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02.04.2006

14:00 Uhr

Vietnam

Onkel Ho wird renoviert

VonDietmar Petersen

Wenig geschichtsverklärt gesinnt, stürmt Vietnams Jugend in die Zukunft. Sie nimmt Onkel Ho allenfalls als Nationalheld, nicht als Revolutionär wahr – von ihrer Welt so weit entfernt, wie der Himmel über Hanoi hoch ist und das Politbüro, das die Herrschaft über die Köpfe verloren hat, Lichtjahre fern scheint.

Vietnam hat sich gewandelt.

Vietnam hat sich gewandelt.

HANOI. Der Besuch bei Onkel Ho fiel diesmal aus. „Onkel Ho ist gerade in der Maske“, hatte Cuong schon am Flughafen despektierlich spekuliert. Cuong, 25 Jahre jung und bewährter Freund und Helfer im vietnamesischen Alltag, hat andere Sorgen als die Öffnungszeiten des Ho-Chi-Minh-Mausoleums in Hanoi.

Präsident Ho Chi Minh, vietnamesischer Freiheitsheld der Kämpfe gegen die Japaner, Franzosen und Amerikaner und Revolutionsikone der 68er-Generation, wird in einem Glassarkophag aufbewahrt, in einer Trutzburg aus schwarzem, rotem und grauem Marmor. Auf dem Platz vor dem Mausoleum hatte er am 2. September 1945 die Unabhängigkeit Vietnams ausgerufen.

Der Revolutionär und Asket wollte nie konserviert werden. Ein kleines Holzhaus mit sparsam möbliertem Arbeits- und Schlafzimmer zeugt von einem spartanisches Leben.

Doch seine Mumie ist Teil der Staatsräson, und die Konservatoren kämpfen gegen ihren Zerfall. Wer an seinen sterblichen Überresten vorbeidefiliert, in der Herzkammer der Revolution, der staunt: Dieser schmächtige Greis vertrieb einst Frankreich aus Indochina, demütigte seine stolze Armee, zwang die Weltmacht USA zu einem Rückzug ohne Ruhm und Ehre?

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