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24.04.2013

15:23 Uhr

Verurteilt wegen Betrug

Ein Engländer blamiert Armeen und Polizei

VonKatharina Slodczyk

Für 13 Pfund hat ein Brite Golfball-Suchgeräte gekauft – und für bis zu 33.000 Pfund pro Stück als vermeintliche Bomben-Prüfgeräte weitergegeben. Er muss dafür wohl ins Gefängnis. Die Käufer bleiben blamiert zurück.

Werbung für das Original-Produkt: „Der bewundernswerte Golfball-Finder“.

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LondonEr hat seinen Kunden ein technisches Wunderwerk der Superlative versprochen – fast zu gut, um wahr zu sein. Doch sie haben es ihm geglaubt. Das Gerät könne bei weitem nicht nur Bomben aufspüren, sicherte der Brite James McCormick seinen potentiellen Käufern zu. Auch Elfenbein, Drogen und jede Menge anderer gefährlicher oder verbotener Substanzen könne es entdecken – und sogar Menschen, die sich zu verstecken versuchten. Man könne das Gerät unter Wasser einsetzen und unterirdisch. Es funktioniere sogar durch dicke Wände. Alles kein Problem.

Der Verurteilte McCormick. Polizei Avon and Somerset

Der Verurteilte McCormick.

Mehr als 50 Millionen Pfund hat der 56-jährige Brite Medienberichten zufolge mit dem Verkauf dieser Geräte gemacht. Er hat sie vor allem in Kriegs- und Krisenregionen wie den Irak und nach Afghanistan verkauft. Auch die kenianische Polizei hat seine Technik eingesetzt, die Grenzkontrolleure in Thailand und die ägyptische Armee. Doch im Prinzip konnten die Maschinen nur eines: Golfbälle suchen, aber keinesfalls all die gefährlichen Dinge aufdecken und so Leben retten, was sich die Käufer erhofft hatten.

Jetzt hat ein Londoner Gericht McCormick wegen Betrugs für schuldig erklärt. Das genaue Strafmaß wird nächste Woche festgelegt. Ihm drohen acht Jahr Haft. Der Mann sei ein Bauernfänger, ein Hochstapler, sagten Ermittler vor Gericht, aber ein Hochstapler von der teuflischen Sorte. „Ich bin überzeugt davon, dass Menschen ihr Leben verloren haben, weil sie an die Funktionstüchtigkeit des Geräts geglaubt haben“, sagte Kriminalkommissar Nigel Rock nach Medienangaben vor Gericht. Rock hatte die Ermittlungen in diesem Fall geleitet.

Was die Briten an der EU stört

Nationale Identität

Als ehemalige Weltmacht ist Großbritanniens Politik noch immer auf Führung ausgelegt. London ist gewohnt, die Linie vorzugeben, statt sich mühsam auf die Suche nach Kompromissen zu begeben. Die Briten reagieren allergisch auf jegliche Vorschriften aus Brüssel.

Londoner City

Die Londoner City ist trotz massiven Schrumpfkurses noch immer die Lebensader der britischen Wirtschaft. Großbritannien fühlt sich von Regulierungen, die in Brüssel ersonnen wurden, aber die City treffen, regelrecht bedroht.

Soziales und Arbeitsmarkt

Auch in der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik wollen sich die Briten nicht von Brüssel herein reden lassen. Eine gemeinsame EU-weite Arbeitszeitrichtlinie hat beispielsweise für heftigen Streit gesorgt.

EU-Bürokratie

Die Euroskeptiker unter den Briten halten die Bürokratie in Brüssel für ein wesentliches Wachstumshemmnis. Anti-Europäer in London glauben, dass Großbritannien bilaterale Handelsabkommen mit aufstrebenden Handelspartnern in aller Welt viel schneller aushandeln könne als der Block der 27. Die Euroskeptiker fordern auch, dass der Sitz des Europaparlaments in Straßburg abgeschafft wird und die Abgeordneten nur noch in Brüssel tagen.

Medien

Die britische Presse ist fast durchgehend europafeindlich und prägt das Bild der EU auf der Insel. Das hat politische Wirkung. „Ich muss meinen Kollegen in Brüssel dauernd sagen, sie sollen nicht den 'Daily Express' lesen“, zitierte mal die „Financial Times“ einen britischen Minister.

McCormick hat die Suchgeräte für Golfbälle für etwa 13 Pfund gekauft, sie leicht verändert und später für bis zu 33 000 Pfund pro Stück verkauft. Mit diesem Trick hat der Mann, der zuvor mal eine Ausbildung zum Polizisten gemacht und später als Vertreter für Elektrogeräte gearbeitet hatte, ein Vermögen gemacht. Er konnte sich nach Informationen britischer Zeitungen eine Yacht, Luxusautos und Ferienhäuser leisten, eine Villa in einem der edelsten Vierten in der westenglischen Kurstadt Bath für 3,5 Millionen Pfund kaufen, die zuvor dem Schauspieler Nicolas Cage gehörte, und seiner Tochter teure Hobbies wie das Dressurreiten finanzieren.

In diesen Koffern verkaufte McCormick die vermeintlichen Bomben-Spürgeräte. Polizei Avon and Somerset

In diesen Koffern verkaufte McCormick die vermeintlichen Bomben-Spürgeräte.

Die größten Umsätze machte McCormick mit dem Verkauf der Geräte in den Irak. Nach Informationen der BBC soll er dort hohe Beamte mit Millionen bestochen haben, um seine angeblichen Bomben-Detektoren loszuwerden.

Sein Trick, Millionen zu machen, ist Ende 2009 aufgeflogen. Britische Armeeoffiziere, die in Basra und Bagdad im Einsatz waren, stellten die Wundergeräte von McCormick in Frage.

Vor Gericht verteidigte sich der Mann vor allem mit einem Argument: Bislang hätte sich keiner seiner Kunden über das Gerät beschwert. Keiner hätte den Austausch einer fehlerhaften Maschine gefordert oder die Rückerstattung des Kaufpreises.

Kommentare (6)

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Pendler

24.04.2013, 15:29 Uhr

Das müsste ja eigentlich in der Rubrik "Unser Held des Tages stehen" - super Geschichte, es fällt auch keinem Sicherheitsunternehmen ein, mal Produkttests durchzuführen eh für Millionen geordert wird ;-)
Wenn die Bestechung nicht dazu käme, wäre dem Mann jeder Penny zu gönnen ;-))))

KnowHow

24.04.2013, 15:31 Uhr

Was für eine Marge. Und was für eine tolle Geschichte. Ein erstklassiger Verkäufer.

Und er hat sich auch noch die richtigen Kunden ausgesucht. Tja, im Oeffentlichen Dienst sind selten grosse Geister.

Ofelas

24.04.2013, 15:59 Uhr

Ja...ausser das er das Leben von Soldaten und Zivilisten gefaehrdet hat, die IED's mit den Dingern gesucht haben...und keine Chance hatten welche zu finden

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