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11.03.2014

15:26 Uhr

Verschwundene Boeing 777

Wie die Suche nach dem iPhone in der Wüste

VonTobias Döring

Während es über die Passagiere neue Erkenntnisse gibt, fehlt vom Flug MH370 weiterhin jede Spur. Ein Absturz bleibt die wahrscheinlichste Ursache. Doch was viele nicht wissen: Ein Flugzeug wird nicht lückenlos überwacht.

Militär in einer vietnamesischen Maschine: Die Suche nach der vermissten Boeing geht weiter, das Flugzeug wurde auch nach drei Tagen nicht gefunden. Reuters

Militär in einer vietnamesischen Maschine: Die Suche nach der vermissten Boeing geht weiter, das Flugzeug wurde auch nach drei Tagen nicht gefunden.

Kuala Lumpur/DüsseldorfMal wurde aus der Luft eine aufblasbare Flugzeug-Rettungsinsel gesichtet, dann ein Flugzeugfenster oder auch ein Ölteppich. Doch nach mehr als drei Tagen ist der einzige Fakt weiterhin: Von der Boeing 777-200 der Malaysia Airways fehlt jede Spur. Flug Nummer MH370 bleibt verschollen.

Während die Suche auf Hochtouren weiterläuft, gab es am Dienstag neue Details zu möglichen Hintergründen. Bei einem verdächtigen Passagier, der mit einem gestohlenen österreichischen Pass reiste, soll es sich um einen 19-jährigen Iraner handeln. Der junge Mann wollte offenbar nach Deutschland fliegen und hierzulande Asyl beantragen. Seine Mutter habe ihn in Frankfurt erwartet, teilte die malaysische Polizei mit.

Ein anderer Iraner soll mit dem gestohlenen Ausweis eines Italieners auf dem Weg nach Schweden gewesen sein, berichtete die schwedische Zeitung „Aftonbladet“. Die Reise sei von Menschenschmugglern organisiert worden, sagte ein entfernter Verwandter. So vage die Berichterstattung bleibt, eins kann jedoch festgehalten werden: Der Verdacht auf einen terroristischen Anschlag erhärtet sich dadurch nicht.

Doch wie es ist möglich, dass das Flugzeug trotz intensiver Suche immer noch nicht gefunden wurde?

In der heutigen Zeit, in der theoretisch jeder mit seinem Smartphone geortet werden kann, verwundert dies besonders. Doch was viele nicht wissen: Ein Flugzeug wird nicht lückenlos überwacht. Die Radarüberwachung reicht teilweise nur rund 100 bis 150 Meilen vor die Küste.

Flug MH370 – Was ist geklärt, was nicht?

Vom Radar verschwunden

Flug MH370 von Kuala Lumpur nach Peking mit 239 Menschen an Bord verschwindet zwei Stunden nach dem Start von den Radarschirmen. Ein Überblick über die geklärten und ungeklärten Fragen.

Was ist geklärt? (1)

Die Boeing 777-200 verschwand bei gutem Wetter. Zwei Stunden nach dem Start war die Maschine eigentlich in der sichersten Phase eines Flugs, auf der Reisehöhe von rund 10.000 Metern. Es gab keinen Notruf, und die Bordcomputer sendeten keinen automatischen Alarm an die Bodenkontrolle, wie bei technischen Problemen eigentlich üblich. Im Cockpit saß ein erfahrener Pilot. Die Fluggesellschaft gilt als sehr zuverlässig, die Boeing ebenfalls.
Der Funkkontakt brach vor der vietnamesischen Küste ab. 154 der 239 Insassen waren chinesische Staatsbürger. Malaysia Airlines bot den Flug gemeinsam mit China Southern an.

Was ist geklärt? (2)

An Bord waren zwei Passagiere mit gestohlenen Pässen. Diese waren ihren Besitzern, einem Italiener und einem Österreicher, 2012 und 2013 in Thailand gestohlen worden. Die Reisedokumente wurden bei der Passkontrolle nicht mit der Datenbank von Interpol abgeglichen.
Vier Reisende checkten ein, gingen aber nicht an Bord. Ihr Gepäck wurde vor dem Abflug wieder ausgeladen. Mittlerweile ist wahrscheinlich, dass sie illegal nach Europa einreisen wollten, sie also vermutlich nichts mit dem Absturz der Maschine zu tun hatten.

