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06.11.2011

15:52 Uhr

Versteigerung

Lehman-Aktie bringt 24.000 Euro

Für die meisten Anleger ist die Lehmann Aktie mittlerweile nicht mehr als ein Stück Papier. Doch historische Aktien der Pleitebank sind bei Sammlern immer noch begehrt - und wertvoll.

Das ist die Aktie der Lehman Brothers mit der Seriennummer 0001 - jener Bank, mit der 2008 der weltweite Absturz an den Börsen begann. dapd

Das ist die Aktie der Lehman Brothers mit der Seriennummer 0001 - jener Bank, mit der 2008 der weltweite Absturz an den Börsen begann.

WürzburgEigentlich ist sie nicht mehr das Papier wert, auf dem sie gedruckt wurde: die erste Aktie der Pleitebank Lehman Brothers. Ein grüner Rand ziert das Papier, rund 20 mal 30 Zentimeter ist sie groß. Als Auktionator Matthias Schmitt endlich die Losnummer 77 aufruft, geht ein Raunen durch den Saal. 30 Sammler sind nach Würzburg gekommen, Interessenten für die erste Lehman-Aktie sind nicht darunter. „18.000 Euro hier am Telefon“, ruft Schmitt aufregt. Am Ende wechselt die wertlose Aktie für 24.000 Euro ihren Besitzer. 

Ein Stück Finanzgeschichte ist am Samstag in Würzburg unter den Hammer gekommen. Einst hing die Aktie mit der Nummer „0001“ im Büro von Lehman-Chef Richard Fuld, 1994 wurde sie ausgegeben. Dann ging die Bank 2008 pleite und erschütterte mit ihrem Zusammenbruch die ganze Finanzwelt. „Es ist das Belegstück der Finanzkrise schlechthin“, sagt Schmitt, dessen Auktionshaus die Versteigerung ausrichtet. 

Insgesamt 900 historische Wertpapiere sind an diesem Samstag versteigert worden. Neben der ersten Aktie der Lehman Brothers sind 100 weitere Papiere der Pleitebank darunter. Auch die Gründeraktie der ersten Eisenbahngesellschaft der Welt, der Derby Canal Company, wechselt den Besitzer. Ebenso ein Wertpapier aus dem Jahr 1606, das heute als die älteste Anleihe der Welt gilt. 1000 Gulden kostete sie einmal. 

Vor allem die Geschichte der mittlerweile wertlosen Aktien reizt die Sammler von historischen Papieren. „Es gibt immer wieder Stücke, mit denen wurde was bewegt“, sagt Auktionator Schmitt. Erst im Frühjahr 2011 wurde die schon historische Lehman-Aktie gemeinsam mit Möbeln der Bank auf einer Auktion versteigert. Ein Sammler erkannte den Wert des Papiers an der Seriennummer „0001“. 

„Früher habe ich selbst mit Aktien gehandelt“, sagt ein 73-Jähriger in Würzburg. Heute begnüge er sich mit dem Sammeln. Das macht er seit mittlerweile 40 Jahren. Eisenbahn, Theater, Stierkampfarenen - wer wie der 73-Jährige aus Düsseldorf schon seit Jahren sammelt, hat längst ein Spezialgebiet für sich entdeckt. Flecken und Knicke auf den Sammlerstücken interessieren niemanden. 

Überhaupt geht es in der Sammlerwelt für historische Wertpapiere sehr familiär zu. „Man kennt sich, hatte früher geschäftlich miteinander zu tun und steht jetzt im regen Austausch“, sagt ein Sammler. 

Rund 2000 aktive Sammler historischer Wertpapiere gibt es weltweit. Die Hälfte von ihnen kommt aus Deutschland, schätzt Auktionator Schmitt. Neben seinem Auktionshaus mit Sitz im oberbayerischen Zorneding gibt es zwei weitere in Europa. Schmitt tritt bei Auktionen nur als Vermittler auf. 15 Prozent Provision streicht er jeweils von Käufer und Verkäufer ein. An den Börsen sind die Papiere wertlos, bei den Sammlern ist dafür noch Geld zu holen.

Von

dpa

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