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06.01.2017

07:29 Uhr

Viren-Wetter

Ein „besorgtes Auge“ auf Grippewelle

Mit Sturmtief „Axel“ scheint die Kälte dieser Tage förmlich in die Knochen zu kriechen. Manche niesen schon. Muss man eher eine Erkältung oder gar Grippe fürchten, wenn man durchgefroren ist?

Schon vor Beginn der eigentlichen Grippe-Saison hat es einige Menschen erwischt. dpa

Grippe

Schon vor Beginn der eigentlichen Grippe-Saison hat es einige Menschen erwischt.

BerlinBloß nicht ohne Mütze oder gar mit nassen Haaren in die Kälte! Dem Volksmund nach kann ein kalter Kopf Krankmacher sein – wer sich nicht warm genug angezogen hat, trägt demnach selbst Schuld für triefende Nase, Fieber und Husten. Drohen angesichts des aktuellen Wintersturmtiefs mit klirrender Kälte nun auch mehr Erkältungen und Grippefälle in Deutschland? Zwar macht Kälte allein Experten zufolge nicht unbedingt krank – irrelevant sind die Temperaturen aber nicht. Denn Viren haben bei Kälte leichteres Spiel.

Grippeviren beispielsweise überlebten länger in der äußeren Umgebung, je trockener und kälter es ist, sagt Silke Buda vom Robert Koch-Institut (RKI) auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings ist die Grippewelle dieses Winters unabhängig von der aktuellen Kälte losgerollt: Experten sehen den Beginn einige Wochen früher als in den vergangenen beiden Saisons, und zwar kurz vor Weihnachten 2016.

Bei rund 2600 Menschen haben Laboruntersuchungen nach Daten der Arbeitsgemeinschaft Influenza am RKI von Beginn der Grippewelle bis Anfang Januar eine Grippeerkrankung bestätigt. Längst nicht alle Erkrankungen werden gemeldet. „Es gibt schon eine deutliche Viruszirkulation“, betont Buda. Betroffen sind demnach bislang ältere Menschen insbesondere bei schweren Krankheitsverläufen.

Echte Grippe

Was?

Influenza, die auch echte Grippe genannt wird, ist eine plötzlich einsetzende Atemwegserkrankung. Betroffene bekommen Fieber, Halsschmerzen und trockenen Husten, oftmals begleitet von Kopf- und Gliederschmerzen. Bei vielen Menschen kommt ein starkes Krankheitsgefühl dazu.

Wer?

Die echte Grippe wird von Viren ausgelöst, Antibiotika sind daher wirkungslos.

Wie?

Die Erreger werden durch Tröpfchen beim Niesen, Sprechen und Husten übertragen – oder zum Beispiel über verunreinigte Gegenstände wie Türklinken.

Wie gefährlich?

Grippe kann in seltenen Fällen zu schweren Komplikationen wie Lungenentzündungen führen und auch zum Tod.

Was hilft?

Wirksamster Schutz gegen Grippeviren ist eine Impfung. Menschen, die ein erhöhtes Risiko für besonders schwere Symptome haben, sollten sich unbedingt impfen lassen. Dazu zählen Menschen über 60, Schwangere und chronisch Kranke. Zudem sollte sich Personal in Kliniken und Altenheimen impfen lassen. Aber auch, wer nicht zu diesen Personengruppen zählt, verbessert mit einer Impfung seine Aussicht, grippefrei durch den Winter zu kommen.

Gemeldet wurden mehrere Ausbrüche in Krankenhäusern in verschiedenen Bundesländern – und neun Todesfälle, davon acht bei Menschen ab 60 Jahren. „Das erinnert auch an die Saison 2014/15“, sagt Buda. Damals starben nach RKI-Schätzungen rund 20.000 Menschen an Grippe. Buda will die aktuelle Situation nicht überbewerten: „Aber wir haben da schon ein Auge drauf. Ein besorgtes.“

Bayern ist bisher ein Schwerpunkt des Geschehens. Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) weißt darauf hin, dass eine Impfung auch jetzt noch sinnvoll sei. „Grippe ist keine harmlose Erkältung“, warnt sie.

Nachweislich seien die oberen Atemwege bei kalter Luft anfälliger, erläutert die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Erika Baum. So werde beispielsweise der Abwehrmechanismus der Flimmerhärchen durch Kälte und trockene Luft beeinträchtigt.

Gerade Kinder könnten zudem über den Kopf recht schnell auskühlen, da er bei ihnen verhältnismäßig groß und dünn behaart ist, wie Baum erläuterte. Wenn der Körper auskühlt, werden einige Funktionen heruntergefahren, darunter auch die Abwehr. Baum verweist zudem darauf, dass kalte oder nasskalte Füße erwiesenermaßen zu Blasenentzündungen führen können.

Letztlich seien es viele jahreszeitliche Faktoren, die die Ausbreitung von Atemwegserkrankungen wie Grippe und Erkältungen beeinflussten, erklärt RKI-Expertin Buda: „Temperatur, Wetter und Luftfeuchtigkeit spielen zwar mit eine Rolle, aber nicht die entscheidende.“ Der Impfschutz in der Bevölkerung, die Neuheit einer Virenvariante und auch das Immunsystem des Einzelnen hätten beispielsweise Einfluss.

Zudem halten sich die Menschen im Winter eher in geschlossenen, beheizten Räumen auf, was die Schleimhäute austrocknen kann. Wo sich viele Menschen aufhalten, kommt es zudem eher zu Ansteckungen.

Von

dpa

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