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23.07.2011

09:55 Uhr

Viele Tote

Blutiger Terror versetzt Norwegen in Schockzustand

Die Anschläge von Oslo haben mindestens 91 Menschen das Leben gekostet. Ministerpräsident Stoltenberg spricht von der schlimmsten Tragödie seit dem zweiten Weltkrieg. Der mutmaßliche Täter stammt aus dem rechten Milieu.

Zerstörte Häuserzeile in Oslo: Der Terror trifft Norwegen ins Herz. Quelle: Reuters

Zerstörte Häuserzeile in Oslo: Der Terror trifft Norwegen ins Herz.

Stockholm/OsloNorwegen steht unter Schock: Mindestens 84 Jugendliche sind bei einem Anschlag auf ein Ferienlager der regierenden sozialdemokratischen Partei in der Nähe von Oslo erschossen worden. Zuvor kamen bei einem Bombenanschlag im Regierungsviertel der norwegischen Hauptstadt Oslo mindestens sieben Menschen ums Leben. Die Polizei hat einen 32jährigen Norweger festgenommen. Er steht in dringendem Verdacht, beide Anschläge ausgeführt zu haben.

Der Chef der norwegischen Polizei, Østein Mæland, rang mit den Tränen, als er am frühen Samstagmorgen die Zahl der Opfer bekanntgeben musste. „Eine solche Situation wie jetzt haben wir noch nie in Norwegen erlebt“, sagte er. Auch in den norwegischen Medien wurden die Anschläge in Oslo und dem Ferienlager rund 20 Kilometer von der Hauptstadt entfernt als das schlimmste Ereignis seit dem Zweiten Weltkrieg bezeichnet.

„Wir haben immer noch keinen vollständigen Überblick über die Anzahl der Opfer“, sagte er. „Viele Jugendliche befinden sich in Krankenhäusern, einige von ihnen sind schwer verletzt“. Auch im Wasser um die Insel werde nach weiteren Opfern gesucht, ergänzte ein Polizeisprecher am Morgen.

Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg hat die Anschläge mit mindestens 87 Toten als „nationale Tragödie“ eingestuft. Am Samstagmorgen sagte auch der Regierungschef in Oslo: „Seit dem Zweiten Weltkrieg haben wir in unserem Land keine schlimmere Katastrophe erlebt.“ Die Tat sei „unbegreiflich“.

Stoltenberg bestätigte, dass er am heutigen Samstag eigentlich plangemäß das Sommerlager der sozialdemokratischen Jugendorganisation AUF hatte besuchen wollen. Dort hat ein wahrscheinlich allein handelnder Attentäter in Polizei-Uniform am frühen Freitagabend mindestens 84 Jugendliche getötet.

Stoltenberg, der auch Chef der sozialdemokratischen Arbeiterpartei ist, sagte stark bewegt über seine persönlichen Erinnerungen an das alljährliche Sommerlager für Jugendliche auf der Insel Utøya: „Utøya war das Paradies meiner Jugend. Gestern wurde es in eine Hölle verwandelt.“ Er sagte, dass er mehrere der Opfer gekannt habe. Er will im Tagesverlauf Überlebende des Massakers und deren Angehörige besuchen.

Stoltenberg hat zudem nicht ausgeschlossen, dass das Bedrohungslevel noch angehoben wird. Bei einer Pressekonferenz zusammen mit Justizminister Knut Storberget in Oslo erklärte er, das Militär arbeite eng mit der Polizei zusammen. Das Regierungsgebäude sei derzeit außer Betrieb, man treffe sich an einem anderen Ort.

Nachdem die Einwohner Oslos am Vortag aufgefordert worden waren, in ihren Häusern zu bleiben, werde man diese Aufforderung nach und nach lockern. Stoltenberg und Storberget warnten vor Spekulationen und erklärten, die Ermittlungsergebnisse der Polizei seien abzuwarten. Man solle die Polizei ihre Arbeit tun lassen. Die Regierung werde sich nun mit Angehörigen der Opfer treffen.

Norwegen zeichne sich durch Toleranz aus, die auch nach dem Massaker unbedingt beizubehalten sei, sagte Stoltenberg. Hinsichtlich des mutmaßlichen rechtsextremistischen Hintergrunds eines festgenommen Verdächtigen erklärte er, es habe bislang keine derartigen Probleme mit Rechtsextremen gegeben.

 

Kommentare (5)

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normaler_mensch

23.07.2011, 09:14 Uhr

Jegliche Gewalt ist zu verurteilen, erst recht, wenn sie als Mittel der politischen Auseinandersetzung angewandt wird. Dazu dürfte auch der Sprengstoffanschlag in Oslo zählen - grausam.

Was jedoch auf der Insel Utøya bei dem Jugendcamp angerichtet wurde ist in der Tat eine Tragödie mit einem entsetzlichen Ausmaß. Das treibt einem die Tränen in die Augen, selbst wenn man ein gewisses Maß an Leid gewohnt ist. 80 tote Jugendliche, junges Leben, ausgelöscht, einfach so.

Ich trauere mit den Angehörigen, Freunden und Bekannten.

schnippschnappschnudi

23.07.2011, 09:21 Uhr

Mehr als 80 Tote. Und diesmal nicht AlQaida, wie alle gleich dachten, sondern ein Norweger, Rechtsradikaler. Können wir nur hoffen, dass er nicht seine hirnverbrannten tumben "Kameraden" hier auf dem Kontinent inspirert.... Gedenken den Toten und Mitgefühl für die Familien. Habe viele Freunde in Norwegen (lebte dort mal): das Land steht unter Schock.

Kowalski

23.07.2011, 10:55 Uhr

Meine äußerst kritische, ablehnende und wachsame Haltung gegenüber allen islamistischen Extremstem wird sich unabhängig davon, wer diesen Terroranschlag verübt hat, in keiner Weise ändern!

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