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04.06.2012

15:26 Uhr

Veröffentlichung geheimer Dokumente

Die Raben im Vatikan

VonKatharina Kort

Auch nach der Verhaftung des Kammerdieners von Benedikt XVI kommen neue, geheime Dokumente aus dem Vatikan an die Öffentlichkeit. Wer ist der Verräter? Feststeht, dass der Papst sein Reich nicht mehr unter Kontrolle hat.

Papst Benedict XVI mit zwei seiner Kardinäle. dapd

Papst Benedict XVI mit zwei seiner Kardinäle.

Mailand„Corvi“ – Raben nennen die Italiener die Verräter, die geheime Papiere aus dem Mauern des Vatikans an die Öffentlichkeit geben. Ein „Corvo“ war der Kammerdiener Paolo Gabriele, in dessen Wohnung man gleich mehrere geheime Dokumente gefunden hat, die nur aus dem Zimmer von Benedikt XVI stammen konnten. Ein Rabe soll auch der Präsident des Ior, des Finanzarms des Vatikan, Ettore Gotti Tedeschi gewesen sein, hieß es zunächst. Auch er musste gehen.

Damit dachte man, dem Skandal, der in Anlehnung an die Veröffentlichungsplattform Wikileaks von Julian Assange unter „Vatileaks“ läuft, Einhalt geboten zu haben. Doch auch nach den beiden Abgängen verlassen weiterhin Briefe – nicht Emails, sondern Computer geschriebene Briefe mit echten Unterschriften - die Mauern des Vatikans. Das Rabennest ist also noch intakt.

Erst am Wochenende, pünktlich zum Welt-Familientag der katholischen Kirche in Mailand, schlug der Rabe wieder zu: die Tageszeitung „ La Repubblica“ veröffentliche neue Schreiben aus dem Jahr 2009, diesmal gezeichnet vom persönlichen Sekretär des Papsts, Georg Gänswein. Diesmal waren die Briefe begleitet von einem Schreiben des Raben: der Kammerdiener sei nur der Sündenbock gewesen. Die wahren Verantwortlichen für die Dokumente seien im Zentrum der Macht zu suchen, „im privaten Archiv des Monsignore Georg Gänswein“. Von dort aus würden immer wieder Dokumente nach außen gelangen, ließ der „Corvo“ wissen.

Der Vatikan-Sprecher Federico Lombardi zeigte sich gelassen angesichts der jüngsten Veröffentlichung. „Es würde mich nicht wundern, wenn in den nächsten Tagen noch weitere Papiere auftauchen“, sagte Lombardi. Auch Benedikt sei darüber nicht erschrocken. „Der Papst ist sich absolut im Klaren über die Schwierigkeiten, die sich stellen können“, betonte der Sprecher. „Aber er ist der Fels, auf den wir uns alle stützen.“

Dem italienischen Journalisten und Vatikan-Experten Gianluigi Nuzzi haben die Raben genug Stoff geliefert, um ein 326-seitiges Buch mit dem Titel „Sua Santità“ – „Ihre Heiligkeit“ – zu veröffentlichen. Es geht um Papiere, die nur im engsten Kreis des Papsts zirkuliert sein können. Laut Nuzzi seien seine Informanten Bürger und Mitarbeiter des Vatikans gewesen, die frustriert waren über die Intrigen und persönlichen Interessen, die den Vatikan bestimmen. Sie wollten mit ihrer Arbeit dem Papst helfen.

Kommentare (4)

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aruba

04.06.2012, 17:47 Uhr

Guten Tag,... Raben... Nein;.... es sind Aasgeier. Aber die Farbe war schon mal nicht schlecht. Besten Dank

Eva1811

04.06.2012, 18:01 Uhr

Nun hier wird der Geheimdienst des Vatikan und der innere Zirkel bestimmt hart durchgreifen, um die Sünder herauszufiltern und zu entfernen.

Die Vatikanstaat ist auch ein Unternehmen und zwischen Purpur und rote Kardinalsmütze scheinen erbitterte Grabenkämpfe zu herrschen, die sich dann auf die "unteren Rigen" ausdehnen, ich glaube hier wäre gut daran geraten, wenn man die Basis im Vatikan und die vielen kleinen Helfer/-innen und Diener vielleicht mal ein bischen besser miteinbeziehen würde oder mal nachfragen.

Vielleicht sind auch hier Reformen in den Uraltstrukturen und Reglments/Zeremonielle des Vatikan und der Kammerdiener mal angeraten, und sei es nur ein klein bischen... Es täte auch der Kirche gut...

(ich bin katholisch soweit dies!).

gerhard

04.06.2012, 19:22 Uhr

Ja,ja – Der Vatikan und die Raben - da ist guter Rat teuer. Aber wie wär’s einfach nach ganz oben einmal kurz durchrufen, das müsste doch aufzuklären sein? Die Ruf Nr. von - Sua Santità -nach ganz oben ist doch wohl immer geschaltet, wozu hat man denn sonst einen ganzen Vatikan zur Verfügung?

Zuerst die Sache mit der „etwas verdeckten“ internationalen Kinderschändung und nun geht es um interne Intrigen und Machtspielchen unter Kardinälen und anderen Würdenträgern. Da sollte man gründlich einmal die „feste Burg auf den Kopf“ stellen und „reformieren“! Gleichberechtigung ist gefordert, warum nicht zur Abwechslung eine „Päpstin“, da könnten Intrigen und Machtspielchen unter Kardinälen, u.a. sicher etwas schwieriger werden?

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