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12.02.2006

19:10 Uhr

Viel Schnee, aber weniger Chaos

In Ostbayern drohen nun Überschwemmungen

Nach der Gefahr durch außergewöhnlich starke Schneefälle drohen den ostbayerischen Katastrophengebieten nun Überschwemmungen durch Schmelzwasser. Vorerst können die Menschen aber aufatmen.

Ein Mann versucht im niederbayerischen Bodenmais den Schnee vom Dach seines Hauses zu entfernen. Foto: dpa

Ein Mann versucht im niederbayerischen Bodenmais den Schnee vom Dach seines Hauses zu entfernen. Foto: dpa

HB PASSAU/WIEN. Durch den Einsatz von tausenden Helfern und nachlassenden Schneefall entspannte sich die Lage in den Krisenregionen Ostbayerns deutlich. Am Abend wurde im niederbayerischen Landkreis Straubing-Bogen der Katastrophenalarm aufgehoben. Die Menschen in den Schneegebieten fürchten jedoch neues Unheil: Bis in Lagen um 1000 Meter wird von der Wochenmitte an Tauwetter einsetzen, kündigte der Wetterdienst Meteomedia an. Das könnte zu Überschwemmungen führen, sagte Meteorologe Michael Hofstätter am Sonntag. Keine Entwarnung gab es für die Schneegebiete in Österreich, Schweiz und Tschechien.

Der Kampf gegen Schnee und Eis forderte am Wochenende in Bayern drei weitere Todesopfer. In einer Deggendorfer Klinik starb ein 55 Jahre alter Mann, der bei Schneearbeiten auf seiner Reithalle rund zwölf Meter in die Tiefe gestürzt war. Bei Bogen stürzte ein 44 Jahre alter Mann am Sonntag beim Schneeräumen vom Dach und wurde von nachrutschenden Schneemassen begraben, unter denen er Stunden später tot aufgefunden wurde.

Eine 62-jährige Frau kam in Ruhpolding beim Sturz vom Balkon ihres Einfamilienhauses ums Leben, als sie an der Dachrinne hängende Eiszapfen abschlagen wollte, teilte die Polizei mit. Sie verlor das Gleichgewicht, stürzte kopfüber dreieinhalb Meter in die Tiefe und war sofort tot. Bereits am Donnerstag hatte sich ein Feuerwehrmann in Traunstein beim Freiräumen eines Daches tödlich verletzt. Der 27- Jährige war auf einer Gewerbehalle durch ein Dachfenster aus Plexiglas in die Tiefe gefallen.

Trotz des massiven Einsatzes der Helfer brachen am Wochenende weitere Dächer ein. Im niederbayerischen Zwiesel stürzte in der Nacht zum Sonntag erneut eine Lagerhalle unter der Schneelast zusammen. Menschen wurden nicht verletzt. In Hinterschmiding brach das Dach eines Kuhstalls ein. Die Holzkonstruktion fiel auf eine Stahlbetondecke, die aber nicht nachgab: So konnten die rund 50 Tiere unverletzt gerettet werden. Im sächsischen Zwönitz gab das Dach eines Autohauses unter den Schneemassen nach. Menschen wurden nicht verletzt, da weder Kunden noch Personal in der Ausstellungshalle waren.

Etliche bayerische Nebenstraßen mussten mit schwerem Gerät geräumt werden, da sie vielfach nur noch einspurig befahrbar waren. Die Helfer machten auch die Zufahrten zu abgelegenen Höfen und Weilern wieder frei. Dennoch bekommen die Schüler in zahlreichen Gemeinden auch an diesem Montag noch schulfrei. Beim Krisenstab im Landkreis Regen hieß es, dass die Lage weiter ernst sei. Im Landkreis Passau dagegen konnte die Zahl der Einsatzkräfte bereits am Samstag deutlich reduziert werden. In vier von ursprünglich sieben Landkreisen wurde der Katastrophenalarm am Sonntagabend noch aufrechterhalten.

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