhandlungstages ab 9.30 Uhr im Münchener Justizpalast vor dem Landgericht München II steht dabei die Frage, ob das Urteil wie geplant schon am Donnerstag gesprochen werden kann oder ob der Prozess angesichts der Container an auszuwertenden Daten, die die Rosenheimer Steuerfahnderin am Dienstag mit ins Gericht brachte, verlängert werden muss.

Die besten Zitate von und über Uli Hoeneß

Hoeneß 2005

„Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern.“ (Uli Hoeneß 2005 in einem Interview der „Bild“-Zeitung)

Hoeneß 2009

„Wenn die Unternehmer alle in die Schweiz gehen, ist auch keinem geholfen. Mit einer Reichensteuer geht es dem kleinen Mann kein Stück besser.“ (Hoeneß 2009 in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“)

Hoeneß 2011

„Wenn früher eine Mark in der Kasse meiner Eltern fehlte, haben wir sie auf dem Boden gesucht. Die Stimmung beim Weihnachtsfest hing entscheidend davon ab, wie gut wir vorher verkauft hatten.“ (Hoeneß im Februar 2011 im „Hamburger Abendblatt“)

„Natürlich will ich Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Wenn es um Geld geht, muss man auch mal zufrieden sein.“ (Hoeneß 2011 im Magazin „Brand Eins“)

„Die Finanzwelt zeigt keine Bereitschaft, zur Volkswirtschaft beizutragen. Eine Krankenschwester trägt mehr zur Volkswirtschaft bei als ein Spekulant. Wenn ich sehe, dass Optionsscheine für Reis steigen, sage ich zu meiner Frau: 'Das bedeutet, dass Menschen hungern müssen, weil sie sich keinen Reis mehr kaufen können.'“ (Hoeneß 2011 im Magazin „Brand Eins“)

Hoeneß 2012

„In den vergangenen 20 Jahren sind in der Finanzwelt Menschen am Werk gewesen, die einen katastrophalen Job gemacht haben. Uns wurde vorgegaukelt, dass viele Finanzprodukte so unglaublich wichtig seien. Dabei hatten diese nur ein Ziel: die Taschen gewisser Leute voll zu machen.“ (Hoeneß 2012 in der Zeitung „Die Welt“)

„Unsere Spieler kicken schon jetzt eine Halbzeit fürs Finanzamt, da kommen wir nicht weiter, wenn man 60 oder 70 Prozent nimmt.“ (Hoeneß 2012 in der ARD-Talkshow „Günther Jauch“)

Hoeneß als Wurstfabrikant

„Ich habe für mein Schweinefleisch fünf verschiedene Lieferanten. Ich rufe an, lasse mir die Preise geben und kaufe dann. Für was aber brauchen Banker Schweinebäuche?“ (Wurstfabrikant Hoeneß über Spekulationsgeschäfte von Banken)

Hoeneß vor seinem 60. Geburtstag

„Es ist vielleicht langweilig, aber es soll uns nie schlechter gehen als jetzt. Das ist mein Wunsch. Ich muss nicht nach Hawaii oder auf die Malediven. Wenn ich irgendwann mal Lust dazu habe, werde ich das machen. Aber das ist nicht mein Lebenstraum.“ (Hoeneß Anfang 2012 vor seinem 60. Geburtstag)

Hoeneß vor der Politik

„Ich bin kein Besserwisser, sondern ein Bessermacher.“ (Hoeneß 2010 vor einem Auftritt als Gastredner bei der CSU-Vorstandsklausur)

„Ich habe mit meiner Meinung noch nie hinter dem Berg gehalten. Und bei der Gelegenheit habe ich festgestellt, dass man damit bei der Bundeskanzlerin landen kann. Sie will Leute, die querdenken. Sie will Leute, die ihr nicht nach dem Mund reden. Deswegen bin ich Fan von Merkel!“ (Hoeneß über Gespräche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel)

Rummenigge

„Uli ist der Vater Teresa vom Tegernsee, der Nelson Mandela von der Säbener Straße und die Mutter aller Manager.“ (Vorstandschef Rummenigge in seiner Festrede zum 60. Geburtstag von Hoeneß)

„Franz Beckenbauer hat einmal gesagt, wir alle müssen dem FC Bayern dienen. Uli Hoeneß war immer der größte Diener des FC Bayern.“ (Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge 2009 über Hoeneß)

Beckenbauer

„Er ist, glaub ich, schon als Manager auf die Welt gekommen.“ (Franz Beckenbauer 2009 über Uli Hoeneß)

Zuvor hatte eine Sprecherin des Gerichts, Andrea Titz, eine Urteilsverkündung wie geplant am Donnerstag als „nicht mehr sehr wahrscheinlich“ bezeichnet. Die Auswertung der neuen Daten, die Finanzbehörden, Staatsanwaltschaft und Richter vorliegen, könnten Monate dauern.

Fraglich ist dabei aber, ob die Auswertung dieses Datenwustes für einen Urteilsspruch auf Basis der ursprünglichen Anklage überhaupt nötig ist. Denn darin geht es um die von Staatsanwaltschaft genannte, mutmaßlich hinterzogene Summe von 3,5 Millionen Euro.

Die neuen Daten beziehen sich dagegen auf die ebenfalls neuen Summen. Zudem ist der Sachverhalt selbst unbestritten. So könnten nach den zwei Zeugen am Mittwoch, am Donnerstag wie geplant die Plädoyers von Anklage und Verteidigung gehalten und am Nachmittag das Urteil gesprochen werden.

Wenn die Zeugenanhörung abgeschlossen werden könne, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft, „dann ist am Donnerstag mit einem Abschluss des Verfahrens zu rechnen“.

Kommentare (16)

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12.03.2014, 08:40 Uhr

Man möge einen erfahrenen Wirtschaftsprüfer aus der Bankenprüfung als Zeugen vernehmen und ihn erklären lassen, ob es möglich ist, wie im Fall der Steuerfahnderin am gestrigen Verhandlungstag, seriös eine Aussage über die Gewinnsituation des Herrn Hoeneß innerhalb so kurzer Zeit zu machen.

Der Wirtschaftsprüfer möge eine Zeitschätzung abgeben, in der "seine" Prüfungsgesellschaft mit wieviel Personal eine vergleichbare Aussage erbringen könnte.

Man bedenke, dass es sich hier um die Geschäftstätigkeit von über 10 Jahren, ca. 50.000 Geschäfte und 70.000 Dokumenten, alle in einem Schuhkarton gehen soll.

Die gestrigen Aussagen der Steuerfahnderin war in höchstem Maße unglaubwürdig!

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12.03.2014, 08:42 Uhr

Man muss davon ausgehen, dass hier die Gegenseite von Herrn Hoeneß alles daran setzt, ihm möglichst maximal zu schaden.

Sie scheut offensichtlich auch nicht vor sachlich unmöglichen Aussagen zurück.

Wir erinnern uns an Zeugen im Mollath-Prozess.
Droht Seehofer hier die nächste Pleite?

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12.03.2014, 08:46 Uhr

Mal sehen, ob heute schon die Latte von 30 Mio€ gerissen wird. Eigentlich ist es doch schon so ziemlich egal, ob eine genaue Zahl ermittelt wird und wie schnell das geht. Die Frage der schuldbefreienden Selbstanzeige ist doch wohl durch das Verhalten des "Wohltäters" schon beantwortet...

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