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15.03.2014

16:19 Uhr

Verschwundene Boeing

Sabotage-Verdacht bei Flug MH370

Kurswende nach Westen, abgeschaltete Signalsysteme: Sabotage rückt ins Zentrum der Ermittlung zu Flug MH370. Sieben Stunden sei die Maschine nach Verschwinden vom Radar noch geflogen - möglicherweise bis nach Kasachstan.

Angehörige der Passagiere beten für die verschwundene Maschine. Das Verschwinden von Flug MH370 deuten Ermittler auf Sabotage. ap

Angehörige der Passagiere beten für die verschwundene Maschine. Das Verschwinden von Flug MH370 deuten Ermittler auf Sabotage.

Kuala LumpurDas Verschwinden von Flug MH370 in Südostasien deutet nach Überzeugung der Ermittler eher auf Sabotage als einen Unfall. Die Passagiermaschine mit 239 Menschen an Bord sei von ihrem Kurs abweichend nach Nordwesten gesteuert worden, berichtete der malaysische Ministerpräsident Najib Razak am Samstag auf einer Pressekonferenz in Kuala Lumpur. Zuvor wurden demnach „mit hoher Wahrscheinlichkeit absichtlich“ zwei Kommunikationssysteme abgestellt. Nach dem letzten Radarkontakt kurz nach dem Start sei die Boeing 777-200 am Samstag vergangener Woche noch sieben Stunden weitergeflogen.

Die Ermittlungen konzentrierten sich nun wieder stärker auf die Passagiere und die Crew, sagte Razak. Polizisten durchsuchten am Samstag das Haus des 53 Jahre alten Piloten Zaharie Ahmad Shah in Kuala Lumpur. „Die Beamten haben nach Material gesucht, das bei der Suche nach dem vermissten Flugzeug helfen könnte“, sagte ein Polizist. Ob etwas gefunden oder mitgenommen wurde, teilte er nicht mit.

Chinas Staatsfernsehen hatte unter Berufung auf nicht näher bezeichnete Quellen in Kuala Lumpur berichtet, dass die Ermittler von einem Kidnapping des Malaysia-Airlines-Fluges ausgingen. Razak bestätigte dies nicht. „Wir ermitteln noch alle Möglichkeiten.“

Das Kommunikationssystem ACARS sei nach dem Start in Kuala Lumpur noch kurz vor der Ostküste Malaysias deaktiviert worden, sagte der Premier. Das zweite Gerät, der Transponder, sei wenig später ausgeschaltet worden. „Diese Schritte lassen auf eine absichtliche Handlung von jemandem an Bord schließen.“ ACARS ist ein digitales Datenfunksystem zur Übermittlung von Nachrichten zwischen Flugzeugen und Bodenstationen, der Transponder sendet automatisch Informationen zu Flugnummer, Flughöhe, Position und Geschwindigkeit, die etwa von Fluglotsen genutzt werden.

Verschollene Flugzeuge

Ganz seltener Fall

Ein Flugzeug verschwindet - das passiert in Zeiten von Radar, Funkverkehr und anderen technischen Errungenschaften nur ganz selten. Nach einem Absturz werden Wracks meist innerhalb weniger Stunden geortet. Doch manchmal kann es auch Tage oder Wochen dauern, bis man Hinweise auf den Verbleib der Maschinen und das Schicksal der Insassen findet - etwa wenn die Flugzeuge über abgelegenen Gebieten, unwegsamem Gelände oder dem offenen Meer abgestürzt sind.

Malaysia Airlines Flug 370

Im März 2014 verschwindet Flug 370 der Malaysia Airlines auf dem Flug von Kuala Lumpur nach Peking. Bis heute fehlt von der Maschine mit 239 Menschen an Bord jede Spur.

Air France Flug 447

Nach dem Absturz des Airbus A330 im Jahr 2009 wurden Wrackteile innerhalb weniger Tage gefunden. Doch es dauerte zwei Jahre, bis der Rumpf der Maschine auf dem Grund des Atlantik entdeckt wurde. Die Maschine war auf dem Flug von Rio de Janeiro nach Paris in einen schweren Sturm geraten und abgestürzt. Alle 228 Menschen an Bord kamen um.

Adam Air

Eine Boeing 737 der indonesischen Fluggesellschaft mit 102 Menschen an Bord stürzte am 1. Januar 2007 ab. Teile des Hecks und andere Trümmer wurden einige wenige Tage später entdeckt. Bis zur Bergung der Blackbox und des Stimmrekorders dauerte es neun Monate. Der Rumpf liegt bis heute auf dem Grund des Ozeans.

Merpati Nusantara Airlines

1995 verschwand eine Maschine der indonesischen Airline auf dem Flug zwischen zwei Inseln des Archipels. Von der Havilland Twin Otter 300 mit 14 Insassen fehlt bis heute jede Spur.

Faucett Airlines

Eine Boeing 727 der peruanischen Fluggesellschaft mit Ziel Miami in den USA stürzte im Jahr 1990 über dem Nordatlantik ab, weil ihr der Treibstoff ausging. 18 Angestellte der Airline und ihre Angehörigen waren an Bord. Das Wrack wurde nie gefunden.

Luftwaffe Uruguays

Die Geschichte der Fairchild FH-227 und ihrer Insassen war Stoff für mehrere Bücher und Filme. Die Turboprop-Maschine stürzte 1972 in den Anden ab, mehr als ein Dutzend der Insassen kamen dabei ums Leben. Einige der Überlebenden machten sich auf die Suche nach Hilfe. Die anderen wurden später gerettet. In der Zeit bis zur Bergung hatten sie sich vom Fleisch der Toten ernährt.

Flying Tiger Line

Die Propellermaschine vom Typ Lockheed L-1049H Super Constellation sollte im Jahr 1962 US-Soldaten nach Vietnam bringen. Doch schon die Zwischenstation auf den Philippinen erreichte das Flugzeug mit 107 Insassen nie. Dutzende Flugzeuge und Schiffe suchten den Westpazifik ab - vergeblich.

Das Abschalten der beiden voneinander unabhängigen Systeme erschwert die Verfolgung des Flugzeuges. „Über Radarstationen am Boden ist es noch zu orten, aber die Ortung ist nicht so genau“, sagte Jörg Handwerg, Vorstandsmitglied bei der Vereinigung Cockpit. Das malaysische Militär habe Signale eines Flugzeugs auf seinem Weg nach Westen verfolgt, bei dem es sich nach heutiger Erkenntnis mit großer Wahrscheinlichkeit um die vermisste Boeing gehandelt habe, sagte Razak. Das letzte an einen Satelliten geschickte Signal stamme von 08.11 Uhr (Ortszeit) am 8. März. Gestartet war Flug MH370 um 00.41 Uhr, vom Radar verschwand er gegen 01.30.

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