Was ist ungeklärt? (1)

Wo ist die 70 Meter lange Maschine mit 60 Metern Spannweite geblieben? Obwohl Dutzende Schiffe und Flugzeuge das Meer zwischen Malaysia und Vietnam absuchen, sind bislang weder Wrackteile noch der Flugschreiber gefunden worden.

Was ist ungeklärt? (2)

Warum drehte die Maschine ab? Wie konnte sie so lang von den Radars verschwinden. Aufschluss darüber könnte die Blackbox geben. Die Suchteams suchen fieberhaft danach, denn lange können die Akkus in der Regel nicht mehr halten.

Zusätzlich gebe es „bordeigene Systeme, die permanent Standort und Flughöhe an die Flugsicherung übertragen. Das funktioniert aber nur bis zu einem Abstand von etwa 370 Kilometern“, erklärt Jörg Handwerg, Sprecher der Pilotengewerkschaft Cockpit und selbst Pilot, im Interview mit „Tagesschau.de“. An festgelegten Meldepunkten geben die Piloten dann, teils manuell, die Position per Satellit an die Flugsicherung durch. Im Südatlantik könnte es beispielsweise „bis zu einer Stunde und 15 Minuten bis zum nächsten Kontakt dauern“, sagt Handwerg.

Die meisten Flugzeuge haben zwar auch GPS an Bord. Aber so viele Kilometer entfernt vor der Küste hat kein Handy Empfang – und auch ein Flugzeug nicht. Es sei ein wenig so wie bei einem iPhone in der Mojave-Wüste, schrieb das Technik-Magazin „Wired“: „Dein GPS wird Dir sagen wo Du bist, aber Du kannst die Funktion "Find my Phone" nicht nutzen, weil Du kein Handynetz hast.“

Kommentare (4)

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11.03.2014, 17:07 Uhr

"Das malaysische Militär hatte das Flugzeug dort angeblich auf einer Radaraufzeichnung geortet – die Maschine könnte vor dem Verschwinden umgedreht sein."
Da fehlen noch einige wichtige Informationen:

1. Das Flugzeug flog relativ langsam, in ca. 9 km Hoehe, das sekundaere Radarsystem war ausgeschaltet, daher verschwand sie vom Radar der zivilen Luftverkehrsueberwachung

2. Die Maschine verliess den militaerischen Radar-Bereich ca. 500 km von der Stelle aus, wo sie vom Radar der zivilen Luftverkehrsueberwachung verschwand

3. Penang ist in der Naehe und hat einen ausreichend grossen Flughafen, bei einer Umkehr wegen technischen Problemen haette die Boing dort landen koennen und muessen...

4. Es gab wohl keine Kommunikation zwischen Flugzeug und Militaer, das Militaer hat anscheinend auch nicht reagiert, obwohl das Flugzeug sich nicht zu erkennen gab.

Falls also diese Angaben des Militaers stimmen, koennte es sich um eine Entfuehrung handeln. Die Maschine war offensichtlich soweit flugfaehig, der Transponder jedoch ausgeschalten und es fand keine Kommunikation statt. Zumindest in Kuesten-Naehe haette man auch eines der zahlreichen Handys nutzen koennen. Statt umzukehren haette der Pilot auch Saigon anfliegen koennen, das waere wohl naeher gewesen als KUL. Berichtet wird auch, dass Angehoerige Handys der Passagiere angerufen haetten und diese haetten geklingelt, abgenommen hat jedoch niemand. Falls das stimmt, sind die Handys bestimmt nicht seit 4 Tagen im Salz-Wasser... Es gibt also vielleicht doch noch einen Funken Hoffnung...

Account gelöscht!

11.03.2014, 17:08 Uhr

Hatte ich vergessen:

http://news.yahoo.com/search-widened-malaysia-air-probe-finds-scant-evidence-052356192--sector.html

Account gelöscht!

11.03.2014, 17:16 Uhr

Wenn man Handys anrufen kann, kann man sie auch orten.

So schlau wird die Fluggesellschaft aber auch wohl sein...

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