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09.02.2012

18:57 Uhr

Vier Wochen nach Costa-Unglück

Drohende Umweltkatastrophe durch Schweröl

Noch immer lagern 2300 Tonnen Treibstoff in den Tanks des havarierten Kreuzfahrtschiffs. Die Spezialisten zum Abpumpen stehen bereit, doch immer wieder macht schlechtes Wetter Arbeiten am Schiff unmöglich.

So wie vor vier Wochen liegt das auf Grund gelaufene Kreuzfahrtschiff vor der italienischen Insel Giglio. Reuters

So wie vor vier Wochen liegt das auf Grund gelaufene Kreuzfahrtschiff vor der italienischen Insel Giglio.

Giglio/RomVier Wochen nach der Havarie der „Costa Concordia“ bleibt das gefährliche Schweröl an Bord die größte Sorge der Bergungsteams. Weil das Wetter längere Zeit schlecht war, konnten die Techniker des niederländischen Bergungsunternehmens Smit erst am Donnerstag wieder damit beginnen, das Abpumpen der Tanks vorzubereiten. Der bekannte US-Schadensanwalt John Arthur Eaves sagte unterdessen in Rom, Passagiere sollten keine Entschädigungen „unter 100.000 Dollar“ akzeptieren.

Eaves vertritt nach eigenen Angaben etwa 70 Passagiere des havarierten Schiffes, darunter Amerikaner, Italiener, Deutsche und Briten. Er riet den Passagieren davon ab, die von der Reederei angebotene Basisentschädigung von 11.000 Euro anzunehmen. „Dies ist respektlos den Menschen gegenüber, die einer der „Titanic“ ähnlichen Erfahrung sechs Stunden lang ausgesetzt waren“, sagte er.

Im Gegensatz zu anderen US-Anwälten empfahl er auch, von Sammelklagen Abstand zu nehmen. Individuelle Klagen gegen die Muttergesellschaft Carnival in Miami hätten „eine weit größere Chance auf Erfolg“ und dauerten auch weniger lange. Das Kreuzfahrtschiff war am 13. Januar mit mehr als 4000 Menschen an Bord vor der italienischen Insel Giglio auf einen Felsen gefahren und leckgeschlagen. Bislang wurden 17 Leichen geborgen. 15 Menschen werden noch vermisst, darunter sechs Deutsche.

Sollten die Vorbereitungen zum Abpumpen des Öls noch am Donnerstag beendet werden, dann hängt alles Weitere vom Wetter ab. Denn Italien erwartet von Freitag an eine neue Kältewelle. Sollte das Schweröl auslaufen, befürchten Experten eine Umweltkatastrophe.

Die Bergungsteams müssen in sechs Tanks des Schiffes jeweils zwei Löcher bohren. In diesen Tanks befindet sich nach Angaben von Smit mehr als die Hälfte der etwa 2300 Tonnen Treibstoff, überwiegend Schweröl.

Das Schweröl muss erhitzt und dann abgeleitet werden. Gleichzeitig wird durch die zweite Öffnung Wasser in den Tank gedrückt, um Gewicht und Druck auszugleichen. Die Teams hatten ihre Vorarbeiten schon mehrfach fast beendet, doch Wind und Wellengang zwangen sie immer wieder dazu, die Arbeiten zu unterbrechen.

Von

dpa

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