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15.06.2014

16:12 Uhr

Verletzter Höhlenforscher

Retter stehen vor spiegelglatten Steilwänden

Die Rettungsmission des verletzten Höhlenforschers tritt in eine schwierige Phase ein: Bislang bewegten sich die Retter weitgehend waagerecht, doch nun geht es an spiegelglatten Wänden steil nach oben.

Berchtesgardener Alpen

Retter mit bisherigem Verlauf der Höhlen-Bergung zufrieden

Berchtesgardener Alpen: Retter mit bisherigem Verlauf der Höhlen-Bergung zufrieden

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BerchtesgadenDem verletzten Höhlenforscher Johann Westhauser und seinen Rettern steht der gefährliche Teil der Strecke in der Riesending-Schachthöhle bevor. Der Aufstieg entlang spiegelglatter Steilwände sollte am Sonntag beginnen. Zum Erreichen des Biwak 3 muss das Rettungsteam streckenweise senkrecht in die Höhe klettern. Bislang haben sich die Retter weitgehend waagerecht im Berg auf 900 Metern Tiefe bewegt, ab dem Lager Nummer 4 geht es steil nach oben.

Nach Angaben der Bergwacht erreichte das internationale Rettungsteam mit drei Ärzten am Sonntagvormittag den Biwak 4, um eine längere Ruhepause einzulegen. Nachdem die Gruppe die Strecke entlang der „Langen Geraden“ gemeistert hat, beginnt nun ein komplizierter Abschnitt. Denn der Biwak 3 in rund 700 Metern Tiefe ist nur durch Klettern entlang einer glatten Steilwand zu erreichen.

Höhlenforscher in Gefahr: Eine Chronologie

Unfälle

Höhlenforscher leben gefährlich. Nach Unfällen konnten schon viele von ihnen aus der Tiefe geborgen werden. Manchmal aber kamen die Helfer zu spät.
Quelle: dpa

November 2009

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Dezember 2009

Nach Tagen in Todesangst werden drei Höhlenforscher in den Pyrenäen aus 700 Metern Tiefe gerettet. Die Forscher hatten nicht mit der Schneeschmelze gerechnet, ein unterirdischer Fluss schnitt ihnen den Rückweg ab. Einer von ihnen verbrachte seinen 31. Geburtstag in der Grotte im Bergmassiv La Pierre Saint-Martin.

Oktober 2010

Die Suche nach einem verschollenen französischen Höhlenforscher nimmt ein trauriges Ende. Rettungstaucher entdecken die Leiche des vermissten 45-Jährigen. Der Forscher aus Nizza hatte die Höhle in der südfranzösischen Flusslandschaft Gorges de l'Ardèche kartographieren wollen. Ein unterirdischer Erdrutsch versperrte ihm den Rückweg.

August 2013

Bergungstrupps können vier Höhlenforscher in Nordspanien retten, die drei Tage vermisst waren. Die drei Männer und eine Frau im Alter zwischen 32 und 49 Jahren hatten sich in dem System von unterirdischen Gängen verirrt. Als das Quartett nicht zurückkehrte, alarmierte ein Kollege, der draußen gewartet hatte, die Retter.

Juni 2014

In der Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden haben Ärzte mit der Versorgung des schwer verletzten Höhlenforschers Johann Westhauser begonnen. In der Nacht zum Donnerstag traf auch der zweite entsandte Arzt, ein Italiener, bei dem verletzten Stuttgarter ein, wie ein Sprecher der Bergwacht Bayern mitteilte. Der Schwerverletzte sei transportfähig, müsse jedoch zuvor behandelt werden.

Das macht den Aufstieg nicht nur für die Rettungskräfte schwieriger und gefährlicher: „Bis zum Biwak 4 konnte der Verletzte liegend transportiert werden. Nun muss er an Seilen senkrecht in die Höhe gezogen werden“, erklärte ein Sprecher der Bergwacht. Bis zu zwei Tage könne es dauern, bis die Gruppe am Biwak 3 eintreffe.

Der Zustand des verletzten Westhauser ist nach Angaben der Bergwacht weiterhin stabil. Derzeit betreuten drei Ärzte aus Slowenien, Deutschland und Österreich den Patienten. Der Höhlenforscher, der in Karlsruhe arbeitet, hatte am Sonntag vergangener Woche durch Steinschlag ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Am Freitag hatte der Aufstieg aus 1000 Metern Tiefe begonnen.

Von

dpa

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