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13.04.2014

13:30 Uhr

Verschwundenes Flugzeug

Mysteriöse Signale aus MH370-Cockpit

Das Wrack von Flug MH370 bleibt verschwunden – es gibt kein neues Signal der Blackbox. Dafür erregt ein Bericht über ein mysteriöses Handy-Signal aus dem Cockpit Aufsehen. Wollte der Kopilot telefonieren?

Die britische Navy bei der Suche nach der MH370: Die Einsatzkräfte haben keine neuen Signale von der Blackbox empfangen. dpa

Die britische Navy bei der Suche nach der MH370: Die Einsatzkräfte haben keine neuen Signale von der Blackbox empfangen.

Kuala LumpurDer Kopilot der verschwundenen Malaysia Airlines-Maschine soll nach der abrupten Kehrtwende des Flugzeugs sein Handy eingeschaltet haben. Ein Funkturm in Penang an der malaysischen Westküste habe ein Signal des Handys von Fariq Abdul Hamid aufgefangen, berichtete die malaysische Zeitung „New Straits Times“ am Samstag unter Berufung auf Ermittler. Ob das Gerät nur eingeschaltet wurde oder jemand damit anrufen wollte, blieb unklar. Die Suche nach dem Wrack der vor fünf Wochen verschwundenen Maschine ging unterdessen im Indischen Ozean weiter – ohne Ergebnis.

Der malaysische Verkehrsminister Hishammuddin Hussein sagte am Sonntag, er habe keine Informationen zu dem angeblichen Handysignal. „Ich will darüber nicht spekulieren“, sagte er. „Ich will die Ermittlungen nicht stören.“ Daran seien zahlreiche Geheimdienste beteiligt. Malaysia leitet die Untersuchungen zu dem mysteriösen Verschwinden der Boeing 777-200 und ist wegen schleppender und widersprüchlicher Informationen mehrfach scharf kritisiert worden.

Flug MH370 war am 8. März mit 239 Menschen an Bord in Kuala Lumpur gestartet und auf dem Weg nach Peking plötzlich vom Kurs abgewichen. Die Maschine flog noch mehrere Stunden Richtung Süden, ohne dass eine Flugkontrolle dies entdeckte oder Kontakt zu der Maschine hatte. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie im Indischen Ozean abstürzte, als der Treibstoff ausging. Was sich in den Stunden an Bord abspielte, liegt völlig im Dunkeln.

Flug MH370 – Was ist geklärt, was nicht?

Vom Radar verschwunden

Flug MH370 von Kuala Lumpur nach Peking mit 239 Menschen an Bord verschwindet zwei Stunden nach dem Start von den Radarschirmen. Ein Überblick über die geklärten und ungeklärten Fragen.

Was ist geklärt? (1)

Die Boeing 777-200 verschwand bei gutem Wetter. Zwei Stunden nach dem Start war die Maschine eigentlich in der sichersten Phase eines Flugs, auf der Reisehöhe von rund 10.000 Metern. Es gab keinen Notruf, und die Bordcomputer sendeten keinen automatischen Alarm an die Bodenkontrolle, wie bei technischen Problemen eigentlich üblich. Im Cockpit saß ein erfahrener Pilot. Die Fluggesellschaft gilt als sehr zuverlässig, die Boeing ebenfalls.
Der Funkkontakt brach vor der vietnamesischen Küste ab. 154 der 239 Insassen waren chinesische Staatsbürger. Malaysia Airlines bot den Flug gemeinsam mit China Southern an.

Was ist geklärt? (2)

An Bord waren zwei Passagiere mit gestohlenen Pässen. Diese waren ihren Besitzern, einem Italiener und einem Österreicher, 2012 und 2013 in Thailand gestohlen worden. Die Reisedokumente wurden bei der Passkontrolle nicht mit der Datenbank von Interpol abgeglichen.
Vier Reisende checkten ein, gingen aber nicht an Bord. Ihr Gepäck wurde vor dem Abflug wieder ausgeladen. Mittlerweile ist wahrscheinlich, dass sie illegal nach Europa einreisen wollten, sie also vermutlich nichts mit dem Absturz der Maschine zu tun hatten.

Was ist ungeklärt? (1)

Wo ist die 70 Meter lange Maschine mit 60 Metern Spannweite geblieben? Obwohl Dutzende Schiffe und Flugzeuge das Meer zwischen Malaysia und Vietnam absuchen, sind bislang weder Wrackteile noch der Flugschreiber gefunden worden.

Was ist ungeklärt? (2)

Warum drehte die Maschine ab? Wie konnte sie so lang von den Radars verschwinden. Aufschluss darüber könnte die Blackbox geben. Die Suchteams suchen fieberhaft danach, denn lange können die Akkus in der Regel nicht mehr halten.

Der Minister betonte am Sonntag erneut, bei der Überprüfung der Passagiere sei nichts Verdächtiges ans Licht gekommen. „Die polizeilichen Ermittlungen umfassen immer eine mögliche Entführung, Terrorismus oder persönliche Probleme eines der Insassen“, sagte er.

Die Maschine sei so niedrig über Penang geflogen, dass der Funkturm das Signal auffangen konnte, berichtete die Zeitung. Es sei möglich, dass das Signal entstand, weil das Handy zu dem Zeitpunkt eingeschaltet wurde. Über einen Anruf machte die Zeitung keine Angaben. Das Signal habe abrupt geendet, vermutlich weil das Flugzeug die Reichweite des Funkmasts verließ, schreibt das Blatt weiter. Der Bruder des Kopiloten sagte der Zeitung, niemand habe seine Familie über das Signal oder einen möglichen Anruf unterrichtet.

Bei der Suche nach Wrackteilen waren am Sonntag rund 2200 Kilometer nordwestlich der australischen Westküstenstadt Perth elf Flugzeuge und 14 Schiffe im Einsatz. Sie suchten mit Hochdruck nach dem Wrack. Darin ist die Blackbox mit dem Flugdatenschreiber und dem Gerät, das Gespräche im Cockpit aufzeichnet. Davon erhoffen sich die Ermittler Aufschluss über den Irrflug. Die Blackbox sendet Signale aus, die das Auffinden nach einem Unglück erleichtern sollen. Die Batterien halten aber nur 30 bis 45 Tage. Die Frist könnte bereits abgelaufen sein. Vergangenen Dienstag waren zuletzt Signale aufgefangen worden, die von einer Blackbox stammen könnten.

Australiens Ministerpräsident Tony Abbott sagte am Samstag in Peking erneut, die Ermittler seien zuversichtlich, dass die Signale von MH370 stammten. „Aber niemand sollte die Schwierigkeiten unterschätzen, die noch vor uns liegen“, meinte er. Erst wenn die mögliche Absturzstelle einigermaßen bekannt ist, soll ein unbemannter Unterwasser-Roboter eingesetzt werden, um den Meeresboden abzusuchen. Er schafft nur ein paar hundert Meter am Tag. „Wir arbeiten daran, das Gebiet einzugrenzen, bevor des Vehikel zum Einsatz kommt“, teilte das Koordinationszentrum für die Suche am Sonntag in Perth mit.

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